Journalist appelliert an die Studierenden

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01.03.2016

»Junge, lest die Bibel!«
Peter Rothenbühler, schon fast eine Ikone unter den Journalisten, beklagt ein freiwilliges Analphabetentum bei christlichen Werten. Er fordert die Denkenden unter der jungen Generation auf, an die Quelle zu gehen.
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Peter Rothenbühler

«Ich bin fast vom Stuhl gefallen», bekennt Peter Rothenbühler in seiner Kolumne in der «Nordwestschweiz» vom 29. Februar. Im Gespräch mit jungen Intellektuellen, die Literatur, Linguistik und Geschichte studiert hatten, stellte er fest, dass diese nie die Bibel gelesen hatten. Für ihn, den Alt-Achtundsechziger, sei doch klar gewesen, dass für die Auseinandersetzung mit der europäischen Welt «die Bibel eine eminent wichtige, unumgängliche Quelle ist …» – «auch wenn man nicht gläubig oder gar religiös verblendet ist», fügt er bei.

Freiwillige Analphabeten in christlichen Werten

Wenn es um christliche Werte geht, sind junge Leute zu freiwilligen Analphabeten geworden, bilanziert Rothenbühler. «Und sie führten für ihre Bibelabstinenz die Skandale in der katholischen Kirche und die Stereotype an, mit denen «Evangelikale» regelmässig in den Medien abgehandelt werden: gegen Homosexuelle, kein Sex vor der Ehe, gegen Abtreibung …».

Eine Generation auf dem Holzweg

Der ehemalige Chefredaktor von drei Schweizer Titeln stellt dazu fest, und besser könnte es kein christlicher Politiker sagen: «So weit musste es noch kommen, dass ich, der Atheist, der schon früh für die Trennung von Kirche und Staat war, diesen intelligenten Zeitgenossen erklären musste, dass sie auf dem Holzweg sind, dass die Bibel, ob man nun gläubig ist oder nicht, das Buch der Bücher ist und praktisch das gesamte Wertsystem der heutigen demokratischen Staats- und Rechtsordnung zurückgeht auf die 10 Gebote und auf die von Jesus Christus verkündigten revolutionären Prinzipien und Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Verzeihung und vor allem die Gleichwertigkeit der Menschen.»

«Lest einfach mal die Bibel, dann diskutieren wir weiter»

Rothenbühler will sich nun keineswegs als «Sonntagsschullehrer» verstanden wissen, meint aber leicht ironisch: «ein bisschen intelligente Sonntagsschule würde den heutigen jungen Menschen guttun. Sonst meinen sie noch, an Ostern sei ein Schoggihase auferstanden.» Er weist auch das Argument ab, man solle «aus gut gemeinter weltanschaulicher Neutralität» auf das Erzählen von biblischen Geschichten verzichten. Denn: «Die Lücke füllen andere.» Und er verweist auf die weiblichen Zeitgenossen, die billigen Ware made in China ablehnen, aber massenhaft Bücher mit östlichen Religionen und Philosophien verschlingen. Sein Ratschlag zum Schluss lautet daher: «Junge, lest einfach mal die Bibel! Aber bitte, mit Köpfchen. … Dann diskutieren wir wieder über Literatur.»

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