Wie ist Apostelgeschichte 15,14 zu verstehen?

Gemäß Apostelgeschichte 15,14 sagte Petrus, dass Gott „ein Volk für seinen Namen“ aus den Nationen wählt.
Wie hat sich das erfüllt?


Apostelgeschichte 15 Vers 14 lautet gemäß der Elberfelder Bibel: „Simon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“

Was Jakobus hier äußert, ist keine ausstehende Prophezeiung, sondern er führt eine Prophezeiung an, die sich in der damaligen Zeit erfüllt hat. Es ist Amos 9,11.12, zitiert nach der Septuaginta (vergl. Apg 15,15-17). Man braucht also nicht darüber zu spekulieren, wie sich das wohl später erfüllen würde. Wir brauchen nur zu betrachten, was sich bis zu dem Zeitpunkt, als Jakobus das sagte, ereignete und auch in der unmittelbaren Zeit danach.

Zu beachten ist, dass die Apostel und die Ältesten in der Jerusalemer Gemeinde eine Frage zu entscheiden hatten, die in der Gemeinde in Antiochia zur Streitfrage wurde: Mussten sich Heiden (Nichtjuden), die zum Glauben an Jesus kamen, beschneiden lassen (wie die Juden gemäß dem jüdischen Gesetz) oder nicht (Apg 14,26 bis 15,6)? Die Apostel und Ältesten kamen zu dem Ergebnis, dass das nicht notwendig wäre (Apg 15, 19-20; 22-29). In der Phase der Entscheidungsfindung erzählten Petrus, Paulus und Barnabas, was sie in Verbindung mit der Bekehrung von Nichtjuden zu Jesus erlebt hatten. In seiner Zusammenfassung aller dargelegten Argument sagte Jakobus (Ältester in der Gemeinde Jerusalem) das, worauf sich die Frage bezieht (Apg 15,14), und bestätigt, dass sich die Prophezeiung damals erfüllt hatte (Apg 15,6-19).

Nimmt man die Aussage „aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen“ wörtlich, stellt sich die Frage, ob die Jünger Jesu damals eine Namensbezeichnung verwendeten, die den göttlichen Namen (JHWH, Jehova, Jahwe) enthielt. Nichts im Bericht der gesamten Apostelgeschichte noch der anschließenden Geschichte der Christenheit enthält jedoch auch nur einen Hinweis darauf. Allerdings gibt es eine eindeutige Aussage darüber, wie sich die Jünger Jesu tatsächlich nannten. Das Auffällige daran ist, dass diese Angelegenheit eben in der Gemeinde in Antiochia geklärt wurde bevor die dort entstandene Streitfrage den Aposteln und Ältesten in Jerusalem vorgelegt wurde. Der Bericht findet sich in Apg 11,19-26. In Vers 26 heißt es am Ende, „dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden“. Die von Jehovas Zeugen verwendete Neue-Welt-Übersetzung formuliert es so, „daß die Jünger durch göttliche Vorsehung Christen genannt wurden“. Mit „durch göttliche Vorsehung … genannt“ wird das griechische Wort chrematizo übersetzt. (Sieht man in griechischen Worterklärungen nach und vergleicht die wenigen Vorkommnisse dieses Wortes im Neuen Testament (nämlich 9 mal) miteinander, so stellt man fest, dass die Formulierung „durch göttliche Vorsehung … genannt“ den Sinn von chrematizo treffend beschreibt.

Um es noch einmal herauszustellen: „Durch göttliche Vorsehung“ wurden die Jünger Jesu „Christen“ genannt!

Das muss Jakobus bekannt gewesen sein, als er seine Ausführungen in Apostelgeschichte 15 machte. Der Bericht in Apg 11,26 sagt nicht, dass nur die Jünger Jesu in der Gemeinde in Antiochia sich „Christen“ nannten, sondern dass „dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden“. Das heißt, dass sich danach alle Jünger Jesu, egal wo sie lebten, „Christen“ nannten. Auch in Jerusalem. Deshalb sagte später Agrippa gemäß Apg 26,28: „In kurzem überredest du mich, ein Christ zu werden“.

Das alles ist somit keine Hypothese; die Geschichte zeigt, dass Jesu Jünger tatsächlich überall „Christen“ genannt wurden. Und das ist – abgesehen von zusätzlichen Denominationsbezeichnungen – bis heute der Fall.

Bleibt noch die Frage zu klären, auf welche Weise Gott dann „aus den Nationen ein Volk […] für seinen Namen“ genommen hat. Dazu ist eine Erklärung aus dem Bibellexikon der Zeugen Jehovas (Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 324 „Der göttliche Name“) hilfreich:

„Es ist jedoch für die ganze Menschheit von größter Bedeutung, den göttlichen Namen zu kennen (Rö 10:13). Dies schließt mehr ein, als nur zu wissen, wie Gottes persönlicher Name lautet. Es schließt ein, auch die Person zu kennen, für die der Name steht, sowie auf eine Art und Weise zu leben, die in Übereinstimmung mit den Vorsätzen ist, die mit diesem Namen verbunden sind. Alle, die den wahren Gott anbeten, tragen die Verantwortung, eifrig seinen Namen anderen bekanntzumachen, ebenso wie Jesus es tat (Joh 17:6, 26).“

Abgesehen davon, dass der Name JHWH in Römer 10,13 nicht im griechischen Neuen Testament steht und diese Wiedergabe vom Kontext her auch gar nicht möglich ist, ist der Rest der Erklärung zutreffend: Der „Name“, den Jesus bekanntmachte (Joh 17,6.26), war nicht der Name JHWH. Dieser war den Juden bekannt, wenn sie ihn auch nicht aussprachen. Nichts in den Reden Jesu weist darauf hin, dass er diesen Namen aussprach. Der Name, den er bekanntmachte, war das, was in dem zitierten Bibellexikon erklärt wird: Er wollte, dass seine Landsleute die Person kennenlernten, „für die der Name steht“. Er wollte sie mit dieser Person vertraut machen und sie motivieren, „auf eine Art und Weise zu leben, die in Übereinstimmung mit den Vorsätzen ist, die mit diesem Namen verbunden sind.“ Durch eine solche (christliche) Lebensweise würden sie Gottes Namen dann auch „heiligen“ (Mat 6,9). Und das konnten sie am besten, wenn sie mit Jesus vertraut wurden und ihm folgten. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ erklärte Jesus (Joh 14,9).

Der göttliche Name JHWH ist Bestandteil des Namens Jesu. Jesus heißt auf hebräisch Jehoshuah und hat die Bedeutung von „JHWH ist Rettung“. In Bezug auf Jesus Christus erklärte der Apostel Petrus: „Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können“ (Apg 4,12; NGÜ).

Unter Berücksichtigung dieser biblischen Aussagen ist ersichtlich, dass Gott „ein Volk für seinen Namen“ dadurch erwählt, dass er Menschen zu Jesus führt (Joh 6,44), sie an ihn glauben und ihn als Retter annehmen.

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