»Es geht darum, welchen Beitrag ich in dieser Welt leiste«

Livenet, 02.07.2018

»Es geht darum, welchen Beitrag ich in dieser Welt leiste«

Verständnis von Berufung
Angefangen hat es mit sechs Personen an einer Gebetsretraite. Dort wurde im Leitungsteam der Chrischona International ein Anliegen geweckt, welches seither weitergewachsen ist.

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Chrischona-Direktor René Winkler

 

Vor elf Jahren zogen sich sechs Personen der Leitung von Chrischona International zu einer Gebetsretraite zurück. Es ging darum, sich nach einer Krisenzeit neu auf das Wesentliche zu fokussieren. Doch was war das eigentlich? Nach einem monatelangen Prozess ging es jetzt darum, während zwei Tagen jegliche Sitzungstraktanden beiseite zu legen und einfach zu beten. Einer der Anwesenden war René Winkler, der heutige Direktor von Chrischona International. Er bezeichnet die damalige Gebetsretraite als nachhaltend richtungsweisend.

Gebetsretraite setzte Akzente

Während dieser zwei Tage waren es zwei Bibeltexte, welche die Aufmerksamkeit der Gruppe in besonderem Mass auf sich zogen (Jesaja, Kapitel 61, Verse 1-3 und 1. Petrus, Kapitel 2, Vers 9). Und plötzlich stand die Wichtigkeit von echter, tiefgreifender Lebensveränderung im Raum. Durch alle Lebenserfahrungen der Christen, besonders auch der schwierigen, soll Gottes Gerechtigkeit hindurchdringen. Ihr ganzes Leben soll eine Verkündigung von Gottes Machttaten sein und es spricht nun mal nichts so deutlich, wie ein verändertes Leben. René Winkler hält fest: «Unveränderte Christen immunisieren unsere Mitmenschen für das Evangelium.»

Deshalb soll Lebensveränderung für Christen eine normale und erfahrbare Realität sein. Egal wie lange jemand bereits im Glauben steht, Veränderung wird immer dazu gehören. Während der Gebetsretraite wurde klar, dass das ganze Leben von Christen eine Veränderung erfahren soll – und das erfordert ein entsprechendes Verständnis und einen ganzheitlich gelebten Glauben.

Oft steht ein mangelhaftes Gemeindeverständnis im Weg

Heute wird Gemeinde oft mit Gottesdienst, Gemeindegebäude und Pastor in Verbindung gebracht. Entsprechend wird jemand als Teil der Gemeinde verstanden, wenn er sich durch Mitarbeit in der Gemeinde bewiesen hat. So werden beispielsweise Führungskräfte in einem säkularen Arbeitsumfeld als zweitrangig angesehen – ihr Engagement für die Gemeinde ist ungenügend. Leider wird es einer beruflich sehr beanspruchten Führungskraft kaum möglich sein, die hohen Erwartungen der Gemeinde zu erfüllen.

Die Haltung muss sich ändern. Winkler hält fest: «Jeder Christ, egal wo er ist und sich einsetzt, ist ein Gesandter von Gottes Reich.» Das bedeutet folglich, dass sich ein Christ nicht nur innerhalb der gemeindlichen Aktivitäten, sondern überall dort bewähren soll, wo er sich befindet. Dies betrifft auch Familie und Beruf. Egal ob Abwart, Unternehmer oder Politiker: Jeder soll seinen Glauben aktiv leben, genau dort, wo er eben ist.

Winkler sieht im segnenden Einsetzen von Christen einen wichtigen Schritt: «Frauen und Männer sollen für ihr Engagement in Gesellschaft, Familie, Beruf oder Politik gesegnet werden. In unserer traditionellen Praxis werden oftmals leider nur Pastoren oder leitende Mitarbeiter der Gemeinde für ihren Dienst eingesetzt. Das sollte sich ändern!»

Ein gesundes Verständnis von Berufung

René Winkler erzählt von einer Frau, die ein politisches Amt übernahm und ihre Gemeinde hierzu um einen Segen bat. Diese Bitte wurde anfänglich abgelehnt. Ihr politisches Engagement wurde nicht begrüsst, weil sie dadurch keine Energie mehr für die Gemeinde haben würde. Solche Geschehnisse wertet Winkler als negativ, weiss sie aber auch zu erklären: «Lange wurde Berufung mit einem vollamtlichen Dienst in der Gemeinde in Zusammenhang gebracht. Aber nicht mit einem Dienst in irgendeinem anderen Bereich.»

Es sei wichtig, ein klares Bild der eigenen Berufung vor Augen zu haben. «Berufung ist weit mehr als ein Amt oder eine Arbeitsstelle. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, welchen Beitrag ich in dieser Welt leiste.» Als positives Beispiel erwähnt Winkler die Geschichte eines Pastors, welcher im Alter von mehr als 60 Jahren seinen Job verlor. Anstatt zu verzweifeln, nahm er einen Job in der Wirtschaft an und lebt seine Berufung dort mit Begeisterung weiter.

Wenn wir unsere Berufung in dieser Welt erkennen, werden wir immer eine Möglichkeit finden, diese zu erfüllen. «Meine Aufgabe in dieser Welt ist, erwachsene Menschen zu fördern.» Darin sieht Winkler seinen Auftrag in dieser Welt. Und ja: Diesem Auftrag kann er tatsächlich fast überall nachkommen.

Die Chrischona ist unterwegs
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Theo Schäfer aus der Chrischona in Zug

 

Was damals an einer Gebetsretraite begann, nahm im Laufe der Jahre immer mehr Gestalt an. Menschen beginnen, ihr Christsein ganzheitlicher zu verstehen und erfahren dabei auch zunehmend Rückhalt in ihren Gemeinden.

Für Theo Schäfer aus der Chrischona in Zug war es sehr motivierend, als er zum Antritt einer neuen Arbeitsstelle von seiner Gemeinde gesegnet wurde. «Es berührte mich sehr, als Berufsmann gesegnet zu werden. Es ist gut zu wissen, dass eine Gemeinde hinter mir steht und es bedeutet eine grosse Freisetzung.»

Es sind die kleinen Schritte, welche eine Veränderung im Denken und Handeln der Christen einläuten.

Die Inhalte aus zitierten Quellen geben nicht die Meinung von PROSKYNEO.org wieder, sondern dienen ausschließlich der Informationsvermittlung.

 

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