Ist der Glaube an Gott vernünftig?

oder:
Die Suche nach Sinn und Werten

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Wenn auch viele Menschen die Existenz eines Schöpfers, Gottes, nicht akzeptieren wollen, beschäftigen sich doch viele von ihnen intensiv mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Interessanterweise haben beide Themenkomplexe viel miteinander zu tun. Tatsächlich scheint es nicht möglich zu sein, den Sinn des Lebens zu finden und gleichzeitig die Existenz eines Schöpfers zu leugnen.

In ihrer 64-seitigen Abhandlung „Opium fürs Volk?“ wägen der Alttestamentarier David Gooding[1] und der Wissenschaftler John Lennox[2] grundlegende Argumente für und wider die Existenz eines Schöpfers gegeneinander ab. Dem Leser werden Überlegungen geboten, die ihn aufgrund verstandesmäßiger Logik zu erstaunlichen Ergebnissen hinführen können.

Willkürlich einfach für sich persönlich zu entscheiden, dass es einen Schöpfer gibt – oder auch nicht –, macht keinen Sinn. Nachstehend folgt ein Auszug aus dem Kapitel „Die Suche nach Sinn und Werten“[3]. Der Autor Lennox spielt durch, welche Folgen für den Menschen die Annahme einer materialistischen Erklärung für das Universum hat und stellt die gleiche Überlegung mit der Annahme einer nicht-materialistischen Erklärung an. Die Analyse der intellektuellen sowie der psychischen Beschaffenheit des Menschen führt immer wieder in eine bestimmte Richtung.

Wer das Kapitel oder das ganze Buch komplett lesen möchte, hat die Möglichkeit, es beim CLV-Verlag zu erwerben oder es vom Server des CLV-Verlages als PDF kostenlos herunterzuladen (PDF-Download: Opium fürs Volk?).

Buchauszug aus „Opium fürs Volk?“:

Die Suche nach Sinn und Werten
John Lennox

Während der letzten Jahre ist unsere Welt in einen großen Strudel von Veränderungen geworfen worden, der von größerer Schnelligkeit und Bedeutung ist als jemals zuvor. Traditionelle Ideologien und Wertesysteme sind bis in ihre Grundfesten erschüttert worden. Millionen von Men­schen sind nun orientierungslos und unsicher, besonders in Bezug auf die folgenden Fragen: »Was ist der Sinn des Lebens?« und »Was für einen Wert hat der Einzelne?«

Es ist ja nicht so, dass Familie und Freunde, Arbeit und Freizeit, Literatur, Kunst und Musik heutzutage keine Bedeutung mehr hätten. Aber darüber hinaus sucht der Mensch ununterbrochen nach einem noch tieferen und befriedigenderen Sinn des Lebens. Wie Herr Jerschow, Mitglied der Akademie sowie Rektor der Universität von Nowosibirsk, uns in Erinnerung gerufen hat, ist diese Frage so wichtig, dass man sie sich trotz – oder vielleicht gerade wegen – der heutigen Krisenzeit stellen muss. Wie können wir über die Zukunft der Menschheit nachdenken, ohne uns mit dem Wert zu beschäftigen, den der Einzelne hat? Professor Alexander King, der Gründer und langjährige Präsident des Club of Rome[4], stellte fest, dass wir dieser Frage bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Wie wir an diese Frage herangehen, hängt in gro­ßem Maße von unserer Weltanschauung ab, von unseren Überzeugungen und Annahmen über das Wesen von Realität und Wissen, über das Universum, den Menschen, das Leben, den Tod und die Geschichte. In gewissem Sinn gibt es so viele Weltanschauungen wie Menschen. Auf die grundlegenden Fragen gibt es aber trotzdem nur eine begrenzte Anzahl von Antworten. Um ein Beispiel zu nennen, welches sich direkt auf die gegenwärtige Diskussion auswirkt: Wir können entweder eine materialis­tische oder eine nicht-materialistische Erklärung für das Universum vertreten. Entweder gibt es einen Gott, der schon immer existierte und der das Universum um sich herum geschaffen hat, oder: »Es gibt nur dieses Universum, es gab nie mehr, und es wird auch nie mehr geben«, wie Carl Sagan[5] es ausdrückte. Das heißt, dass das Universum ein geschlossenes System ist, eine Einheit von Ursache und Wirkung.

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass die materialis­tische Erklärung einer der Hauptgründe ist, warum heut­zutage so viele Menschen den Verlust von Werten und Sinn in ihrem Leben verspüren. Dostojewski schrieb: »Wenn es keine Unsterblichkeit gibt, dann ist alles erlaubt.« Die­ser sehr aussagekräftige Gedanke wurde von Nietzsche neu formuliert: »Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.«

Nietzsche sagte voraus, dass die Menschen eines Tages die Auswirkungen ihres Atheismus erkennen würden. Als Folge würden sie das Zeitalter des Nihilismus einleiten ­die Zerstörung von Werten und vom Sinn im Leben. Die Literatur und die Wissenschaft bestätigen, dass die Vor­hersagen von Nietzsche eingetroffen sind. Der existenzialistische Autor Jean-Paul Sartre, der sehr stark von Dostojewskis Aussage beeinflusst wurde, schrieb: »Jedes existierende Wesen wurde ohne Bedeutung geboren, ver­längert sein Leben aus Schwachheit und stirbt durch Zufall.« Die Absurdität von all diesem machte ihn wütend. Aufseiten der Wissenschaftler machte Jacques Monod, Molekularbiologe und Nobelpreisträger, folgende Aussage: »Der Mensch weiß schließlich, dass er allein ist in dieser gefühlslosen Unermesslichkeit des Universums, in der er durch Zufall entstand. Weder sein Schicksal noch seine Pflichten sind irgendwo näher definiert.«

Die Vorhersage Nietzsches, dass die Abschaffung Got­tes als höchstem Wert unaufhaltsam zur Abschaffung des Menschen führt, bestätigt sich. »Nicht nur, dass Gott tot ist«, schreibt der Molekularbiologe und Nobelpreisträger Francis Crick, »der Mensch ist ebenfalls tot. Sein Ursprung ist unpersönlich, dann wurden noch Zeit und Zufall hin­zugefügt, die ebenfalls unpersönlich sind. Der Mensch ist tatsächlich tot.«

Ich denke jedoch, dass es unüberwindbare Schwierig­keiten in dieser atheistischen Interpretation gibt. Wie ich schon in einem anderen Buch argumentiert habe[6], halte ich es für unlogisch zu glauben, dass die Ehrfurcht gebietende Komplexität des Universums, sowohl auf der Makroebene als auch auf der Mikroebene, nur ein Ergebnis des Zufalls ist. Falls das so wäre, würden wir das nicht wissen, da in diesem Fall der menschliche Verstand keine Grundlagen hätte. Wenn die Gedanken in meinem Gehirn einfach nur das Ergebnis zielloser Bewegungen von Elementarteilchen sind, welchen Grund hätte ich, sie für wahr zu halten?

Doch die materialistische Erklärung für das Univer­sum zeigt ihren Bankrott nicht nur dadurch, dass sie keine Grundlagen für Rationalität anzubieten hat. Sie kann fer­ner kein ausreichendes Wertesystem aufweisen. Wenn das Universum ein geschlossenes System ist, das ohne füh­rende Intelligenz von außen nur aus dem Zusammenspiel von blinden Kräften entstand, dann gibt es sicherlich keine absoluten Werte. Erinnern wir uns an Nietzsche: »Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.« Wenn die Logik des Atheismus unausweichlich ist, so müssen wir lernen, damit zu leben, ohne uns darüber zu beschweren – auch wenn die Situation furchtbar ist, in die der Atheismus uns bringt. Das Problem ist, dass wir nicht so leben können. Sogar der eingefleischteste Atheist kann nicht so leben und widerspricht seiner Auffassung ständig durch sein Ver­halten. Es sei denn, er wäre ein Monster ohne jegliches menschliches Gefühl. Bertrand Russell[7] erkannte das ganz deutlich: »Sie können nicht so leben, als ob Werte eine Frage des persönlichen Geschmacks seien.« Und obwohl er nicht an absolute Werte glaubte, musste er zugeben, dass er seine eigenen Ansichten »unglaublich« fand. Die existenzialistischen[8] Autoren erkannten das ebenfalls. Camus sagte, dass man irgendwie einen Weg finden muss, der über den Nihilismus hinausgeht. Aber wie, wenn es keine absoluten Werte gibt? Sartre sagte: »Triff deine Wahl, und was immer du wählst, ist richtig!« Und Camus empfahl: »Akzeptiert das Absurde und lebt in Liebe zueinander.« Ich bin weit davon entfernt, diese Aussage zu kritisieren. Ich möchte nur aufzeigen, dass er keine Grund­lage für sie hatte. Was sollen wir nun über Hitler und Stalin sagen? Sie »wählten« – und Millionen Menschen starben. Zu behaupten, dass alles richtig ist, was man wählt, bedeutet, dass wir über das Andenken von Millionen von Menschen spotten und ihr Schicksal als Belanglosigkeit hinstellen.

Wenn die Vergangenheit so war, was ist dann mit der Zukunft? Die Wissenschaft stellt uns vor bedeutende Ent­scheidungen. Wir können nun z. B. beginnen, darüber nachzudenken, die Gentechnologie zu nutzen, um Men­schen, die noch nicht geboren sind, durch Gentechnologie zu programmieren und zu steuern. Werden wir also nur die Normalen »auswählen« und nur sie leben lassen? Wer wird »Normalität« definieren? Werden alle Generationen in der Zukunft dem Willen weniger führender Wissen­schaftler unterworfen sein? In seinem bedeutenden Buch »Die Abschaffung des Menschen« schreibt Professor C. S. Lewis[9]: »Die Macht des Menschen, aus sich zu machen, was ihm beliebt, bedeutet die Macht einiger weniger, aus anderen zu machen, was ihnen beliebt.« Lewis zieht dar­aus folgenden Schluss: »Und wenn diese Wissenschaftler erfolgreich wären, würde es sich bei dem Ergebnis über­haupt nicht um Menschen handeln, sondern um Kunst­erzeugnisse. Der letzte Sieg des Menschen wird sich als die Abschaffung des Menschen herausstellen.«

Die atheistische Weltanschauung versagt deshalb völ­lig, weil sie uns keine Grundlagen für den Glauben an eine Moral bietet. Im Gegensatz dazu ist die biblische Sicht ein­leuchtend, denn sie zeigt, dass der Wert des Menschen in der einzigartigen Würde des Menschen begründet ist, der im Bild Gottes geschaffen wurde. Wenn ich einen Com­puter besitze, der nicht so funktioniert, wie ich es mir wünsche, so habe ich das Recht, ihn mit einem Hammer zu zertrümmern. Warum sollte ich nicht das Gleiche mit meinem Ehepartner tun, wenn ich mich über ihn ärgere?

Ich sollte es deshalb nicht tun, weil die Bibel sagt, dass Männer und Frauen im Bild Gottes geschaffen sind. In gewissem Sinn sind sie Gottes Repräsentanten auf der Erde. Gegen sie zu sündigen, bedeutet, gegen Gott zu sündigen. Welch ein Blutvergießen und Leid wäre der Welt erspart geblieben, wenn man wenigstens diese eine biblische Wahrheit geglaubt hätte!


Fußnoten:

[1] David W. Gooding: Professor für alttestamentliches Griechisch an der Queen’s University Belfast

[2] John Carson Lennox: Professor für Mathematik der University of Oxford (Wikipedia)

[3] Die Fußnoten wurden zur Erläuterung hinzugefügt.

[4] Club of Rome: Ein Zusammenschluss von Experten verschiedenster Disziplinen aus mehr als 30 Ländern. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein, kämpft für nachhaltige Entwicklung und setzt sich für den Schutz von Ökosystemen ein (Wikipedia).

[5] Carl Edward Sagan: US-amerikanischer Astronom, Astrophysiker und Exobiologe (Wikipedia)

[6] »Die Naturwissenschaft und der Glaube an einen Schöpfer« in Wer glaubt muss denken, CLV, Bielefeld, 1998. Download-Link bei CLV: http://clv-server.de/pdf/255404.pdf (kostenlos)

[7] Bertrand Arthur William Russell: Britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker, gest. 1970 (Wikipedia)

[8] Existenzialismus: Hauptvertreter: Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus und Gabriel Marcel (https://de.wikipedia.org/wiki/Existentialismus).

[9] Clive Staples Lewis: Irischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Hatte u.a. den Lehrstuhl für Englische Literatur des Mittelalters und der Renaissance an der University of Cambridge inne (Wikipedia).

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