»Fairness heisst weitsichtig handeln«

Livenet, 20.02.2018

Primo Cirrincione: »Fairness heisst weitsichtig handeln«

Schiri und Religionslehrer
Als Hobby-Schiedsrichter wird der Religionslehrer Primo Cirrincione immer wieder mit Fragen und Fällen rund um Fairness konfrontiert. Er rät dazu, hinter die Fassade zu blicken und sich zu fragen, wie Gott den betroffenen Menschen sieht.

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Primo Cirrincione als Schiedsrichter im Einsatz.

 

Jesus.ch-Print: Primo Cirrincione, leben wir in einer fairen Welt?
Primo Cirrincione:
Auf keinen Fall. Es gibt viele Unterschiede, was Besitz, Bildung und Chancen anbelangt. Nehmen wir den Hunger auf der Welt: Es wäre genügend Nahrung für alle da. Sie ist einfach nicht fair verteilt. Die, die viel haben, können nicht genug kriegen. Trotzdem muss man sehen, dass diese Welt nicht nur unfair ist. Es gibt immer mehr Menschen, die nicht mehr zusehen wollen, die ihr Denk- und Konsumverhalten ändern – durch den Kauf von Fairtrade-Produkten etwa oder persönliches Engagement.

Faires Handeln hängt auch mit unseren Werten zusammen. Behandeln wir die Menschen in Bezug auf Geschlecht, Gesundheitszustand, Herkunft, Religion und sozialer Position gleichwertig?

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Primo Cirrincione

 

Was bringt uns faires Verhalten?
Wenn ich mit jemandem freundlich umgehe, ihn unterstütze oder schütze, dann kommt etwas zurück. Ohne es bezweckt zu haben, erhalte ich Bestätigung und Anerkennung und empfinde Glück dabei. Es ist eine Art Geheimnis, das die Bibel in der Apostelgeschichte, Kapitel 20, Vers 35 zusammenfasst. Der Apostel Paulus zitiert dort die bekannten Worte von Jesus: «Geben ist seliger als Nehmen».

Was sagt die Bibel sonst noch zum Thema Fairness?
Im Gegensatz zu uns Menschen, die in Sachen Fairness schwarz-weiss denken, steht Gott immer auf der Seite der Benachteiligten. In Jesaja, Kapitel 58, Vers 7 fordert Gott uns auf: «Teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschliesst eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!» Liebe und Barmherzigkeit gehen bei Gott vor. Ich denke auch an die spannende Geschichte des Königs David, den Gott trotz Ehebruch und Auftragsmord nicht aufgibt (2. Buch Samuel, Kapitel 11 und 12).

Sie sind in Ihrer Freizeit Fussball-Schiedsrichter. Wie leben Sie dort Fairness?
Ich versuche immer mit Weitsicht zu reagieren. Wenn ein Spieler im Vorfeld auffällig war, behalte ich ihn im Auge. Aber nicht, um ihn beim nächsten Fehltritt sogleich zu sanktionieren. Ich frage mich, weshalb er aggressiv spielt. Und ich versuche, mich in ihn und sein soziales Umfeld hineinzuversetzen. Oft sind es starke, engagierte Männer, die ihre Grenzen einfach nicht kennen. Foult dieser Spieler erneut, bitte ich ihn, die Grenzen zu respektieren, ermutige ihn und lobe vielleicht noch sein Talent. Das zahlt sich immer aus.

Was sollen wir tun, wenn wir unfair behandelt werden?
Es ist menschlich und verständlich, wenn wir uns zunächst ärgern und Hass gegenüber der Person empfinden. Aber das bringt uns nicht weiter. Mir hilft es, zu versuchen, einen Schüler oder Spieler, der sich daneben benimmt, mit den Augen von Jesus zu sehen. Dann verändert sich mein Denken. Dann kann ich Mitgefühl, ja sogar Liebe empfinden. Ganz wichtig ist auch zu eruieren, weshalb ich mich so ärgere. Oft stecken persönliche Defizite (aus der Kindheit) dahinter – mangelnde Wertschätzung zum Beispiel. Gott möchte diese ausfüllen. Er ist immer für uns!

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