Wie die Bibel die deutsche Sprache beeinflusst

Wie die Bibel die deutsche Sprache beeinflusst

31.05.2017

Machtwort, Feuereifer und Herzenslust
Hätte Martin Luther nicht die Bibel übersetzt, würden wir heute völlig anders reden. Denn viele unserer alltäglichen Vokabeln und Redewendungen stammen aus der Bibel. Vielleicht zitieren ja auch Sie das Buch der Bücher – ohne es zu ahnen! Lassen Sie sich überraschen …

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Als Martin Luther die Bibel übersetzte, legte er den Grund für eine gemeinsame Sprache, lange bevor eine Republik namens Deutschland existierte. Viele Worte und Redewendungen würden wir ohne die Bibel – übersetzt durch Luther – gar nicht kennen.

Lückenbüsser, Denkzettel und Machtwort

Für seine Übersetzung führte er verschiedene Dialekte zusammen, kreierte aber auch ganz neue Begriffe. Worte die auf Luther zurückgehen sind zum Beispiel: Herzenslust, Lückenbüsser, friedfertig, wetterwendisch, Machtwort, Feuereifer, Langmut, Lästermaul, Morgenland, Denkzettel, friedfertig, Lockvogel, Machtwort, Mördergrube, nacheifern, Richtschnur, Schandfleck, erstunken und erlogen, Zeichen der Zeit, Schwärmer, der schnöde Mammon…

Auch diese Redewendungen stammen aus der ersten deutschen Bibelübersetzung und haben es in unseren täglichen Sprachgebrauch geschafft:

  • «Sein Licht unter den Scheffel stellen» – Matthäus, Kapitel 5, Vers 15
  • «Ein Stein des Anstosses sein» Römer, Kapitel 9, Vers 32
  • «Mit Blindheit geschlagen sein» 1. Mose, Kapitel 19, Vers 11
  • «im Dunkeln tappen» 5. Mose, Kapitel 28, Vers 29
  • «eine Hiobsbotschaft erhalten» bezieht sich auf die Unglücks-Nachrichten, die Hiob erhielt
  • «Niemand kann zwei Herren dienen.» Matthäus, Kapitel 6, Vers 24
  • «Jemandem die Leviten lesen» bezieht sich auf den Kodex der Leviten im 3. Buch Mose
  • «Bis hierher und nicht weiter» Hiob, Kapitel 38, 11
Sprichwörter aus der Bibel

Tatsächlich zitieren wir die Bibel vielleicht öfter als wir ahnen. Denn viele Sprichwörter sind viele tausend Jahre alt und stammen aus der Bibel. Um nur ein paar zu nennen:

  • «Wer andren eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.» Sprüche, Kapitel 26, Vers 27
  • «Hochmut kommt vor dem Fall» Sprüche, Kapitel 16, Vers 18
  • «Die Letzten werden die Ersten sein» Matthäus, Kapitel 20, Vers 16
  • «Geben ist seliger denn nehmen» Apostelgeschichte, Kapitel 20, Vers 35
  • «Glaube kann Berge versetzen» Matthäus, Kapitel 17, Vers 20
  • «Da trennt sich die Spreu vom Weizen» Matthäus, Kapitel 3, Vers 12
Sich von der Bibel überraschen lassen

Ohne dass wir es ahnen, ist die Bibel tief in unserer Kultur verankert. Doch die Bibel kann noch viel mehr als hübsche Vokabeln und kluge Sprüche von sich geben. Als Martin Luther die Bibel übersetzte, stellte er der Allgemeinheit einen Schatz zur Verfügung: Die Möglichkeit, selbst und ohne Obrigkeit erforschen zu können, wer Gott ist. Auch heute steht uns diese Türe offen, doch nur wenige nutzen sie. Damals war die Übersetzung eine Sensation und rief eine Revolution hervor. Auch heute noch riskieren Menschen in anderen Ländern ihr Leben für den Besitz einer Bibel. Vielleicht ist es auch für uns an der Zeit, mal den Staub von der alten Familienbibel zu wischen und sich für das zu öffnen, was darin steckt…

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