Wäre Jesus heute öfter im Asylzentrum?

Wäre Jesus heute öfter im Asylzentrum?

30.06.2016

ISTL-Einsatz in Süditalien
Gott den Flüchtlingen näherbringen – dies ist das Ziel der Studenten des theologischen Seminars ISTL. Zur Recherche reisten Christoph Schum und Sandro Zanella nach Süditalien, um das Wirken eines einheimischen Pastors in einem Asylzentrum mitzuerleben. Hierbei machten die beiden Besucher aus der Schweiz bemerkenswerte Entdeckungen.

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Silvio Zanella und Christoph Schum

«Mit grosser Wahrscheinlichkeit kommen mehr Leute in den nächsten Monaten hierher», bilanziert Christoph Schum vom Leitungsteam des theologischen Seminar ISTL. Zumal anzunehmen ist, dass die Balkanroute nicht so rasch wieder offen ist. Etliche dürften danach weiter in Richtung Norden ziehen.

«Einer, den ich in Italien getroffen habe, erzählte, dass für ihn die Schweiz, Schweden oder Deutschland als erstes in Frage kämen.» Überrascht waren er und Sandro Zanella, weil viele an Gott glauben und eine Beziehung zu Jesus haben. Die beiden trafen sogar zwei Pastoren an.

«Aber die erschwerten Umstände nehmen ihnen allen Mut, zum Beispiel im Flüchtlingszentrum etwas ‚christliches‘ anzufangen, selbst ein Hauskreis oder eine Gebetsgruppe gründen sie nicht.» Christoph und Sandro überlegten, ob solche Menschen an solchen Anlaufstellen oder aber auch hier in der Schweiz mitwirken würden, wenn sie es nicht selbst gründen müssten, sondern dazu eingeladen würden.

«Für jeden etwas»

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Sandro trifft Flüchtlinge

In Italien wie in der Schweiz wird es nicht gern gesehen, wenn christliche Gemeinden Kontakt mit Asylanten Kontakt aufnehmen, hat Christoph Schum beobachtet. «In Süditalien sahen wir jedoch, wie Christen Hilfsgüter wie Kleider und Hygieneartikel sammelten und in Heimen damit halfen. Wir klopften bei mehreren Asylwohnungen mit einem einheimischen Gemeindeleiter an. Für jeden, der da war, hatte er Jeans und Hemden. Und dann gab er jedem noch eine Zahnbürste.»

Zum Abschluss erhielt jeder eine Bibel in seiner Muttersprache. «Hier wurde der Asylbetreuer kritisch. Dann sagte der Pastor: ‚Ich habe Kleider und eine Bibel, die man in jeder Buchhandlung kaufen kann.‘ Dieses Argument leuchtete ein. Und zum Schluss sagte er: ‚Wenn ihr etwas braucht, ruft mich an, wenn ich es organisieren kann, bringe ich es euch.‘ Es ist kein Wunder, dass dieser Mann jederzeit eine offene Türe hat.»

«Jesus im Asylzentrum?»

Christoph Schum äussert deshalb diesen Gedanken: «Kann es sein, dass sich der Staat aufregt, wenn wir evangelisieren wollen, es ihn aber nicht stört, wenn wir ganz praktisch helfen und im gleichen Atemzug die Bibel schenken, die zu unserer Kultur gehört? Was brauchen die Asylanten neben Kleidern und Hygieneartikeln? Sie sind offen für Sprachkurse. Sie kochen gerne in ihrem Heimatland. Man kann einen Kulturaustausch machen, einmal kochen sie für uns und einmal laden wir ein und kochen so, wie man es in der Schweiz tut. Beim Essen kann es ähnlich wie damals bei Jesus geschehen, dass man ganz natürlich über den Glauben spricht.»

Mit einem Augenzwinkern könnte man fragen: «Jesus liess die 99 zurück, um das Verlorene zu holen. Wäre er heute weniger in der Gemeinde und öfter bei den Asylanten? So war einst Matthäus zum Jünger geworden, als er ein rauschendes Fest schmiss. Jesus war dabei und rief ihn an diesem Ort zur Nachfolge.»

Die gehasste Volksgruppe

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Schlafstelle in Süditalien

«Kann es sein, dass Gott uns zumutet, dass wir diese Menschen mit dem Evangelium erreichen sollen? Ich jedenfalls möchte bereit sein und deshalb ging ich nach Süditalien, wo wir Menschen trafen, die viel mehr Erfahrungen haben, als wir in der Schweiz. Bei ISTL möchten wir, dass die künftigen Pastoren bereit sind und wissen, wie man mit Leuten aus anderen Kulturen arbeitet. Deshalb ist es ein Thema, das auch die Ausbildungsstätten beschäftigen muss.»

Im Lukas-Evangelium Kapitel 15 ist in den Versen 1 und 2 beschrieben, dass die Sünder und Zöllner eine gehasste Volksgruppe waren. «Heute werden Asylanten gehasst. Die Frage ist nicht, ob es ein juristisches Recht ist, dass sie hier sind, das ist eine politische Frage. Tatsache ist, dass sie hier sind und nicht besonders willkommen geheissen sind. Es geht ihnen ähnlich wie den Menschen, die Lukas beschrieben hat.»

«Jesus hatte ein Herz für sie», erklärt Christoph Schum. «Es war nicht ein politisches Herz, sondern ein menschliches Herz. Er hat eines für jene, die ihre Heimat verlassen. Sie verlassen ihr soziales Gefüge und ihre Freunde und sie sind plötzlich in einem Umfeld, wo sie nicht willkommen sind. Hier sind wir Christen gefordert!»

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