Wie ist Apostelgeschichte 15,14 zu verstehen?

Gemäß Apostelgeschichte 15,14 sagte Petrus, dass Gott „ein Volk für seinen Namen“ aus den Nationen wählt.
Wie hat sich das erfüllt?


Apostelgeschichte 15 Vers 14 lautet gemäß der Elberfelder Bibel: „Simon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“

Was Jakobus hier äußert, ist keine ausstehende Prophezeiung, sondern er führt eine Prophezeiung an, die sich in der damaligen Zeit erfüllt hat. Es ist Amos 9,11.12, zitiert nach der Septuaginta (vergl. Apg 15,15-17). Man braucht also nicht darüber zu spekulieren, wie sich das wohl später erfüllen würde. Wir brauchen nur zu betrachten, was sich bis zu dem Zeitpunkt, als Jakobus das sagte, ereignete und auch in der unmittelbaren Zeit danach.

Zu beachten ist, dass die Apostel und die Ältesten in der Jerusalemer Gemeinde eine Frage zu entscheiden hatten, die in der Gemeinde in Antiochia zur Streitfrage wurde: Mussten sich Heiden (Nichtjuden), die zum Glauben an Jesus kamen, beschneiden lassen (wie die Juden gemäß dem jüdischen Gesetz) oder nicht (Apg 14,26 bis 15,6)? Die Apostel und Ältesten kamen zu dem Ergebnis, dass das nicht notwendig wäre (Apg 15, 19-20; 22-29). In der Phase der Entscheidungsfindung erzählten Petrus, Paulus und Barnabas, was sie in Verbindung mit der Bekehrung von Nichtjuden zu Jesus erlebt hatten. In seiner Zusammenfassung aller dargelegten Argument sagte Jakobus (Ältester in der Gemeinde Jerusalem) das, worauf sich die Frage bezieht (Apg 15,14), und bestätigt, dass sich die Prophezeiung damals erfüllt hatte (Apg 15,6-19).

Nimmt man die Aussage „aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen“ wörtlich, stellt sich die Frage, ob die Jünger Jesu damals eine Namensbezeichnung verwendeten, die den göttlichen Namen (JHWH, Jehova, Jahwe) enthielt. Nichts im Bericht der gesamten Apostelgeschichte noch der anschließenden Geschichte der Christenheit enthält jedoch auch nur einen Hinweis darauf. Allerdings gibt es eine eindeutige Aussage darüber, wie sich die Jünger Jesu tatsächlich nannten. Das Auffällige daran ist, dass diese Angelegenheit eben in der Gemeinde in Antiochia geklärt wurde bevor die dort entstandene Streitfrage den Aposteln und Ältesten in Jerusalem vorgelegt wurde. Der Bericht findet sich in Apg 11,19-26. In Vers 26 heißt es am Ende, „dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden“. Die von Jehovas Zeugen verwendete Neue-Welt-Übersetzung formuliert es so, „daß die Jünger durch göttliche Vorsehung Christen genannt wurden“. Mit „durch göttliche Vorsehung … genannt“ wird das griechische Wort chrematizo übersetzt. (Sieht man in griechischen Worterklärungen nach und vergleicht die wenigen Vorkommnisse dieses Wortes im Neuen Testament (nämlich 9 mal) miteinander, so stellt man fest, dass die Formulierung „durch göttliche Vorsehung … genannt“ den Sinn von chrematizo treffend beschreibt.

Um es noch einmal herauszustellen: „Durch göttliche Vorsehung“ wurden die Jünger Jesu „Christen“ genannt!

Das muss Jakobus bekannt gewesen sein, als er seine Ausführungen in Apostelgeschichte 15 machte. Der Bericht in Apg 11,26 sagt nicht, dass nur die Jünger Jesu in der Gemeinde in Antiochia sich „Christen“ nannten, sondern dass „dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden“. Das heißt, dass sich danach alle Jünger Jesu, egal wo sie lebten, „Christen“ nannten. Auch in Jerusalem. Deshalb sagte später Agrippa gemäß Apg 26,28: „In kurzem überredest du mich, ein Christ zu werden“.

Das alles ist somit keine Hypothese; die Geschichte zeigt, dass Jesu Jünger tatsächlich überall „Christen“ genannt wurden. Und das ist – abgesehen von zusätzlichen Denominationsbezeichnungen – bis heute der Fall.

Bleibt noch die Frage zu klären, auf welche Weise Gott dann „aus den Nationen ein Volk […] für seinen Namen“ genommen hat. Dazu ist eine Erklärung aus dem Bibellexikon der Zeugen Jehovas (Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 324 „Der göttliche Name“) hilfreich:

„Es ist jedoch für die ganze Menschheit von größter Bedeutung, den göttlichen Namen zu kennen (Rö 10:13). Dies schließt mehr ein, als nur zu wissen, wie Gottes persönlicher Name lautet. Es schließt ein, auch die Person zu kennen, für die der Name steht, sowie auf eine Art und Weise zu leben, die in Übereinstimmung mit den Vorsätzen ist, die mit diesem Namen verbunden sind. Alle, die den wahren Gott anbeten, tragen die Verantwortung, eifrig seinen Namen anderen bekanntzumachen, ebenso wie Jesus es tat (Joh 17:6, 26).“

Abgesehen davon, dass der Name JHWH in Römer 10,13 nicht im griechischen Neuen Testament steht und diese Wiedergabe vom Kontext her auch gar nicht möglich ist, ist der Rest der Erklärung zutreffend: Der „Name“, den Jesus bekanntmachte (Joh 17,6.26), war nicht der Name JHWH. Dieser war den Juden bekannt, wenn sie ihn auch nicht aussprachen. Nichts in den Reden Jesu weist darauf hin, dass er diesen Namen aussprach. Der Name, den er bekanntmachte, war das, was in dem zitierten Bibellexikon erklärt wird: Er wollte, dass seine Landsleute die Person kennenlernten, „für die der Name steht“. Er wollte sie mit dieser Person vertraut machen und sie motivieren, „auf eine Art und Weise zu leben, die in Übereinstimmung mit den Vorsätzen ist, die mit diesem Namen verbunden sind.“ Durch eine solche (christliche) Lebensweise würden sie Gottes Namen dann auch „heiligen“ (Mat 6,9). Und das konnten sie am besten, wenn sie mit Jesus vertraut wurden und ihm folgten. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ erklärte Jesus (Joh 14,9).

Der göttliche Name JHWH ist Bestandteil des Namens Jesu. Jesus heißt auf hebräisch Jehoshuah und hat die Bedeutung von „JHWH ist Rettung“. In Bezug auf Jesus Christus erklärte der Apostel Petrus: „Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können“ (Apg 4,12; NGÜ).

Unter Berücksichtigung dieser biblischen Aussagen ist ersichtlich, dass Gott „ein Volk für seinen Namen“ dadurch erwählt, dass er Menschen zu Jesus führt (Joh 6,44), sie an ihn glauben und ihn als Retter annehmen.

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14 Gedanken zu „Wie ist Apostelgeschichte 15,14 zu verstehen?“

  1. Wenn sich jeder Nachfolger Jesu „Christ“ nennen darf, seinen Namen tragen darf, muss man dann nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass in APG 15.14 mit Gott nicht der Vater gemeint ist, sondern der Sohn?

    Gerardino Maio

    1. Das wäre nicht das einzige Zitat im NT aus dem AT, in dem das AT von Gott/JHWH spricht, der Text im NT jedoch auf Jesus Christus angewandt wird.

      Für wahrscheinlicher halte ich jedoch die Möglichkeit, dass derjenige, der hinter dem Namen Gottes (JHWH) steht, durch seinen Sohn geehrt wird. Immerhin ist der Gottesname JHWH ja Bestandteil der hebräischen Form des Namens Jesu (= Jeschua = „JHWH ist Rettung“)

      1. Jakobus/Amos spricht von der Aufrichtung der zerfallenen Hütte Davids. Was ist damit gemeint? Ist das eine Ankündigung, dass das buchstäbliche Israel wieder aufgerichtet werden wird? Womöglich nachdem die Gemeinde vollständig versammelt ist? Oder ist mit der zerfallenen Hütte Davids die Gemeinde gemeint? Dann stellt sich die Frage: Inwiefern war schon 1. Jahrhundert die Gemeinde zerfallenen? Oder ist das eine Ankündigung, dass irgendwann (nach dem Abfall) die wahre Gemeinde wieder hergestellt wird?

        Gerardino Maio

        1. Lieber Gerardino,

          dem Kontext in Apostelgeschichte 15 entnehme ich, dass sich die Prophezeiung von Amos, die Jakobus zitiert, bereits damals erfüllt hat bzw. sie war in Erfüllung begriffen. Amos spricht in seinem 9. Kapitel zwar vom natürlichen Haus Israel. Aus der Rede des Jakobus in Apg 15 geht jedoch hervor, dass die Prophezeiung sich an den „geistigen Juden“, also der Christengemeinde, erfüllt (vergl. Rö 2,28-29). Es geht in Apg 15 eindeutig um Christen aus den Heiden. Und auf sie bezieht Jakobus die Amos-Prophezeiung. In Vers 17 erwähnt er „alle Nationen“, die den Herrn anrufen.

          Bei der „zerfallenen Hütte Davids“ geht es also um das damals (im 1. Jahrhundert) nicht mehr bestehende Königtum Davids und um das von Gott abgefallene Volk Israel. Sie waren wie ein abgestorbener oder umgehauener Baum. Aus seinen Wurzeln kam der „Spross Isais“ hervor (Jes 11,1ff). Dieser Spross ist eindeutig Jesus Christus. Nach seiner Himmelfahrt wurde ihm universelle Macht übertragen, wodurch in seiner Person die „zerfallene Hütte Davids“, was das Königtum betrifft, wieder hergestellt wurde (Eph 1,20-23).

          Etwas Gleichartiges passierte mit dem Volk (das ich hier ebenfalls unter die „zerfallene Hütte Davids“ zähle). In Matthäus 21,42-44 erwähnt Jesus beides: Sowohl den König als auch das Volk. Er erklärt: „Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird“ (Vers 43). Damit meint er die Christengemeinde, die sich sowohl aus gebürtigen Israeliten als auch aus gebürtigen Heiden zusammensetzt. Auf diese Weise wird bezogen auf das Volk die „zerfallene Hütte Davids“ wieder hergestellt.

          Die „zerfallene Hütte Davids“ wäre somit das abtrünnige jüdische Volk und der nicht vorhandene davidische König damals. Wieder hergestellt wurde die Hütte Davids in der Person Jesu Christi (König der Könige) und im neuen Volk Gottes, der Gemeinde Jesu.

          Volker

          1. Ich zitiere aus der Lutherbibel 2017 APG 15.16-18 „Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und will die zerfallene Hütte Davids wieder bauen, und ihre Trümmer will ich wieder aufbauen und will sie aufrichten, auf dass die, die von den Menschen übrig geblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der Herr, der tut, was von Anbeginn bekannt ist.“
            Folgende Fragen diesbezüglich!
            Danach:
            Wonach? Wo befinden wir uns zeitlich?Der Vers 14 gibt die Antwort: “ Simon hat erzählt, wie zuerst Gott darauf geschaut hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen. (Lutherbibel 2017). Das „Danach bezieht sich somit auf die Zeit nach der“ Ekklesia „. (Man beachte das Wort „zuerst“).

            Die von den Menschen übrig geblieben sind :
            Von was sind die übrig geblieben? Wo befinden wir uns zeitlich?
            Das sind die Menschen, die in Matthäus 25 als Schafe bezeichnet werden. Diese dürfen in das Millennium eingehen.

            Natürlich passt Matthäus 21.42-44 nicht in mein Konzept (Außer ich versuche zu erklären, das Ekklesia und Königreich Davids zwei verschiedene Dinge sind).
            Egal wie man es betrachtet, es bleiben bei beiden Sichtweisen offene Fragen.
            Deshalb biete ich dir ein Remis an 🙂

            Gerardino Maio

          2. Das „danach“ in Vers 16 ist Bestandteil des Zitats aus Amos 9,11-13. Es bezieht sich auf das, was Amos schrieb, nicht auf das, was Jakobus sagte. Wenn Jakobus in Vers 14 sagt „Simon hat erzählt, wie zuerst Gott darauf geschaut hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen“, so ist das nicht etwas, was dem von Amos erwähnten „danach“ voraus ging. Deshalb sagt Jakobus auch direkt im Anschluss (nämlich in Vers 15): „Und damit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht …“. Gemäß Jakobus bestätigt Vers 16 (= Amos 9,11) das, was er in Vers 14 dagte; es ist nicht etwas, was anschließend an das im Vers 14 Erwähnte passieren soll.

            Das „danach“ in Apg 15,16 (= Amos 9,11) ist vermutlich der Septuaginta entnommen. Im Hebräischen (Vers 11) steht nämlich „Zur selben Zeit“ (Lu2017). Und von welcher Zeit spricht Amos? Gemäß Amos 9, 8-10 schreibt er: „Siehe, die Augen Gottes des HERRN sehen auf das sündige Königreich, dass ich’s vom Erdboden vertilge, wiewohl ich das Haus Jakob nicht ganz vertilgen will, spricht der HERR. Denn siehe, ich will befehlen und das Haus Israel unter allen Heiden schütteln lassen, gleichwie man mit einem Sieb schüttelt und kein Stein zur Erde fällt. Alle Sünder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen: Es wird das Unglück nicht so nahe sein noch uns begegnen.“

            „Zur selben Zeit“ (Amos) bzw. „danach“ (Jakobus) sollte das passieren, was Amos in Vers 11 schreibt: „will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und, was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist“ Lu2017). Also: Zunächst würde die Hütte Davids zerfallen (= das natürliche Israel) und dann würde ein Wechsel stattfinden. Das Aufrichten der „zerfallenen Hütte Davids“ bezieht sich, wie meinem vorigen Kommentar zu entnehmen ist, auf das geistige Israel (= die Gemeinde Jesu).

            „Die von den Menschen übrig geblieben sind“ sind somit die von den Juden übriggebliebenen, die zu Christus finden (= die „nach dem Herrn fragen“). In Amos 9,9 heißt es über sie: „Denn siehe, ich will befehlen und das Haus Israel unter allen Heiden schütteln lassen, gleichwie man mit einem Sieb schüttelt und kein Stein zur Erde fällt.“

            Im Unterschied zu diesen „Übriggebliebenen“ nennt Jakobus dann „alle Heiden, über die mein Name genannt ist“; Amos gibt diesen Satzteil identisch wieder (Amos 9,12).

            Volker

  2. Lieber Volker,
    Zu welchem Zweck wird die Hütte Davids wieder aufgebaut? „auf dass die, die von den Menschen übrig geblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der Herr, der tut, was von Anbeginn bekannt ist.“ (Lutherbibel 2017). Erst wenn die Hütte Davids wieder aufgebaut ist, wird sich Vers 17 erfüllen. Die in Vers 17 erwähnten Personen können somit nicht Bestandteil der Hütte Davids sein. Jakobus hatte erkannt, dass die Heidenchristen seiner Zeit keine Proselyten werden müssen, weil die Hütte Davids (Israel) noch nicht aufgerichtet ist. Judenchristen und Heidenchristen sind nicht die Hütte Davids, sondern der Leib Christi (Du hast zurecht Epheser 1.20-23 erwähnt). Wenn wir Amos 9 buchstäblich nehmen, dann wird klar, dass Israel wieder hergestellt wird und zum Segen für die Nationen werden wird, und zwar im Millennium.

    Gerardino Maio

    1. Lieber Gerardino,

      Du schreibst: „Erst wenn die Hütte Davids wieder aufgebaut ist, wird sich Vers 17 erfüllen.“ Das ist Deine persönliche Annahme, die ich Dir nicht nehmen will. Vers 17 gibt das meiner Meinung nach jedoch nicht her. Vers 16 bis 18 lauten (gerafft; Lu2017):

      „16 »Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und will die zerfallene Hütte Davids wieder bauen, […] 17 auf dass die, die von den Menschen übrig geblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der Herr, der tut, 18 was von Anbeginn bekannt ist.«“

      „Auf dass“ im Vers 17 bedeutet nicht „danach“. Andere Übersetzungen (Elb, Sch2000, NeÜ, Menge) schreiben „damit“. Amos selbst schreibt auch „damit“ (Lu2017). Die Aussage ist somit: Die zerfallenen Hütte Davids wird aufgebaut, damit „die, die von den Menschen übrig geblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden“ (Lu2017). Die Prophezeiung erfüllt sich, indem Juden, die sich zu Christus bekennen, zusammmen mit den Christen aus den Nationen (Heiden) in der Anbetung Gottes zusammengeführt werden, „was von Anbeginn bekannt ist“ (Apg 15,18; Lu2017).

      Weiter schreibst Du: „Jakobus hatte erkannt, dass die Heidenchristen seiner Zeit keine Proselyten werden müssen, weil die Hütte Davids (Israel) noch nicht aufgerichtet ist.“ Dem ersten Satzteil stimme ich zu; es wurde damals geklärt, dass Heidenchristen keine Proselyten werden mussten. „Weil die Hütte Davids (Israel) noch nicht aufgerichtet ist“ wird aber in Apg 15 nicht erwähnt. Auch das ist Deine persönliche Sichtweise, die ich Dir nicht nehmen will. Allein aus Apg 15 ist das jedoch nicht zu entnehmen.

      „Judenchristen und Heidenchristen sind nicht die Hütte Davids, sondern der Leib Christi.“ Aus dem, was in Apg 15 ausgeführt wird, entnehme ich, dass die Hütte Davids durch die Zusammenführung von Judenchristen und Heidenchristen aufgerichtet wurde. Daraus ergäbe sich, dass die Hütte Davids tatsächlich der Leib Christi ist.

      „Wenn wir Amos 9 buchstäblich nehmen“, müsste die Hütte Davids (was immer wir darunter verstehen) „in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom“ (Amos 9,12). Wie soll das buchstäblich gehen? Was und wo ist das, „was übrig ist von Edom“? Edom existiert heute weder als Volk noch als Land.

      Volker

  3. Lieber Volker,
    der Knackpunkt scheint tatsächlich der Vers 15 zu sein: „Und damit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht“ (Lutherbibel 2017). Das kann zum einen bedeuten, dass sich diese Prophezeiung jetzt erfüllt (Das ist ja dein Standpunkt). Es kann aber auch bedeuten, dass die Aussage dieser Prophezeiung nicht verletzt wird, auch wenn jetzt Heiden den Messias annehmen (Mein Standpunkt).
    Tatsache ist, dass Jakobus nicht explizit sagt, dass sich die Amosprohezeiung jetzt erfüllt.

    Wäre für uns natürlich einfacher gewesen, wenn Jakobus Jeremia 31 zitiert hätte (Neuer Bund), dann wäre es für uns nachvollziehbar gewesen.
    Warum zitiert Jakobus ausgerechnet Amos? Vielleicht weil die Befürworter der Beschneidung Amos als Grundlage für ihre Argumentation genommen haben?

    Man muss auch bedenken, dass ein Jude, der den Messias angenommen hatte, sich weiterhin als Jude sah (Er war Jude und Christ zugleich). Denn etwa 10 Jahre nach dem Konzil sagt der gleiche Jakobus zu Paulus: „Bruder, du siehst, wie viele Tausende unter den Juden gläubig geworden sind und alle sind Eiferer für das Gesetz“ (Lutherbibel 2017). Die Entscheidung beim Konzil betraf nur Heiden. Heidenchristen brauchten nicht das ganze mosaische Gesetz halten. Das ist die Botschaft aus APG 15!

    Gerardino Maio

    1. Lieber Gerardino,

      ja, ich verstehe Vers 15 so, dass sich die Prophezeiung seit damals bis heute kontinuierlich erfüllt.

      „Es kann aber auch bedeuten, dass die Aussage dieser Prophezeiung nicht verletzt wird, auch wenn jetzt Heiden den Messias annehmen“. Dem Kontext (in Apg 15) entnehme ich, dass sich die Amos-Prophezeiung genau dadurch erfüllt, dass Juden und Heiden zusammengeführt wurden und werden. Ich sehe darin keine Verletzung der Prophezeiung, sondern die Erfüllung. Deshalb würde ich auch nicht sagen „auch wenn jetzt Heiden den Messias annehmen“, sondern dadurch dass Heiden den Messias annehmen.

      „Tatsache ist, dass Jakobus nicht explizit sagt, dass sich die Amosprophezeiung jetzt erfüllt.“ Das sagen auch andere Schreiber des NT nicht (immer) explizit. Aber wenn sie eine Prophezeiung zitieren, ist es in der Regel so, dass sie auf die Erfüllung der zitierten Prophezeiung hinweisen.

      „Warum zitiert Jakobus ausgerechnet Amos? Vielleicht weil die Befürworter der Beschneidung Amos als Grundlage für ihre Argumentation genommen haben?“
      Das ist eine Vermutung.

      „Man muss auch bedenken, dass ein Jude, der den Messias angenommen hatte, sich weiterhin als Jude sah (Er war Jude und Christ zugleich).“ Ja, das stimmt wie der Bericht in der Apostelgeschichte zeigt. Das heißt aber nicht, dass diese Verhaltensweise von Gott gutgeheißen wurde oder dass Amos prophezeite, es solle mit der Gutheißung Gottes so sein.

      Was sich mir persönlich auch nicht erschließt, ist, dass Paulus von Jerusalemer Christen gemäß Apg 21 angewiesen wurde, vier Männern bei der Erfüllung eines Gelübdes gemäß dem mosaischen Gesetz beizustehen – und dass er das auch noch getan hat! Immerhin betont Paulus in seinen Briefen wiederholt, dass Juden nicht durch Gesetzeswerke gerechtgesprochen werden können, sondern nur durch Glauben und Gnade. „Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben“ schrieb er gemäß Gal 2,21.

      „11 Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben« (Habakuk 2,4). 12 Das Gesetz aber ist nicht »aus Glauben«, sondern: »der Mensch, der es tut, wird dadurch leben« (3. Mose 18,5). 13 Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns – denn es steht geschrieben (5. Mose 21,23): »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt« –, 14 auf dass der Segen Abrahams zu den Heiden komme durch Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.“

      Diese Worte aus Gal 3,11-14 (Lu2017) hat Paulus an Juden gerichtet bzw. auf Juden bezogen. Er entwickelt seine Argumentation für die Juden in den gesamten Kapiteln 3 bis 5 des Galaterbriefes. „Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, aus der Gnade seid ihr herausgefallen“ (Gal 5,4) ist sein Fazit.

      Warum er den Forderungen der Jerusalemer Juden trotzdem nachgekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls hat er dadurch keinen Präzedenzfall geschaffen, der es rechtfertigen würde, gleichzeitig Christ und praktizierender Jude gemäß dem mosaischen Gesetz zu sein.

      Volker

  4. Ich zitiere nochmal den Vers 14: „Simon hat erzählt, wie zuerst Gott darauf geschaut hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen (Lutherbibel 2017).
    Interessant, dass Jakobus nicht an APG 2 anknüpft (Ausgiesung des Geistes), sondern an dem Punkt, wo die ersten Heiden Christus annahmen. Das ist das „zuerst“.
    Jakobus will also nicht zeigen, dass seit APG 2 ein neues Volk Gottes entstanden ist und somit Israel keine Bedeutung mehr für Gott hat und das mosaische Gesetz hinfällig geworden ist (Zumal die Judenchristen nach wie vor das mosaische Gesetz hielten, gemäß APG 21.20).
    Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Ekklesia nicht Israel abgelöst hat, sondern zusätzlich dazu gekommen ist.
    Um die Heilsgeschichte Gottes zu verstehen, muss dieser Punkt unbedingt berücksichtigt werden, sonst ist man ständig gezwungen die Aussagen der Schrift zu vergeistlichen (Nach dem Motto: Es steht zwar so in der Bibel, aber es ist nicht so gemeint).

    „Wenn dein Wort soll nicht mehr gelten, worauf soll der Glaube ruhen“.

    Gerardino Maio

    1. Lieber Gerardino,

      danke für Deine diversen Kommentare. Mangels Zeit kann ich leider nicht zeitnah antworten.

      Bitte gedulde Dich noch etwas.

      Volker

    2. Lieber Gerardino,

      gern möchte ich noch einmal Stellung nehmen. Wenn Jakobus gemäß Apg 15,14 sagt, „Simon hat erzählt, wie zuerst Gott darauf geschaut hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen“, dann kann das „zuerst“ nicht bedeuten, dass „zuerst“ die Heiden für Christus gewonnen werden, und dann die Juden.

      Du weist richtig auf Apg 2 hin; gemäß diesem Bericht waren es ja zuerst die Juden, die zu Christus und zur Gemeinde Jesu fanden. Wenn in Apg 15,14 „zuerst“ gesagt wird, hat es wohl den Sinn von „zum ersten Mal“: „Zum ersten Mal“ hat „Gott darauf geschaut […], aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen“. das war etwas ganz Neues mit Blick auf die 1500-jährige Geschichte, in der Gott (mit ganz wenigen Ausnahmen) ausschließlich mit dem Volk Israel gehandelt hat. Die Veränderung, die Heiden sozusagen „mit ins Boot“ zu nehmen, war das Besondere an der Aufrichtung der zerfallenen Hütte Davids.

      „Zumal die Judenchristen nach wie vor das mosaische Gesetz hielten, gemäß APG 21.20.“ Dazu verweise ich auf meinen vorigen Kommentar. Diese Tatsache beweist nicht, dass das dem Willen Gottes/Christi entsprach.

      Es ist ja bekannt, dass bezüglich der Bedeutung Israels unterschiedliche Standpunkte vertreten werden. beide stützen sich auf bestimmte Aussagen der Bibel. Aber keine Seite kann eindeutig nachweisen, dass nur ihre Sicht der Dinge die richtige im Sinne der Bibel ist.

      Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle die Darlegung meiner Sicht der Dinge beenden, ohne den Anspruch zu erheben, dass nur das das Richtige sein kann. Viele Leser dieser Seite können unseren Austausch von Standpunkten wahrscheinlich gar nicht nachvollziehen.

      Deshalb möchte ich mich darauf konzentrieren, hier im Wesentlichen glaubensfördernde Aspekte zu behandeln, in denen Christen im Großen und Ganzen übereinstimmen. Ich vereine lieber als dass ich entzweie. Natürlich immer nach der Vorgabe: „Sola scriptura“ – die Aussage der Bibel ist der Maßstab.

      Damit Du Dich hier aber nicht „abgewürgt“ fühlst, würde ich – wenn Du das willst – einen abschließenden Kommentar von Dir freischalten. Eine Erwiderung meinerseits wird es – zumindest auf dieser Website – jedoch nicht geben.

      In christlicher Liebe
      Volker

      1. Lieber Volker,

        schon in meinem Kommentar vom 29.03. schrieb ich: „Egal wie man es betrachtet, es bleiben bei beiden Sichtweisen offene Fragen.
        Deshalb biete ich dir ein Remis an 🙂“

        Ich wollte nur zeigen, dass man es auch anders sehen kann. Deswegen möchte ich zu diesem Thema nichts mehr sagen.

        Gerardino Maio

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