Griechische Kirchenführer fühlen sich bedroht

Livenet, 21.06.2018

Griechische Kirchenführer fühlen sich bedroht

»Ketzerische Bibeln«
In Griechenlands ultra-orthodoxen Kreisen herrscht grosse Aufregung über eine evangelistische Sommeraktion evangelischer Christen.

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Jugendlicher überreicht einem älteren Griechen ein Bibelpäckchen.

 

Dabei geht es um eine Verteilung des Neuen Testaments an alle Haushalte unter dem Motto «Das Evangelium in jedes Haus» im nordgriechischen Grossraum zwischen Ionischem und Ägäischem Meer. Bis vor wenigen Jahren wären solche Aktivitäten einfach von der Polizei unterbunden worden. Während 500 Jahren Türkenherrschaft am Balkan durfte nur der vorherrschende Islam für sich werben. Christen, Juden und andere waren auf gottesdienstliche Handlungen in ihren – wenigen – Gotteshäusern beschränkt.

Mehr Freiheit unter Regierung Tsipras

Das moderne Griechenland behielt dieses System bei, setzte aber die orthodoxe Kirche an die Stelle des zuvor dominierenden Islams. Evangelische und katholische Christen mussten sich in unauffällige Bethäuser zurückziehen und durften nicht öffentlich auftreten. Das wurde als «Proselytismus» bestraft. Erst die säkulare Linksregierung von Alexis Tsipras begann ab 2015, die Privilegien der Orthodoxen und die Diskriminierung aller Andersgläubigen abzubauen.

«Ketzerische Bibeln» austauschen

Somit kann die Orthodoxe Kirche nicht mehr mit der Beihilfe staatlicher Gewalt rechnen. Einzelne Bischöfe begannen daher, die Bibelverteilungen zu verketzern und jenen Familien, die «Evangeliums-Pakete» behielten, mit Höllenstrafen zu drohen. Zu der Verteilaktion, die von der «Griechischen Missionsvereinigung» gemeinsam mit «Operation Joshua» vom 3. bis 12. Juli in den Landkreisen Ioannina, Thesprotia, Preveza, Grevena und Trikkala durchgeführt werden soll, hat jetzt sogar der Bischofssynode der Kirche von Griechenland Stellung genommen. Er wies alle Haushaltsvorstände an, diese «ketzerischen» Ausgaben des Neuen Testaments ihrem Pfarrer abzuliefern und gegen ein «orthodoxes Evangelium» einzutauschen.

Bei den Orthodoxen Griechenlands und überhaupt in der ganzen orthodoxen Welt finden sich wohl Ikonen, Gebetbücher und Heiligenlegenden bei jeder Familie. Das Neue Testament oder gar eine komplette Bibel haben aber Seltenheitswert.

Bibel in modernem Griechisch gilt als ketzerisch

Die Ketzerei in den zur Verteilung vorgesehenen Neuen Testamenten besteht darin, dass sie in die heutige, allgemein verständliche griechische Volkssprache übersetzt sind. Die Orthodoxie betrachtet hingegen die altgriechische Urfassung der neutestamentlichen Schriften als allein gültig. Zwar gibt es alte Übersetzungen ins Kirchenslawische oder Georgische und seit dem 20. Jahrhundert auch in neue Sprachen. Doch müssen diese von orthodoxen Philologen und Theologen erarbeitet und von den kirchlichen Autoritäten genehmigt sein.

Die Feindseligkeit von Griechenlands orthodoxer Kirchenführung richtet sich aber weniger gegen die Neuen Testamente als solche, als gegen die Urheber der Aktion «Das Evangelium in jedes Haus».

Aktion gegen biblische Unwissenheit

Die «Griechische Missionsvereinigung» wurde vom ehemaligen Neu-Guinea-Missionar Kostas Makris gegründet, der 1981 nach Griechenland zurückkehrte. Die Bewegung wird dort allgemein als «neoprotestantisch» betrachtet. Der «Sektenbeauftragte» der griechischen Kirche, Antonios Alevizopoulos, wirft Makris sogar vor, die Orthodoxen nicht als wahre Christen anzuerkennen und ihre Missionierung zu betreiben.

Die «Operation Joshua» ist eine internationale Bewegung, die auch ein «Greek Ministry» unterhält. Obwohl Griechenland das erste Land Europas war, in dem mit dem Apostel Paulus das Christentum Fuss fasste, habe es heute eine Neuevangelisation nötig, so die Operation Joshua. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung lebe in Unwissenheit über die wahre Botschaft des Evangeliums.

 

Die Inhalte aus zitierten Quellen geben nicht die Meinung von PROSKYNEO.org wieder, sondern dienen ausschließlich der Informationsvermittlung.

 

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