„Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ (Römer 10,13)

Der Name welches Herrn soll angerufen werden?


Viele Leser werden diese Fragestellung nicht verstehen, weil es für sie klar ist. Ein Zeuge Jehovas jedoch wird widersprechen, wenn man ihm sagt, dass damit der Herr Jesus Christus gemeint ist:

„Der Apostel Paulus zitiert hier aus Joel 2,32 (bzw. Joel 3,5). Und da steht eindeutig der Name Gottes (unrev. Elberfelder „Jehova“; NeÜ „Jahwe“). Wie soll da in Römer 10,13 Jesus gemeint sein?“

Es ist richtig, dass der Prophet Joel an der zitierten Stelle den Gottesnamen verwendet. Der Kontext in Römer 9 und 10 zeigt jedoch, dass der Apostel Paulus den Vers tatsächlich auf den Herrn Jesus Christus anwendet.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Texte aus dem Alten Testament, die sich auf Jahwe beziehen, im Neuen Testament auf Jesus angewandt werden. Ein Zeuge Jehovas, der sich dafür interessiert, wird auf das ihm vertraute Nachschlagewerk Unterredungen anhand der Schriften verwiesen. Auf Seite 99 werden solche Texte unter der Überschrift „Passagen aus den Hebräischen Schriften, die sich eindeutig auf Jehova beziehen, von inspirierten Bibelschreibern aber auf Jesus Christus angewandt wurden“ aufgeführt.

Was geht aus dem Kontext von Römer 10,13 hervor? Kapitel 9 Vers 1 bis 4 zeigt, dass der Apostel Paulus die nachfolgende Beweisführung (einschließlich des gesamten 9. Kapitels des Römerbriefes) an seine israelitischen Landsleute richtet, die Jesus (noch) nicht als den Messias oder Christus angenommen hatten. Paulus beendet das Kapitel mit Vers 33:

„Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses; und jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden!“

Mit dem „Stein des Anstoßes“ ist eindeutig Jesus Christus gemeint. (Vergleiche 1. Petrus 2,6-8.)

In Römer Kapitel 10 fährt Paulus mit seiner Argumentation an seine israelitischen Landsleute wie folgt fort: „Brüder, der Wunsch meines Herzens und mein Flehen zu Gott für Israel ist, dass sie gerettet werden“ schreibt er in Vers 1, und weiter:

„Denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt“ (Vers 3-4).

Schließlich kommt er in Vers 8 zu folgendem Schluss:

„Denn wenn du mit deinem Mund Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet“

und versichert dann in Vers 11: „Denn die Schrift spricht: »Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden!“

Es ist festzuhalten: Von Kapitel 9,1 bis Kapitel 10,11 richtet sich der Apostel an seine jüdischen Landsleute und legt ihnen nahe, Jesus als den Christus anzuerkennen, an ihn zu glauben und dadurch gerettet zu werden.

In den nächsten beiden Versen bezieht er sich weiterhin auf Jesus und schreibt:

„Es ist ja kein Unterschied zwischen Juden und Griechen: Alle haben denselben Herrn, der reich ist für alle, die ihn anrufen, denn: »Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden«“.

Welcher „Herr“ ist hier in Vers 13 gemeint?

Soll der Name des Herrn Jahwe oder der Name des Herrn Jesus angerufen werden?

Liest man weiter, liegt die Antwort auf der Hand. Vers 14 lautet:

„(1.) Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? (2.) Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? (3.) Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger?“

Es ist im Sinn zu behalten, dass Paulus sich auf Israeliten (Juden) bezieht, deren Gott Jahwe (JHWH, Jehova) ist. Sieht man sich die von Paulus gestellten Fragen an, ergeben sich folgende Überlegungen:

    1. Frage von Paulus:

„Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben?“

Überlegung: An wen haben die Juden nicht geglaubt, an Jahwe oder an Jesus?

    1. Frage von Paulus:

„Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?“

Überlegung: Von wem haben die Juden nichts gehört, von Jahwe oder von Jesus?

    1. Frage von Paulus:

„Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger?“

Überlegung: Musste den Juden Jahwe verkündet werden, den sie bereits seit 1500 Jahren anbeteten?

Es steht somit außer Frage, dass sich die Aussage in Römer 10,13 „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ auf Jesus Christus bezieht. Jede anderslautende Erklärung widerspräche dem Kontext und vor allem der Argumentation im Vers 14.

Ein Zeuge Jehovas sagt sich möglicherweise, dass es „nicht in Ordnung“ ist, den Namen Jesu „anzurufen“. Ist das so? Nein, das Gegenteil ist der Fall!

Man beachte, was der Apostel Paulus in der Einleitung seines ersten Briefes an die Christen in Korinth schrieb:

„Paulus, berufener Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, und Sosthenes, der Bruder, an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, an die Geheiligten in Christus Jesus, an die berufenen Heiligen, samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, sowohl bei ihnen als auch bei uns: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ (1. Korinther 1,1-3)!

Die damaligen Christen (die Christengemeinde in Korinth, die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen) riefen den Namen des Herrn Jesus Christus also „an jedem Ort, sowohl bei ihnen als auch bei uns“ (Zürcher Bibel: „an jeglichem Ort, dort wie hier“) an.

Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ bezieht sich eindeutig auf Jesus Christus. Mit dieser Feststellung ist Paulus auch in Übereinstimmung mit seiner Aussage in Epheser 4,5-6:

Ihr habt nur einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe. Und über allen ist der eine Gott, der Vater von allen, der durch alle und in allen wirkt.“

Dieser eine Herr ist Jesus Christus, der eine Gott ist der Vater Jesu Christi und der Vater aller Christen.

Es entsteht daher die Frage, inwiefern die von Jehovas Zeugen herausgegebene Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift bibeltreu ist, wenn sie in Römer 10,13 an Stelle des griechischen Wortes für „Herr“ (kyrios) den Namen „Jehova“ einsetzt.

Diese Aussage des Evangeliums gilt es sehr tiefgründig zu betrachten, denn:

Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“.

Offline lesen:

7 Gedanken zu „„Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ (Römer 10,13)“

  1. Prima Artikel!!
    Sehr gut entlang des Bibeltextes den Gedankengang von Paulus herausgearbeitet und gut nachvollziehbar dargelegt, auch die aufgelisteten Fragen sollten sehr hilfreich sein zum Verständnis 😊😊
    LG
    S.G.

  2. Anrufen – was ist damit gemeint?
    „Er ruft mich an, und ich antworte ihm. Ich bin bei ihm in der Not. Ich befreie ihn und bringe ihn zu Ehren“ (Ps. 91:15).
    „Da rief ich den Namen Jahwes an: „Ach, Jahwe, rette mein Leben!“ … Den Becher der Rettung will ich erheben und anrufen den Namen Jahwes“ (Ps. 116:4, 13).
    „Nahe ist der HERR allen, die ihn anrufen, allen, die ihn in Wahrheit anrufen“ (Ps. 145:18).
    Allein diese wenigen Bibelstellen machen es schon deutlich: Anrufen ist beten. Zu Gott wird geredet und gebetet, wenn man ihn anruft (siehe auch 1. Mo. 4:26; 2. Sa. 22:4; 1. Chr. 4:10; Ps. 80:18; 86:5, 6; 99:6; Heb. 11:16). Die Anrufung ist eine Form des Gebets: sie ist hörbar. Auch Jesus wird von wahren Christen angerufen (siehe zur Anrufung Jesu Apg. 7:59, Interlinear!). In der Bibel bedeutet das hebräische Wort für anrufen, laut auszurufen, nach jemandem schreien; und das griechische Wort bedeutet, eine Person aufzurufen, eine Person bei ihrem Namen zu rufen.
    Apostelgeschichte 9:13-22 zeigt, dass Christen sich von Juden nicht etwa dadurch unterschieden, dass sie den Namen Jehova oder Jahwe hörbar im Gebet gebrauchten, sondern das herausragende Merkmal der Christen war das Anrufen des Namens Jesus. Dies machte Christen für Juden verfolgungswürdig (vgl. Mat. 10:22; 24:9). Erwähnenswert ist ferner, dass von Paulus im selben Textabschnitt gesagt wird, er werde den Namen Jesu zu den Nationen tragen. Zwischen Anrufung und Verkündung Jesu wird somit unterschieden.
    So auch gemäß Römer 10:12-14, wo gesagt wird: „Denn darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Denn alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet?“
    Ja, in der Zeit nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt gab es für die Apostel keinen anderen Namen unter dem Himmel zur Rettung für uns Menschen als den Namen des Herrn Jesus. Daran hat sich nichts geändert. Außerdem ist im gesamten Neuen Testament kein einziges Mal davon die Rede, dass Jesus Christus oder seine Jünger Gott mit seinem Eigennamen „Jehova“ anredeten. Jesus sprach stets vom und zum „Vater“. Es ist zwar etwas Großes, jemanden mit seinem Eigennamen anreden zu dürfen, denn es stiftet Gemeinschaft. Aber „Vater“ zu Gott sagen zu dürfen – wie Jesus uns lehrte – ist wesentlich mehr: Es bedeutet Sohnschaft! Gott nun wieder mit seinem Namen „Jehova“ statt mit „Vater“ anzurufen wäre daher ein Rückschritt. Kinder sprechen außerdem ihren Vater normalerweise nicht mit seinem Eigennamen an. Jesus und die frühen Christen taten das bei ihrem himmlischen Vater auch nicht (1. Pet. 1:17).
    All das spricht gegen die Einsetzung des Namens „Jehova“ in Römer 10:13. Echte Christen rufen den Namen des Herrn Jesus an, nicht den Eigennamen Gottes, ihres Vaters. Wer nun den Herrn mit seinem Namen – den Namen „Jesus“ – anruft, der soll errettet werden.

    Liebe Grüße
    http://www.Christusbekenner.de

    1. „In keinem anderen ist Rettung zu finden, denn unter dem ganzen Himmelsgewölbe gibt es keinen vergleichbaren Namen. Nur dieser Name ist den Menschen gegeben worden. Durch ihn müssen wir gerettet werden“ (Apg 4,12).

      Ja, Rettung nur durch den Namen Jesu! Amen.

  3. Hallo, es ist doch ein direktes Zitat aus Joel. Warum sollte es nicht wörtlich wiedergegeben werden, zumal ja die Einleitung ‚die Schrift sagt:‘ deutlich erfolgte?

    1. Lieber Georgius,

      danke für Deinen Kommentar. Die Frage „Warum sollte es nicht wörtlich wiedergegeben werden“ müsste dem Schreiber des Römerbriefes, also dem Apostel Paulus, gestellt werden. Denn er ist es, der „den Namen des Herrn“ (griechisch: kyrios) schreibt und nicht „den Namen JHWHs“.

      Wenn im griechischen Urtext „kyrios“ steht, dann ist „Herr“ die wörtliche Wiedergabe! (Ich schreibe „Urtext“, obwohl es diesen heute leider nicht mehr gibt, sondern nur Abschriften desselben. Es ist jedoch allgemein bekannt, dass für die Übersetzung des griechischen NT ins Deutsche heute über 5.000 griechische Manuskripte (vollständige und unvollständige) zur Verfügung stehen, die das vorliegende „Problem“ alle einheitlich klären: Nicht in einem einzigen ist das Tetragramm (JHWH) oder eine andere Schreibweise des göttlichen Namens enthalten!)

      In allen Stellen im Neuen Testament mit Zitaten aus dem Alten Testament, die den Namen JHWH enthalten, verwenden die NT-Schreiber konsequent kyrios. Warum? Das kann heute wohl niemand konkret nachvollziehen. Jedoch widerspricht es jeder gewissenhaften Übersetzung ins Deutsche, kyrios einfach mit JHWH (Jehova, Jahwe) zu übersetzen, wenn der NT-Schreiber eben kyrios schreibt. (Anmerkung: Die „Begründung“ im Anhang 1D der NWÜ-Studienbibel von 1984 ist völlig unakzeptabel. Eine zitierte „Theorie“ willkürlich als „Darstellung von historischen Tatsachen“ zu deklarieren widerspricht jeder korrekten Bibelübersetzung. Das ist kein Respekt vor dem Wort Gottes! Genausogut könnten willkürlich irgendwelche weiteren Veränderungen des griechischen Textes vorgenommen werden.)

      Wie dem Artikel zu entnehmen ist, zeigt der Kontext von Römer 10,13 unzweifelhaft, dass der Apostel Paulus von Jesus Christus redet und nicht von seinem Vater (JHWH). An dieser Stelle „Jehova“ einzusetzen macht unter Berücksichtigung des Themas von Paulus überhaupt keinen Sinn.

      Das zeigt, dass es besser (und notwendig!) ist, den griechischen Text einfach so zu übersetzen wie er geschrieben steht.

      Liebe Grüße
      Volker

      1. Hallo Volker,

        interessanterweise steht in der Heiligen Schrift Hebräisch-Deutsch, herausgegeben von der Bibelgesellschaft in Israel an dieser Stelle das Tetragramm JHWH. Die Zeugen Jehovas scheinen somit nicht die einzigen zu sein, die ein direktes Zitat so übernehmen und es als Original einfügen.

        Man kann es auch hier nachlesen: https://haktuvim.co.il/en/study/Rom.10

        „כֺּל אֲשֶׁר־יִקְרָא בְּשֵׁם יהוה יִמָּלֵט.“

        Als direktes Zitat aus Joel 2:32 (bzw. Joel 3:5) ist es auch mit Anführungszeichen versehen.

        1. Hallo Georgius,

          ja das ist interessant.

          Aber selbst wenn alle Bibelübersetzer an dieser Stelle den Gottesnamen wiedergeben würden, würde es nicht dem griechischen Original entsprechen.

          So ähnlich verhält es sich ja mit dem Gottesnamen im Alten Testament: Fast alle Bibelübersetzer vermeiden die Wiedergabe und schreiben HERR statt JHWH. Dadurch, dass es fast alle machen, wird es nicht korrekter. Da Du eine hebräische Wiedergabe des Neuen Testaments anführst: Der Jude Naftali Herz Tur-Sinai gibt in seiner deutschen Übersetzung des Alten Testaments (veröffentlicht in Israel durch The Jewish Publishing House LTD, Jerusalem) den Gottesnamen mit „der Ewige“ wieder. Dadurch dass der Übersetzer Jude ist, wird diese Wiedergabe nicht korrekt. Im Hebräischen steht nun einmal JHWH.

          Das Problem bleibt also bestehen.

          Volker

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