5’000 Christen suchen Weg der Versöhnung

5’000 Christen suchen Weg der Versöhnung

05.07.2016

Tausende Christen versprachen in der Münchner Innenstadt, das Evangelium von Jesus Christus zu leben, den Weg der Versöhnung zu gehen und Menschen anderen Glaubens mit Respekt zu begegnen. Das öffentliche Versprechen war Höhepunkt einer Kundgebung der Konferenz von «Miteinander für Europa» vom 30. Juni bis 2. Juli.

In München kamen am letzten Wochenende tausende Christen aus 32 Ländern und den verschiedensten Konfessionen zusammen, darunter auch hochrangige Kirchenvertreter.

Versöhnung ist der Schlüssel

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Schlüssel der Versöhnung

 

Seitlich der Bühne für die grosse Kundgebung war ein Tor aufgebaut, das mit Brettern vernagelt und verschlossen war. Nach jedem Beitrag auf der Bühne wurde ein Brett von dem «Tor der Zukunft» entfernt, bis es mit dem «Schlüssel der Versöhnung» schliesslich ganz geöffnet werden konnte. Jeder Teilnehmer der Kundgebung bekam als Erinnerung an die Kraft der Versöhnung einen Schlüssel geschenkt.

«500 Jahre Trennung sind genug»

«Die Trennung unter den Christen ist eine Wunde, aber sie muss nicht bleiben», sagte Gerhard Pross, Konferenzleiter und Leiter des CVJM-Esslingen. Trotz verschiedenster Prägung, so Pross, könnten Menschen tiefe Einheit mit Christen anderer Kirchen und Tradition finden. Er wies dabei auf das Tor hin. Es sei das Symbol dieser Kundgebung. Es gelte «füreinander die Tore der Barmherzigkeit zu öffnen». Und mit Blick auf die seit der Reformation bestehenden Trennung zwischen katholischen und evangelischen Christen, erklärte Pross vor den 5’000 Kundgebungsteilnehmern: «500 Jahre sind genug».

Jeff Fountain: Gläubige Politiker haben die EU gegründet

Der langjährige Leiter von «Jugend mit einer Mission», Jeff Fountain, wies darauf hin, dass gläubige Politiker die Grundlagen für die heutige Europäische Union (EU) geschaffen hätten. Herausragenden Einfluss habe dabei der französische Premierminister Robert Schumann gespielt. Als Aussenminister von Frankreich bereitete er den Weg zur Schaffung der Montanunion vor («Schuman-Plan»). Später war er Präsident des Europäischen Parlaments. Fountain gründete das Robert-Schumann-Institut, um Schumanns Verdienste um Europa zu erforschen.

Über 300 christliche Bewegungen und Gemeinschaften gehören zum internationalen Netzwerk «Miteinander für Europa». Es verbindet evangelische, katholische, anglikanische und orthodoxe Christen ebenso wie Mitglieder aus Freikirchen und neuen Gemeinden. Das Netzwerk entstand 1999 nach der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in Augsburg.

Kardinal Marx: Die Welt wartet auf das gemeinsame Zeugnis

Das Miteinander der Christen solle auch zu einem gemeinsamen Zeugnis führen. Dies betonte Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof des Bistums München-Freising und Vorsitzender der katholischen «Deutschen Bischofskonferenz», auf der Kundgebung. «Deutschland und Europa wartet darauf, dass wir gemeinsam Jesus bezeugen. Letztlich gehe es bei der Frage der Einheit der Christen nicht um die Kirchen, sondern um die Welt, die das Zeugnis von Jesus dringend brauche. Der Name Gottes ist Barmherzigkeit. Gott ist nicht exklusiv, er schaut auf alle. Dass er alle Menschen erreichen will, kostete ihn das Leben seines Sohns», so Kardinal Marx.

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Papst übermittelt Videobotschaft.

 

In einer Videobotschaft begrüsste der orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. die Veranstaltung in einer Zeit, in der das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Miteinander noch nie so gross gewesen sei. Papst Franziskus hob in seiner Videobotschaft hervor, dass es wichtig sei, Brücken zu bauen in einer Zeit der latenten oder offenen Konflikte in Europa. Jede authentische Einheit lebe vom Reichtum der Vielfalt; das gelte auch für Familien. «Ihr seid mehr denn je notwendig, in einem Europa, dass aus so vielen Nationen besteht», so der Papst. «Ihr seid ein kostbares Senfkorn der Hoffnung.»

Kardinal Koch: «Leibrock von Jesus aufgeteilt»

Kurienkardinal Kurt Koch machte deutlich, dass er an der mangelnden Einheit der Christen leide. Er ist Präsident des «Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen». Koch war vor einigen Jahren Bischof von Basel. Bildlich gesprochen sei die Zerstrittenheit der Christen so, als würde man den «Leibrock von Jesus» in Stücke teilen; etwas, was sich selbst die römischen Soldaten nicht wagten, als sie ihn gefangen hielten und folterten. «Ich leide darunter, dass es noch so viele gibt, die darunter (der fehlenden Einheit) nicht leiden.»

Kardinal Kurt Koch erklärte, dass zwischen ihm und Bischof Frank Otfried July, Vize-Präsident des lutherischen Weltbundes, ein Netz der Freundschaft entstanden ist: «Es gibt viele Erfahrungen, die wir gemeinsam als eine Kirche leben: Lasst uns für die Flüchtlinge arbeiten, zusammen beten, Christus wieder ins Zentrum von Europa rücken.»

Metropolit Serafin Joanta, Kardinal Kurt Koch und der lutherische Landesbischof Otfried July baten in einem verlesenen Gebet um Vergebung und umarmten sich als Zeichen der Versöhnung.

Bedford-Strohm: «Christusfest feiern»

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Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm

 

An die Kundgebungsteilnehmer gerichtet, sagte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: «Die Einheit steht vor mir. Ihr seid Menschen, die von Herzen Christus in sich tragen.» Man solle nur noch von Christen sprechen und nicht mehr von katholischen oder evangelischen Christen. Es sei auch vorbei, dass man dem Christen anderer Prägung «einen Hut aufsetze», ihn mit einem Begriff wie charismatisch, progressiv, liturgisch oder evangelikal in eine Schublade stecken wolle. «Diese Zeit ist vorbei», so Bedford-Strohm.

Der bayerische Landesbischof wies erneut darauf hin, dass das Reformationsjubiläum das erste grosse Jubiläum sein werde, in dem Luther nicht zur Abgrenzung gebraucht werde. Stattdessen werde die Jubiläumsfeier ein Christusfest sein, denn das habe auch Martin Luther gewollt. «Wir wollen ein Christusfest feiern und auf Jesus hinweisen. Das können wir nur zusammen.»

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