Frei vom schlechten Gewissen

Frei vom schlechten Gewissen

06.04.2017

Unbestechlicher Indikator
Wenn wir etwas falsch gemacht haben, spüren wir es: Druck baut sich auf, das Gewissen schlägt an. Es gibt viele Versuche, das schlechte Gewissen los zu werden – aber nur einen Weg, der wirklich funktioniert.

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Erinnern wir uns an den Fall von Ben Johnson, den Gewinner des 100-Meter-Laufs an den Olympischen Spielen in Seoul 1988. Er wusste, dass er beim Drogentest positiv abschneiden würde, und brauchte über zweieinhalb Stunden, bis er für die Drogenprobe urinieren konnte. Er musste eine ganze Reihe von Bierflaschen und andere Flüssigkeiten austrinken, bevor es klappte. Das schlechte Gewissen blockierte ihn buchstäblich.

Weltweites Phänomen

Alle Menschen auf der Welt haben ein Gewissen, das ihnen zeigt, was richtig und was falsch ist. Niemand kann ihm wirklich entfliehen. Im Laufe der Zeit können wir es verzerren, betäuben oder ignorieren. Aber unser Gewissen ist immer da.

Das Gewissen ist eine der Stimmen Gottes – eine der vielen Arten, in denen Gott zu jedem Menschen spricht. Und ein «schlechtes Gewissen» ist eigentlich eine gute Sache: Es ist die Angst, dass man erwischt wird und dass das Böse rauskommt.

Im Gedächtnis eingebrannt

Wenige Leute können wissen, dass sie etwas falsch gemacht haben, und dann völlig ruhig schlafen. Die Furcht und die Schuld sind präsent. Der innere Friede geht verloren. Wir diskutieren mit uns selbst. Das lateinische Wort für Gewissen ist «conscientia» – da ist ein «Mit-Wisser» in uns. Eine Instanz, die uns sagt: Das war falsch!

Wir können versuchen, diesen Mitwisser zum Schweigen zu bringen; wir können ihn prügeln, einsperren oder bestechen. Aber er ist hartnäckig. «Gewissenloser Mensch» ist kein besonderes Kompliment, nicht wahr? Unser Gewissen weiss, dass es Gut und Böse gibt. Und unser Leben wird sich zum Guten kehren, wenn wir auf unser Gewissen hören – und zugeben, dass wir falsch gehandelt haben.

Los vom bösen Gewissen

Es ist erstaunlich, wie schwierig dieser Schritt am Anfang ist. Wir winden uns, wir ent-schuldigen uns, wir verdrängen und vertagen. Aber das kann innerlich ganz schön krank machen. «Als ich meine Schuld versteckte, vertrockneten meine Gebeine; denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir», bekannte David, der längere Zeit versuchte, ein Vergehen zu vertuschen (Die Bibel, Psalm 32, Vers 3-4). Aber wenn wir diesen Schritt einmal tun, zugeben, dass unser Gewissen recht hat, und uns offen und ehrlich an Gott wenden, erleben wir Erstaunliches: Wir werden nicht verurteilt, sondern uns wird vergeben.

Das Pegel schlägt zur anderen Seite aus
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Wenn man einmal erlebt hat, welche Freude da über einen kommt, wenn Schuld vergeben wird, staunt man eigentlich, dass man sie so lange verdrängt und mit sich rumgetragen hat. «Glücklich der Mensch, dem seine Fehler vergeben sind, dem Gott seine Schuld nicht zurechnet» – so fängt der Psalm 32 ja an. Das schlechte Gewissen macht einer grossen Freude Platz, einem Frieden, einem tiefen Aufatmen.

Es ist wahr: Das Gewissen ist nötig, damit wir merken, dass wir etwas falsch gemacht haben. Aber unsere Reaktion sollte nicht Verdrängen oder Diskutieren sein. Das Evangelium bedeutet: Ich kann zu meiner Schuld stehen und sie bekennen, beim Namen nennen. Denn Gott hat schon längst einen anderen für unsere Fehler und unsere Schuld bestraft. Im Kern des christlichen Glaubens steht darum nicht die Anklage, sondern der Freispruch.

Es gibt nur eine Möglichkeit, das Gewissen wirklich zum Schweigen zu bringen: indem wir vor Gott kommen und uns völlig auf das verlassen, was er durch Jesus für uns getan hat. Darum kann die Passionszeit eine Zeit werden, in der wir unser Gewissen endlich entlasten und innerlich wieder gesund werden.

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