„Ihr seid meine Zeugen”, spricht Jahwe (Jesaja 43,10)

Wie sollten sich Christen nennen?

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Vorbemerkung:

Leser dieser Website sind in der Regel bibeltreu. Für sie ist die Bibel der Maßstab für den christlichen Glauben. Daher ist ihnen bewusst, dass sie mit Dingen konfrontiert werden können, die einem auf Anhieb nicht behagen mögen – trotzdem sind sie wahr. Solche Konfrontationen sind die Gelegenheit zu beweisen, dass wir die Bibel nicht an unsere Wünsche anpassen, sondern dass wir bereit sind, unseren Glauben unbeirrt nach der Bibel auszurichten.

Dieser Artikel ist eine biblische Untersuchung der Frage, ob Gottes Volk jemals den Namen „Zeugen Jehovas“ bzw. „Zeugen Jahwes“ gehabt hat oder haben sollte. Daher werden sich insbesondere Zeugen Jehovas dafür interessieren.

Die Erörterung ist jedoch nicht nur an Zeugen Jehovas gerichtet. Beim Lesen des Artikels (insbesondere der zweiten Hälfte) werden Christen aller Denominationen mit grundlegenden Überlegungen konfrontiert, denen sie sich stellen sollten.


Der aus der Neuen evangelistischen Übersetzung zitierte Thementext wird von der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas als hauptsächliche Begründung für die Verwendung ihres Namens genannt. Bis 1971 haben sie im deutschsprachigen Raum die nicht revidierte Elberfelder Bibel gebraucht, die den Text identisch wiedergibt, aber den Gottesnamen mit „Jehova“ wiedergibt. Seit dem Jahr 1971 verwenden sie an Stelle der Elberfelder Bibel die von Jehovas Zeugen selbst herausgegebene Neue-Welt-Übersetzung, in der dieser Vers lautet: „‘Ihr seid meine Zeugen‘, ist der Ausspruch Jehovas“.

Bis in die 1970er Jahre stand auf dem Titelblatt der Zeitschrift Der Wachtturm die Zeile „IHR SEID MEINE ZEUGEN“, SPRICHT JEHOVA – JES. 43:12

Es ist aufschlussreich festzustellen, in welchem Zusammenhang (Kontext) der Prophet Jesaja die Aussage „Ihr seid meine Zeugen“ verwendete. Ferner ist von Interesse, inwieweit es für Christen angebracht ist, den Namen einer Denomination zu verwenden.

Der Kontext

Da diese Abhandlung für einen Zeugen Jehovas besonders aufschlussreich sein mag, werden Bibeltexte aus der ihm vertrauten Neuen-Welt-Übersetzung zitiert.

Wie die zweite Hälfte der Ausführungen zeigt, sind nachstehende biblischen Feststellungen jedoch für Christen jeder Denomination beachtens- und nachdenkenswert.

Jesaja Kapitel 38 berichtet, dass der jüdische König Hiskia „sterbenskrank“ wurde, Gott ihn aber von seiner Krankheit genesen ließ. Kapitel 39 berichtet, dass Hiskia einer Abordnung des Königs von Babylon sein „Schatzhaus“ und „sein ganzes Zeughaus“ zeigte, weil er sich über die Genesungsgrüße des babylonischen Königs freute. Gemäß Vers 6–7 wird er dafür vom Propheten gerügt. Jesaja kündigt als Prophet Gottes an, dass sein ganzer Reichtum und einige seiner königlichen Nachkommen nach Babylon weggeführt werden würden.

Noch bevor die Wegführung des jüdischen Volkes ins babylonische Exil konkretisiert wird, prophezeit Jesaja in Kapitel 40 die Befreiung durch Gott und die Rückkehr aus Babylon. In Vers 2 wird der Grund für die Wegführung genannt: Jerusalem sollte „ein volles Maß für alle ihre Sünden empfangen“. In Kapitel 41 Vers 8–10 wird der Grund genannt, warum Gott Israel später wieder in sein Land zurückholen würde: Um seines „Freundes“ Abraham willen habe er sie erwählt und nicht verworfen.

In Kapitel 42 wird der Messias (Christus) vorausgesagt, der dort Gottes „Knecht“ und „Auserwählter“ (Vers 1) genannt wird. Ab Vers 17 wirft Gott seinem Volk vor, götzendienerisch zu sein, taub und blind für den Rat, den er ihm durch die Propheten zukommen ließ. Das Volk hat gegen Jehova „gesündigt“ und wollte nicht auf sein Gesetz hören (Vers 24–25).

Dann folgt das Kapitel 43, in dem der Thementext enthalten ist. Noch bevor das Volk Israel überhaupt im babylonischen Exil ist, sieht Jehovas Prophet Jesaja vorher, dass es von seinem Gott wieder befreit werden wird (Vers 1–7). In Vers 8 hält er seinem Volk noch einmal vor, dass es „blind“ und „taub“ ist. In Vers 9 fordert er die anderen Nationen auf, „Zeugen“ zu stellen, „damit sie gerechtgesprochen werden mögen“ und sagen können „Es ist die Wahrheit!“ Es wird festgestellt, dass die anderen Nationen nicht in der Lage sind, Zeugen zu benennen, die sie oder ihre Götter (Götzen) rechtfertigen könnten.

Als Zeugen für Gott auftreten

Dem stellt Gott jetzt sich selbst und sein Volk gegenüber: Er wird Zeugen haben, die bestätigen werden können, dass er sein Wort wahr macht. Er wird sein Volk nach vollzogener Strafe aus Babylon zurückholen – und niemand wird ihn daran hindern können. Und dann spricht er sein abtrünniges Volk an und fordert es auf:

„Ihr seid meine Zeugen“, ist der Ausspruch Jehovas, „ja mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und an mich glaubt und damit ihr versteht, daß ich derselbe bin. Vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir war weiterhin keiner. Ich — ich bin Jehova, und außer mir gibt es keinen Retter.“
„Ich selbst habe es verkündet und habe gerettet und habe es hören lassen, als kein fremder Gott unter euch war. Und ihr seid meine Zeugen“, ist der Ausspruch Jehovas, „und ich bin Gott“ (Jesaja 43,10–12).

„Zeugen Jehovas“ war also keine Ehrenbezeichnung. Vielmehr sollte das abtrünnige Volk Israel zur Besinnung kommen und nach seiner späteren Befreiung aus Babylon „bezeugen“, dass Gott sein Wort wahr macht. So wie er es immer wahr macht und sich als Gott erweist.

Dies ist, was Jehova, euer Rückkäufer, der Heilige Israels, gesprochen hat: „Um euretwillen will ich nach Babylon senden und die Riegel der Gefängnisse herunterkommen lassen und die Chaldạ̈er in den Schiffen mit wimmernden Rufen von ihrer Seite. Ich bin Jehova, euer Heiliger, der Schöpfer Israels, euer König“ (Jesaja 43,14–15).

Babylon hätte keine Chance, den Gott Israels von seiner vorherbestimmten Befreiung abzuhalten.

Und wieder wirft Israels Gott seinem Volk vor, in großem Maß abtrünnig zu sein und gegen ihn gesündigt zu haben:

„Aber du hast selbst mich nicht angerufen, o Jakob, weil du meiner müde geworden bist, o Israel. Du hast mir nicht die Schafe deiner Ganzbrandopfer gebracht, und mit deinen Schlachtopfern hast du mich nicht verherrlicht. Ich habe dich nicht genötigt, mir mit einer Gabe zu dienen, noch habe ich dich mit duftendem Harz ermüdet. Für mich hast du kein Würzrohr mit Geld gekauft; und mit dem Fett deiner Schlachtopfer hast du mich nicht gesättigt. Ja, du hast mich wegen deiner Sünden zu dienen genötigt; du hast mich ermüdet mit deinen Vergehungen“ (Jesaja 43,22–24).

Was also war der historische Hintergrund für das, was Gott gemäß den Versen 10–12 seinem Volk sagte? Der Kontext zeigt, dass keine einvernehmliche Stimmung bestand. Nein, Jehova Gott ging mit seinem auf Abwegen befindlichen Volk ins Gericht. Kein Hauch von Auszeichnung oder Wohlwollen.

Ein Name?

Wie also kann man auf den Gedanken kommen, dass die Bezeichnung „Zeugen Jahwes“ oder „Zeugen Jehovas“ etwas war, was der Allmächtige seinem treuen Volk als Name geben wollte? Jehova, der Allmächtige, wollte lediglich sicherstellen, dass die Respektlosigkeit in Form von Götzendienst ein Ende nehmen sollte, indem die aus dem Exil zurückkehrenden Nachkommen der Abtrünnigen bezeugen würden, dass nur er Gott ist, er allein.

Man muss berücksichtigen, dass das auserwählte Volk Israel niemals in seiner Geschichte den Namen „Jehovas Zeugen“ getragen hat. Das Volk nahm nach seiner Befreiung aus Ägypten vor etwa 3500 Jahren seinen Anfang. Den Ausspruch „Ihr seid meine Zeugen“ machte der Allmächtige etwa 700 Jahre später. Während dieser 700 Jahre war er völlig unbekannt.

Auch während der jahrzehntelangen Gefangenschaft in Babylon hat das Volk Israel sich nicht so bezeichnet.

Und nach ihrer Befreiung aus Babylon durch Cyrus den Großen (Jesaja 44,24–45,2)?

Da kehrte ein Überrest der Nachkommen der Exilanten nach Israel zurück. Sie konnten bezeugen, dass der Gott Israels, Jehova oder Jahwe, seine Verheißung wahr gemacht hatte. Nahmen sie deshalb einen Namen wie „Zeugen Jehovas“ oder ähnlich an? Nichts in der damaligen oder späteren Geschichte Israels deutet darauf hin.

„Zeugen Jehovas“ war in der Geschichte Israels also niemals ein Name oder eine Bezeichnung, die Israel auf sich bezog. Die einzige Tatsache, die man mit dieser Bezeichnung verbinden kann (und auch sollte), ist, dass die befreiten und zurückkehrenden Israeliten als „Zeugen für Jehova“ auftreten konnten, dass er das, was er durch seine Propheten Jesaja und Jeremia über die Rückkehr aus dem Exil prophezeite, wahr gemacht hat.

Angebracht als Bezeichnung für Christen?

Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas hält es für sehr angebracht, den Namen „Jehovas Zeugen“ zu tragen. Sie beanspruchen, Christen zu sein, und änderten ihre ursprüngliche  Bezeichnung „Internationale Bibelforscher“ im Jahr 1931 auf „Jehovas Zeugen“. Sie vertreten den Standpunkt, dass seit Jahrhunderten der Name Gottes, Jehova (Jahwe), in der Christenheit vernachlässigt wurde. Sie halten es für unangemessen, dass in der Christenheit der Name des Sohnes Gottes, Jesus Christus, im Zentrum des Gottesdienstes steht. In ihrem Buch Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe! (1988) heißt es dazu auf Seite 36:

Jehova und seinen Sohn aus Liebe lobpreisen

Das Liederbuch, das Jehovas Volk im Jahre 1905 herausbrachte, enthielt doppelt so viele Lieder, in denen Jesus lobpriesen wurde, als Lieder, in denen Jehova Gott lobpriesen wurde. In dem Liederbuch, das 1928 herauskam, war die Zahl der Lieder zum Lobpreis Jesu etwa gleich groß wie die Zahl der Lieder zum Lobpreis Jehovas. Doch das neueste Liederbuch vom Jahre 1984 (deutsch: 1986) enthält viermal mehr Lieder, in denen Jehova geehrt wird, als Lieder, in denen Jesus gepriesen wird. Das ist im Einklang mit Jesu eigenen Worten: „Der Vater ist größer als ich“ (Johannes 14:28). Die Liebe zu Jehova muß alles überragen und gepaart sein mit einer tiefen Liebe zu Jesus und Wertschätzung für sein kostbares Opfer sowie sein Amt als Gottes Hoherpriester und König.

Entspricht diese Aussage dem, was die Christlichen Griechischen Schriften (das Neue Testament) lehren?

Der Gottesname im Neuen Testament

Liest man die Apostelgeschichte, die Briefe des Apostels Paulus oder die der anderen Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften, so fällt auf, dass der Name Jehova (Jahwe) dort gar nicht erscheint. Der von Jehovas Zeugen herausgegebenen Kingdom-Interlinear-Translation of the Greek Scriptures (1985), die den griechischen Text des Neuen Testaments nach Westcort & Hort samt einer Wort-für-Wort-Übersetzung in Englisch sowie (in einer separaten Spalte) den Text der Neuen-Welt-Übersetzung (Ausgabe 1984) enthält, kann leicht entnommen werden, dass im griechischen Text ausschließlich die Wörter kyrios (Herr) und in ganz wenigen Fällen theos (Gott) stehen, die die Neue-Welt-Übersetzung mit „Jehovah“ wiedergibt. Das ist nicht nur in dem von Westcort & Hort oder von Barbara und Kurt Aland rekonstruierten griechischen Text der Fall: Es sind bis heute über 5000 Texte oder Textfragmente des Neuen Testaments gefunden worden[1],[2]. Darunter ist nicht ein einziges, in dem an Stelle von kyrios (Herr) oder theos (Gott) der Gottesname (JHWH, Jahwe, Jehova o.ä.) enthalten ist.

Trotzdem haben Jehovas Zeugen in ihrer Neuen-Welt-Übersetzung an 237 Stellen im Neuen Testament den Gottesnamen „Jehova“ an Stelle der im Text vorhandenen griechischen Wörter kyrios oder theos eingefügt. Die „Begründung“ dafür findet sich in der Studienausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung im Anhang 1D:

Irgendwann während des zweiten oder dritten Jahrhunderts u. Z. entfernten die Abschreiber das Tetragrammaton sowohl aus der Septuaginta als auch aus den Christlichen Griechischen Schriften und ersetzten es durch Kýrios, „Herr“, oder Theós, „Gott“.

Dabei handelt es sich um eine bloße Behauptung, die weder begründet noch bewiesen wird. Diese „Theorie“ wird gestützt auf die Ausführungen von George Howard von der Universität von Georgia (USA) im Journal of Biblical Literature, Bd. 96, 1977, S. 63. Howard selbst schreibt dort dazu: „Auf den folgenden Seiten werden wir eine Theorie unterbreiten“. Kommentiert wird dieses Zitat in der Studienbibel wie folgt:

„Wir stimmen mit folgender Ausnahme mit der obigen Erklärung überein: Wir betrachten diese Ansicht nicht als eine „Theorie“, sondern als eine Darstellung von historischen Tatsachen in Verbindung mit der Übermittlung der Bibelhandschriften.“

Weshalb es sich dabei um „historische Tatsachen“ handeln soll, wird mit keinem Wort erläutert!

Am Ende des Anhangs 1D in der Studienausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung befindet sich eine vollständige Auflistung aller 237 Stellen im Neuen Testament, in denen der Gottesname „Jehova“ eingefügt wurde. Zu jeder einzelnen der 237 Stellen wird angegeben, ob im griechischen Text kyrios (Herr) oder theos (Gott) steht. An keiner einzelnen Stelle steht (im griechischen Text) der Gottesname!

Weshalb diese Manipulation?

Während der Gottesname im griechischen Text (also in der ursprünglichen Sprache, in der das NT geschrieben wurde) überhaupt nicht erscheint, kommt der Name Jesus etwa 900mal vor. Bibeltreue Christen gehen davon aus, dass Gottes Wort einschließlich des Neuen Testaments zuverlässig über die Jahrhunderte übermittelt und bewahrt wurde. (Wäre das nicht der Fall, bestünde heute keine Möglichkeit, Gottes Willen überhaupt verlässlich kennenzulernen, da die Bibel das einzige Zeugnis diesbezüglich ist.)

Zuverlässig ist das Wort, und ich möchte, daß du über diese Dinge stets feste Aussagen machst, damit die, die Gott geglaubt haben, ihren Sinn darauf gerichtet halten, unaufhörlich vortreffliche Werke zu tun. Diese Dinge sind vortrefflich und den Menschen nützlich (Titus 3,8) –

so lautet die biblische Bestätigung. Und in 2. Timotheus 3,16-17 stellt der Apostel Paulus fest:

Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in [der] Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk.

Deshalb vertraut der bibeltreue Christ darauf, dass Gott, der Allmächtige, sein Wort, die Bibel, zuverlässig bis heute bewahrt hat.

Geht man davon aus, dass die oben erwähnte Theorie eine „historische Tatsache“ ist, drängt sich die Frage auf, ob der Allmächtige wohl nicht in der Lage war, seinen eigenen Namen in den Schriften des Neuen Testaments zu bewahren.

Geht man dagegen davon aus, dass in den Urschriften tatsächlich kyrios (Herr) steht, muss man sich fragen, was das für uns bedeutet.

Der Name Jesu

Tatsächlich ist es so, dass insbesondere der Apostel Paulus das Verhältnis eines Gläubigen zu Jesus Christus, Gottes Sohn und seinen Herrn, ausgesprochen stark hervorhebt. Befreiung von Sünde, Rettung, Leben, Sohnschaft – alles ist nur durch Jesus Christus möglich. Deshalb schreibt er in 2. Korinther 5,14-15 auch:

Denn die Liebe, die der Christus hat, drängt uns, denn so haben wir geurteilt, daß e i n Mensch für alle gestorben ist; also waren alle gestorben; und er ist für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt worden ist.

Jesus, Gottes Sohn, sagte gemäß Johannes 5,23:

„… damit alle den Sohn ehren, so wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“

Und Jesu Vater, Gott der Allmächtige, bestätigte:

Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; hört auf ihn (Matthäus 17,5)!

Die Zahl der Bibeltexte, die das hier Gesagte bestätigen, ist nahezu unzählbar. Gott verwirklicht seinen Vorsatz und seinen Willen vollständig durch seinen Sohn. (Man sollte nicht vergessen, dass der Sohn Gottes bereits in seiner vormenschlichen Existenz alles in Verbindung mit der Schöpfung für seinen Vater wirkte (Johannes 1,1-3; Kolosser 1,15-17)!)

Ebenfalls nicht zu vergessen ist die überaus hohe Stellung, die ihm der Vater nach seiner Auferstehung gegeben hat:

[Gott hat] in Christi Fall gewirkt […], als er ihn von den Toten auferweckte und ihn in den himmlischen Örtern zu seiner Rechten setzte, hoch über jede Regierung und Gewalt und Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in diesem System der Dinge, sondern auch in dem künftigen. Auch hat er alle Dinge seinen Füßen unterworfen und hat ihn zum Haupt über alle Dinge für die Versammlung gemacht, welche sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt (Epheser 1,20-23).

Gerade aus diesem Grund hat Gott ihn auch zu einer übergeordneten Stellung erhöht und ihm gütigerweise den Namen gegeben, der über jedem [anderen] Namen ist, so daß sich im Namen Jesu jedes Knie beuge, derer, die im Himmel, und derer, die auf der Erde, und derer, die unter dem Erdboden sind, und jede Zunge offen anerkenne, daß Jesus Christus Herr ist zur Verherrlichung Gottes, des Vaters (Philipper 2,9-11).

Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass es der Wille des Vaters ist, dass Menschen an seinen Sohn glauben, ihn verherrlichen und für ihn leben. Das ist die Erklärung dafür, dass er offensichtlich den Namen seines über alles geliebten Sohnes geehrt sehen will: Durch die Verherrlichung des Sohnes Gottes ehren wir unseren himmlischen Vater.

„Christen“

Das ist in Übereinstimmung mit dem, was in Apostelgeschichte 11,26 steht; der Wortlaut der Neuen-Welt-Übersetzung bringt es überaus treffend zum Ausdruck:

Es war zuerst in Antiọchia, daß die Jünger durch göttliche Vorsehung Christen genannt wurden.

Die Formulierung „durch göttliche Vorsehung genannt“ bringt den Sinn des zu Grunde liegenden griechischen Ausdrucks genau wieder. Da entsteht die fundamentale Frage: Wenn die Gläubigen „durch göttliche Vorsehung Christen genannt wurden“, mit welchem Recht sollten sich Christen eine andere Bezeichnung geben dürfen? Wollen wir Gottes Willen und Vorsatz eigenmächtig verändern?

„Zeugen Jehovas“? Warum sich gegen die „göttliche Vorsehung“ auflehnen und einen anderen Namen als „Christen“ annehmen?

Das betrifft aber auch alle anderen Denominationen: Warum sollten Christen sich adventistisch, methodistisch, neuapostolisch, katholisch oder sonst wie nennen? Wissen wir es besser als die Schrift?

Ehren wir Jesus Christus und auch seinen Vater nicht dadurch, dass wir uns nach dem Erlöser benennen: Christen – abgeleitet von Christus, dem Messias, dem Gesalbten? Warum also die „göttliche Vorsehung“ nicht respektieren?

Die ersten Christen haben genau das getan, und zwar durch vielerlei Verhalten:

  • Sie haben den Namen Jesu – und zwar überall – angerufen (Apostelgeschichte 9,14.211. Korinther 1,2).
  • Es war ihr Wunsch, dass der Name des Herrn Jesus Christus in ihnen verherrlicht wurde (2. Thessalonicher 1,12).
  • Sie waren glaubensgehorsam hinsichtlich seines Namens (Römer 1,5).
  • Deshalb verleugneten sie sich selbst, nahmen Christi Marterpfahl auf und folgten ihm beständig; ja sie waren bereit, um seinetwillen ihre Seele (ihr Leben) zu verlieren (Matthäus 16,24-25).
  • Durch Christi Liebe fühlten sie sich gedrängt, nicht mehr für sich selbst zu leben, sondern für ihn (2. Korinther 5,14-15).
  • Sie wollten wie der Apostel Petrus zu niemand anderem gehen als zu ihm, weil er Worte ewigen Lebens hat und der Heilige Gottes ist (Johannes 6,68-69).

Unter Berücksichtigung all des hier Angesprochenen ist es wohl keine Frage, dass in Jakobus 2,7 der Name Jesu gemeint ist, wenn es dort heißt: „Lästern nicht sie den vortrefflichen Namen, nach dem ihr genannt worden seid?“

Und gemäß 1. Petrus 4,15-16 sollten wir „als Christ“ „Gott weiterhin in diesem Namen [verherrlichen]“.

 

So wie die Israeliten in alter Zeit als Zeugen für Jehova auftreten konnten, wollen Christen im Gehorsam gegenüber ihrem Herrn Jesus Christus das tun, was er vor seiner Himmelfahrt zu seinen Jüngern sagte:

„Ihr werdet Zeugen von mir sein … bis zum entferntesten Teil der Erde.“ (Apostelgeschichte 1,8).


Fußnoten:

[1] „… die faktische Zahl der existierenden neutestamentlichen Handschriften dürfte heute etwas über 5000 liegen“ (Aland, Der Text des Neuen Testaments, 2. A. 1989, Seite 84).

[2] „Gegenwärtig sind etwa 5000 Handschriften bekannt, die das ganze griechische Neue Testament oder einen Teil davon enthalten. Der größte Teil davon wurde in den letzten zwei Jahrhunderten gefunden. Zur Zeit der Reformation war, abgesehen vom Codex Bezae, keine vor dem 11. Jahrhundert entstandene Handschrift bekannt“ (Wikipedia [11.01.2019]: https://de.wikipedia.org/wiki/Textgeschichte_des_Neuen_Testaments#Entdeckung_der_Handschriften)

Offline lesen:

6 Gedanken zu „„Ihr seid meine Zeugen”, spricht Jahwe (Jesaja 43,10)“

  1. Ein ganz großes Lob für diesen wunderbaren Artikel.
    Wie wahr: Heute kommt es darauf an, echte Nachfolger Jesu zu sein. Daher ist es biblisch völlig richtig, sich lediglich als Christ zu bezeichnen und ein solcher zu sein. Unser himmlischer Vater wird dadurch geehrt, wenn wir seinem Sohn die ihm zustehende Ehre zugestehen und erweisen.
    Weiter so! Wir freuen uns mit euch auf euren nächsten bibeltreuen Artikel.

    In christlicher Liebe verbunden: http://www.Christusbekenner.de

  2. Gestern gab es die NW. Im Anhang zum Namen Jehovas, wird auch als Begründung der Text aus Apg.15:14 angeführt, wo Petrus sagt, dass Gott ein Volk für seinen Namen aus den Nationen wählt.
    Wie siehst du diesen Text?

    1. Lieber anonymer Leser,

      dazu nehme ich gern Stellung.

      Apostelgeschichte 15 Vers 14 lautet gemäß der Elberfelder Bibel: “Simon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.”

      Was Jakobus hier äußert, ist keine ausstehende Prophezeiung, sondern er führt eine Prophezeiung an, die sich in der damaligen Zeit erfüllt hat. Es war Amos 9,11.12, zitiert nach der Septuaginta (vergl. Apg 15,15-17). Man braucht also nicht darüber zu spekulieren, wie sich das wohl später erfüllen würde. Wir brauchen nur zu betrachten, was sich bis zu dem Zeitpunkt, als Jakobus das sagte, ereignete und auch in der unmittelbaren Zeit danach.

      Zu beachten ist, dass die Apostel und die Ältesten in der Jerusalemer Gemeinde eine Frage zu entscheiden hatten, die in Antiochia zur Streitfrage wurde: Mussten sich Heiden (Nichtjuden), die zum Glauben an Jesus kamen, beschneiden lassen (wie die Juden gemäß dem jüdischen Gesetz) oder nicht (Apg 14,26 bis 15,6)? Die Apostel und Ältesten kamen zu dem Ergebnis, dass das nicht notwendig wäre (Apg 15, 19-20; 22-29). In der Phase der Entscheidungsfindung erzählten Petrus, Paulus und Barnabas, was sie in Verbindung mit der Bekehrung von Nichtjuden zu Jesus erlebt hatten. In seiner Zusammenfassung aller dargelegten Argument sagte Jakobus (Ältester in Jerusalem) das, worauf du Bezug nimmst (Apg 15,14), und bestätigt, dass sich die Prophezeiung damals erfüllt hatte (Apg 15,6-19).

      Nimmt man die Aussage “aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen” wörtlich, stellt sich die Frage, ob die Jünger Jesu damals eine Namensbezeichnung verwendeten, die den göttlichen Namen (JHWH, Jehova, Jahwe) enthielt. Nichts im Bericht der gesamten Apostelgeschichte noch der anschließenden Geschichte der Christenheit enthält jedoch auch nur einen Hinweis darauf. Allerdings gibt es eine eindeutige Aussage darüber, wie sich die Jünger Jesu tatsächlich nannten. Das Auffällige daran ist, dass diese Angelegenheit eben in der Gemeinde von Antiochia geklärt wurde, bevor die dort entstandene Streitfrage den Aposteln und Ältesten in Jerusalem vorgelegt wurde. Der Bericht findet sich in Apg 11,19-26. In Vers 26 heißt es am Ende, “dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden”. Die von Jehovas Zeugen verwendete Neue-Welt-Übersetzung formuliert es so, “daß die Jünger durch göttliche Vorsehung Christen genannt wurden”. Mit “durch göttliche Vorsehung … genannt” wird das griechische Wort chrematizo übersetzt. (Sieht man in griechischen Worterklärungen nach und vergleicht die wenigen Vorkommnisse (nämlich 9 mal) dieses Wortes im Neuen Testament miteinander, so stellt man fest, dass die Formulierung “durch göttliche Vorsehung … genannt” den Sinn von chrematizo treffend beschreibt.

      Um es noch einmal herauszustellen: “Durch göttliche Vorsehung” wurden die Jünger Jesu “Christen” genannt!

      Das muss Jakobus bekanntgewesen sein, als er seine Ausführungen in Apostelgeschichte 15 machte. Der Bericht in Apg 11,26 sagt nicht, dass nur die Jünger Jesu in der Gemeinde in Antiochia sich “Christen” nannten, sondern dass “dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden”. Das heißt, dass sich danach alle Jünger Jesu, egal wo sie lebten, “Christen” nannten. Auch in Jerusalem. Deshalb sagte später Agrippa gemäß Apg 26,28 auch: “In kurzem überredest du mich, ein Christ zu werden”. Das alles ist somit keine Hypothese; die Geschichte zeigt, dass Jesu Jünger tatsächlich überall “Christen” genannt wurden. Und das ist – abgesehen von zusätzlichen Denominationsbezeichnungen – bis heute der Fall.

      Bleibt also noch die Frage zu klären, auf welche Weise Gott dann “aus den Nationen ein Volk […] für seinen Namen” genommen hat. Dazu ist eine Erklärung aus dem Bibellexikon der Zeugen Jehovas (Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 324 “Der göttliche Name”) hilfreich:

      “Es ist jedoch für die ganze Menschheit von größter Bedeutung, den göttlichen Namen zu kennen (Rö 10:13). Dies schließt mehr ein, als nur zu wissen, wie Gottes persönlicher Name lautet. Es schließt ein, auch die Person zu kennen, für die der Name steht, sowie auf eine Art und Weise zu leben, die in Übereinstimmung mit den Vorsätzen ist, die mit diesem Namen verbunden sind. Alle, die den wahren Gott anbeten, tragen die Verantwortung, eifrig seinen Namen anderen bekanntzumachen, ebenso wie Jesus es tat (Joh 17:6, 26).”

      Abgesehen davon, dass der Name JHWH in Römer 10,13 nicht im griechischen Neuen Testament steht und vom Kontext her auch gar nicht möglich ist, ist der Rest der Erklärung zutreffend: Der “Name”, den Jesus bekanntmachte (Joh 17,6.26), war nicht der Name JHWH. Dieser war den Juden bekannt, wenn sie ihn auch nicht aussprachen. Nichts in den Reden Jesu weist darauf hin, dass er diesen Namen aussprach. Der Name, den er bekanntmachte, war das, was in dem zitierten Bibellexikon erklärt wird: Er wollte, dass seine Landsleute die Person kennenlernten, “für die der Name steht”. Er wollte sie mit dieser Person vertraut machen und sie motivieren, “auf eine Art und Weise zu leben, die in Übereinstimmung mit den Vorsätzen ist, die mit diesem Namen verbunden sind.” Durch eine solche (christliche) Lebensweise würden sie Gottes Namen auch “heiligen” (Mat 6,9). Und das konnten sie am besten, wenn sie mit Jesus vertraut wurden und ihm folgten. “Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen” erklärte Jesus deshalb (Joh 14,9).

      Der göttliche Name JHWH ist Bestandteil des Namens Jesu. Jesus heißt auf hebräisch Jehoschuah und hat die Bedeutung von “JHWH ist Rettung”. In Bezug auf Jesus Christus erklärte der Apostel Petrus: “Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können” (Apg 4,12; NGÜ).

      Unter Berücksichtigung dieser biblischen Aussagen ist ersichtlich, dass Gott “ein Volk für seinen Namen” dadurch erwählt, dass er Menschen zu Jesus führt (Joh 6,44), sie an ihn glauben und ihn als Retter annehmen.

      Gern kannst Du Dich zu diesen Ausführungen äußern, wenn Du möchtest.

      Liebe Grüße
      Volker

    2. Geachtete anonymer Leser.
      Das tückische an der NWÜ ist das diese der Name Gottes als einzige Bibelübersetzung Gottes Name in das „neue Testament“ einsetzt wo Schriftstellen aus dem „alten“ Testament zitiert werden wo Gottes Name auch steht.

      Obwohl dies der einzige Übersetzung ist welche dies macht sehe ich darin kein Problem.
      Aber irgendwann habe ich/wir entdeckt das der Übersetzer von Ihre Grundsatz abgewichen sind und der Name Gottes eingesetzt haben wo das nicht der Fall ist. Ja sogar auf stellen wo der Kontext aufweist das sich dies auf Jahuscha (Jesus) bezieht.
      Und das ist deutlich bibelfälschung, irreführend und (sehr) schädlich.

      Dies wird mitunter gut erklärt in ein Artikel von der Website Die Vierte Wache.
      http://www.die-vierte-wache.eu/DE/1-der-verschwundene-jesus.html

      Auch ein Artikel welche auf diese Site steht uns zu dein frage past ist: Der Name Gottes JHWH.

      Ich hoffe es Antwort ist passend auf deine Frage…

      Shalom !
      Aesculap

  3. Jesaja sagte etwa 170 Jahre zuvor, dass Israel aus der Gefangenschaft Babylons befreit werden würde. Zu diesem Zeitpunkt war Assyrien die Weltmacht und Babylon ein unbedeutendes Volk. Von Medo-Persien wusste man garnichts.
    Amos sagt im Auftrage Gottes über Israel folgendes voraus: Amos 9.14-15 Lutherbibel 2017 “Ich will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, dass sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, dass sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. Ich will sie in ihr Land pflanzen, dass sie nicht mehr aus ihrem Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott.”
    So wie damals bei Jesaja sich alles haargenau erfüllte, so erfüllt sich in unserer Zeit haargenau die Amos-Prophezeiung. Seit 1948 ist Israel wieder zurückgekehrt und Gott wird dafür sorgen, dass die Gottesfürchtigen Juden niemals ausgerottet werden.

    Sollten wir Christen nicht den Wunsch haben, genau das zu bezeugen?

    Gerardino Maio

    1. Lieber Gerardino,

      unserem Gedankenaustausch in den Kommentaren zum Artikel “Wie ist Apostelgeschichte 15,14 zu verstehen?” ist zu entnehmen, dass wir beide in dieser Frage ein unterschiedliches Bibelverständnis haben. Ich vertrete den (mit Aussagen der Bibel belegbaren) Standpunkt, dass sich Amos 9 gemäß Apg 15 am neuen, geistigen Israel (der Gemeinde Jesu) erfüllt. Meinem Verständnis nach “erfüllt sich in unserer Zeit” die Amos-Prophezeiung nicht haargenau, indem seit 1948 Israel nach Palästina zurückgekehrt ist.

      Auch Du vertritts Deinen Standpunkt mit biblischen Argumenten. Da keiner unserer Standpunkte biblisch eindeutig als der allein richtige bewiesen werden kann, halte ich es für angemessen, dass wir das vorerst so stehen lassen und unseren jeweiligen Glauben respektieren.

      Warum ich auf dieser Website nicht weiter auf dieses Thema eingehen möchte, habe ich in meinem letzten Kommentar zu dem vorstehend genannten Artikel erwähnt.

      In christlicher Liebe
      Volker

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