Wie Bettler aus der Bettler-Mentalität herausfinden

Livenet, 10.10.2019

Wie Bettler aus der Bettler-Mentalität herausfinden

Bartimäus-Projekt in Indien
Pfarrer und Autor Bernard Huber aus Herisau (SG) gründete im Jahr 2000 mit dem indischen Pfarrer Martin Luther
das Bartimäus-Projekt, um den Ärmsten der Armen in den Slums indischer Metropolen mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Kleidung, Medikamenten, Schulbildung und dem Evangelium zu einem neuen Leben zu verhelfen. Livenet sprach mit Bernard Huber über das Projekt und den Ausstieg aus der Bettlermentalität.

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Bernard Huber

 

Bernard Huber, wie kam es zur Gründung des Bartimäus-Projekts in Indien?
Bernard Huber: Sicher war die Begegnung mit Martin Luther ausschlaggebend. Er hat mich sehr beeindruckt durch seinen Glauben und seine aufopfernde Liebe zu den Armen. Schon vor dieser Begegnung spürte ich den Wunsch, etwas Wesentliches für Menschen in Not zu tun. Die Liebe zu den Menschen in Indien nahm bei meinen zahlreichen Besuchen im Land immer zu. Was uns bewog zu helfen, waren die desaströsen Lebensbedingungen und die Hoffnungslosigkeit.

Was tun Sie, um Bettler aus der Hoffnungslosigkeit herauszuführen?
Das Projekt startete mit dem Bau eines Waisenhauses. Als erstes wollten wir Waisenkindern ein angenehmes Zuhause und normale Lebensbedingungen bieten. Die Arbeit weitete sich mit den Jahren auf die Bettlerwelt in verschiedenen Grossstädten aus. Alles geschieht innerhalb von Beziehungen. Sozialarbeiter begleiten Bettler und helfen bei der Arbeitssuche. Das Aufgeben des Bettelns geht quasi immer Hand in Hand mit einer inneren Umwandlung der Bettler.

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Zusammenkunft von ehemaligen Bettlern

 

Wie geschieht diese innere Umwandlung?
Ein grosser Teil der Bettlerarbeit wickelte sich am Anfang in den «Offenen Kirchen» ab. Es waren Orte der Begegnung, wo sich die Bettler trafen und Ermutigung erlebten. Heute liegt der Schwerpunkt mehr auf der Arbeit in Kleingruppen nach dem 3D-Movement-Modell. In regelmässigen Zusammenkünften ermutigen sich Menschen gegenseitig zum christlichen Leben und tauschen sich über ihre Lebensprobleme aus. Es ist der Ort, wo der Glaube vertieft und praktisch weiterentwickelt wird. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Charakterentwicklung des Einzelnen. Bettler werden ermutigt, im Vertrauen auf Gott ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.

Welche Rolle spielt dabei der Glaube an Jesus?
Wenn Glaube erfahrbar sein soll, dann muss der angerufene Gott einen Namen tragen. Die Glaubwürdigkeit und die Lebendigkeit Gottes wird an seiner Bereitschaft gemessen, Gebete zu erhören. Insofern richten sich die Bettler auf Jesus aus, weil eine Beziehung zu ihm der Schlüssel für eine enge Gottesbeziehung ist. Das Gebet spielt in ihrem Gottesverständnis eine wichtige Rolle, weil die meisten auf Hilfe angewiesen sind.

Was war Ihr eindrücklichstes Erlebnis?
Das schönste ist, zu erleben, wie Menschen ihre Denkweise und ihren Lebensstil ändern, weil sie lernen, ihr Leben auf Christus zu fokussieren. In unserem Werk sind freundschaftliche Beziehung, praktische Hilfe und Fürbitte ein Schlüssel für Veränderungen. Dieser Sprung in ein neues Leben berührt mich immer sehr.

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Bernard Huber hilft mit

 

Sie haben ein Buch mit dem Titel «Gib deiner Sehnsucht Raum. Mit dem Herzen glauben» geschrieben. Gibt es einen Zusammenhang mit Ihren Erfahrungen in Indien?
Darin schildere ich, wie wir als Menschen unsere persönliche Sehnsucht auf Gott ausrichten können. Der Schwerpunkt liegt auf unserer Grundeinstellung. Gott versteht es, uns zu gebrauchen, wenn wir etwas auf dieser Welt für ihn bewegen wollen. Obwohl wir von der Gnade Gottes abhängen, besteht doch die Möglichkeit, durch unser Suchen und unsere Haltung das eigene Leben zu beeinflussen. Das habe ich in Indien erfahren, und ich bin überzeugt, dass es für jeden Menschen erlebbar ist, der Gott dienen möchte.

Wie ist das Bartimäus-Projekt organisiert?
Das Projekt ist geleitet durch einen indischen und einen schweizerischen Vorstand. Da uns die gleiche Vision bewegt, arbeiten wir auf vielen Ebenen eng zusammen. Alle wichtigen Entschlüsse treffen wir gemeinsam. In der Schweiz ist das Projekt dem konfessionell unabhängigen Verein Inter-Mission angeschlossen.

Was ist Ihre Hoffnung, Ihr Gebet für Indien?
Christen geraten in Indien immer stärker unter Druck. Sie leiden unter einer gezielten Hinduisierung des Landes, teils unter massiver Verfolgung. Indische NGOs stehen wegen ihrer christlichen Ausrichtung in Gefahr, die Erlaubnis zu verlieren, finanzielle Unterstützung aus dem Ausland zu empfangen. Wir beten, dass Menschen nicht daran gehindert werden, ihren Glauben auszuüben und dass das Evangelium Wege in der Bettlerwelt findet, um sich weiterhin zu verbreiten.

Hier kommen Sie zur Webseite des Projektes:
Bartimäus-Projekt


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