Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der Evangelisation

Campus für Christus (Schweiz), 19.03.2018

Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der Evangelisation

«My Friends»-Mitinitiant
In der Evangelisation ist ein Paradigmenwechsel angesagt: Unsere Freunde, GeschäftskollegInnen sowie unsere Bekannten möchten nicht zuerst von Jesus hören, sondern mit uns Jesus erleben. Davon ist Matthias Langhans von Campus für Christus überzeugt.

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Matthias Langhans, Campus für Christus

 

«Im Skiclubvorstand sprachen wir über euch; ihr seid keine Leute, die missionieren.» Der Satz hatte mich aus meiner Nachmittagsmüdigkeit wachgerüttelt. Mir gegenüber sass ein langjähriges Vorstandsmitglied unseres Skirennclubs. Seit drei Jahren sind wir schon als Familie beim Club dabei. Während meine drei Kinder draussen auf der Skipiste trainierten, sass ich mit dem Clubkollegen in der Berghütte bei einer Tasse Kaffee und redete über Skifahren, Gott und die Welt.

«Ihr seid keine Leute, die missionieren»

Mit diesem Satz hatte ich nicht gerechnet. Verschiedene Gedanken schossen mir durch den Kopf: «Soll ich das als Kompliment auffassen? Muss ich nicht als Christ anecken? Machen wir was falsch? Und was meinte er eigentlich genau mit ‹missionieren›?» – Natürlich wusste er, dass ich bei einem Missionswerk arbeite. Aber was war sein Bild von einem missionierenden Christen? Im Anschluss an seinen Kommentar erzählte ich ihm offen, wie ich meinen Glauben lebe und wie ich ihn mit anderen teilen möchte. Doch der Kommentar ging mir nach – und freute mich zunehmend. Denn wenn jemand seinen Glauben an Jesus Christus sehr offen auslebt, dann sicher meine Frau und ich. Wir beten mit Handauflegung, wenn sich jemand auf der Skipiste verletzt hat, wir erzählen von unseren Erlebnissen mit Gott, verschicken auch mal eine «Gebets-WhatsApp» und sprechen auch sonst über unsere Glaubensüberzeugungen. Aber offenbar kommt das bei anderen nicht als «Missionieren» an.

Mission für Postmoderne

«Missionieren» ist etwas, was die postmoderne Generation gar nicht mag. Man will nicht als «Missionsobjekt» behandelt, nicht von einer «Wahrheit» überzeugt oder für einen «Glaubensverein» gewonnen werden. Andererseits sind auch heute viele Menschen interessiert daran oder zumindest offen dafür, in unsere Gottesbeziehung mit hineingenommen zu werden. Wir persönlich erleben, dass über neunzig Prozent unserer kirchenfernen Freunde und Bekannten gerne ein kurzes Segens- oder Bittgebet in Anspruch nehmen, wenn wir es ihnen anbieten. Viele von ihnen erwarten von dem Gebet vielleicht nicht viel, aber sie haben Respekt vor unserem aufrichtigen Vertrauen in Gott und sind interessiert daran, wie wir diese Gottesbeziehung konkret ausleben. Sie möchten nicht von unserem Glauben hören, aber sind offen dafür, unseren Umgang mit Gott mitzuerleben.

Wie kann das konkret aussehen? Warum nicht deinen kirchenfernen Freunden dein Lieblingsworshiplied vorspielen und ihnen erzählen, was es dir bedeutet. Oder wenn dein Gotteszugang die Natur ist, sie auf deinen Lieblingsgebetsspaziergang mitnehmen und dabei ein einfaches Dankes- und Segensgebet aussprechen. Bei einem gemütlichen Kaffee deinen Lieblingspsalm vorlesen und darüber austauschen. Oder für die anstehende Herausforderung deines Geschäftskollegen mit einem kurzen Vier-Satz-Segensgebet beten. Das Schöne am Lautbeten ist, dass unsere Freunde unser Vertrauen und unsere Innigkeit zu unserem himmlischen Vater miterleben können. Sie bekommen einen Einblick in unsere persönliche Gottesbeziehung. Das macht neugierig, und es ist sehr gut möglich, dass sie es selbst auch mal für sich ausprobieren.

Erst «Weihnachten», dann «Ostern»

Viele Christen haben ein festgefahrenes Bild von «Evangelisation» im Sinne von: Es geht darum, anderen zu vermitteln, dass Gott sie liebt, aber dass sie in ihrem Leben Dinge haben, die sie von Gott trennen (Sünde), und dass Jesus dafür am Kreuz gestorben ist. Aber wir erreichen die Herzen nicht, wenn wir das Evangelium (vom Griechischen euangelion für «gute Nachricht») allein auf diesen Brennpunkt konzentrieren. Die gute Nachricht ist viel weiter und fängt viel früher an. Wenn in Lukas, Kapitel 9, Vers 6 Jesus seine Jünger aussendet und diese daraufhin durch die Dörfer ziehen und das «Evangelium» verkündigen, sprechen sie sicher noch nicht vom Kreuzestod von Jesus. Jesus sprach zu den Jüngern erst viel später auf verständliche Weise von seinem Tod am Kreuz. Aber was war der Inhalt des «Evangeliums», von dem sie redeten? Ein Kapitel später in Lukas, Kapitel 10, Vers 9 sagt Jesus, was die Jünger verkünden sollten, wenn sie in die Häuser kämen: «Das Reich Gottes ist euch ganz nahe gekommen.» Die Jünger sollten miteinstimmen in die Freudenbotschaft des Engels, der damals in der Nacht der Geburt Jesu zu den Hirten gesagt hatte: «Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids» (Lukas, Kapitel 2, Verse 10–11). Die Jünger durften verkünden, dass das Reich Gottes durch Christus nahe gekommen und erfahrbar geworden sei. Was für eine unglaubliche Botschaft.

Kann es sein, dass wir oft zu früh mit der Osterbotschaft vom Tod und von der Auferstehung von Jesus kommen? Warum fangen wir nicht mit der Weihnachtsbotschaft an: «Das Reich Gottes ist für dich nahe herbeigekommen, du kannst diesem lebendigen Gott (wie die Hirten damals) heute begegnen!»? Was für eine gute Nachricht! In Lukas, Kapitel 10 wird ausführlich beschrieben, wie Menschen, die dafür offen waren, die Nähe Gottes erfahren würden, zum Beispiel dadurch, dass der Friede Gottes auf ihnen ruhen würde (Vers 6) und dass Kranke geheilt würden (Vers 9). Dann, wenn die Menschen Gottes Nähe und Wirken erfahren haben, können wir ihnen mehr darüber sagen, wie nun diese «Weihnachtsbotschaft» zusammenhängt mit dem Kern der ganzen Geschichte, dem Kreuzestod und der Auferstehung von Jesus Christus.

Gebet in der Skihütte

Gott hat Humor! Am gleichen Nachmittag, nachdem der Skiclubkollege mir gesagt hatte, dass wir nicht «missionieren» würden, ergab sich die Gelegenheit, für einen Trainingskameraden unserer Kinder zu beten. Der Junge leidet an der Höhenkrankheit, bekommt in der Höhe rasch Kopfschmerzen und kann dann nicht mehr Ski fahren – eine wahre Not für ihn und seine Eltern. Er sass an jenem Nachmittag zusammen mit seinen Eltern frustriert und mit Kopfschmerzen in der Berghütte. Sein Vater hat eine hohe Position im Gesundheitswesen inne und ist, wie ich im Gespräch mit ihm erfuhr, gegenüber Christen, die für Heilung beten, kritisch eingestellt. Aber in diesem Moment der Not, wünschte ich so sehr, dass der Junge die Nähe Gottes erfahren könnte. So fragte ich den Vater, die Mutter und den Jungen, ob ich wegen seiner Kopfschmerzen beten könne. Sie willigten ein, und so betete ich unter Handauflegung kurz und hörbar. Ich dankte Gott, dass er den Jungen so sehr liebt, gute Gedanken über seinem Leben hat und dass im Namen von Jesus Christus die Kopfschmerzen weichen sollen. – Meist wissen kirchenferne Menschen danach nicht, was sie sagen sollen, und das Leben geht normal weiter. Das ist total okay.

«Es hat genützt»

Am Abend sind wir dann mit den Familien und Trainern des Clubs in einem Restaurant gesessen und haben Pizza gegessen. Auf einmal sagte der Vater des Jungen vor allen am Tisch Sitzenden, dass sein Sohn mir noch etwas sagen möchte. Das Gebet hätte dann «genützt» und die Kopfschmerzen seien weg. Das Bewegende an der Geschichte ist, dass der Vater nur wenige Monate später einen Hirnschlag erlitt, aber wie durch ein Wunder überlebte. Die Familie hatte uns in dieser Situation ersucht, persönlich für ihn zu beten. Die Mutter erzählte uns, ihr Sohn, der Gottes Eingreifen in der Skihütte erlebt hatte, habe jeden Abend für seinen Vater um Genesung gebeten und ihnen als Eltern auch vorgeschlagen, uns fürs Gebet anzufragen. Uns wurde bewusst: Gott liebt diese Familie so sehr, wirbt um sie, genauso wie er auch um mich und meine Familie wirbt. Wir haben so einen guten himmlischen Vater, der uns dort, wo wir stehen, begegnet. Darum sind wir gerne mit ihm und für ihn unterwegs: als «Leute, die nicht missionieren», aber als solche, die sich als Gesandte mutig von ihm brauchen lassen, damit noch viele Menschen seine «Weihnachtsbotschaft» erfahren, die «Osterbotschaft» für sich annehmen und Jesus Christus von Herzen nachfolgen. Gerade letztes Wochenende sprach ich mit einer jungen Skitrainerin vom Skiclub, die säkular aufgewachsen ist. Sie bat uns darum, dass wir ihr eine gute Bibel aussuchen, und sie möchte mit uns gemeinsam in der Bibel lesen und mehr von Jesus erfahren.

MyFriends Lifestyle

Immer wieder begegnen wir anderen Christen, die diesen Lebensstil auch gerne für sich entdecken und trainieren möchten. Unser MyFriends-Team unterstützt dich gerne in folgenden Fragestellungen: Wie kannst du im Alltag ein Umfeld schaffen, in welchem deine Freunde Gott selbst erfahren können? Wie kannst du mit Freunden, Arbeitskollegen, Studienkollegen oder Nachbarn gemeinsam Jesus Christus in der Bibel entdecken? Gerne kommen wir in deine Region oder Kirche.

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