Die Präexistenz Jesu – Was sagt die Schrift?

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Frage: Viele Antitrinitarier (Christen, die die Trinität bzw. die Dreieinigkeitslehre als unbiblisch ablehnen) lehnen die Präexistenz Jesu ab. Sie erklären, Jesus hätte vor der Zeugung im Leib seiner Mutter Maria nicht im Himmel als Geistwesen bzw. als Sohn Gottes existiert[1]. Was sagt die Bibel dazu?

Antitrinitarier legen Wert darauf, dass es gemäß der Heiligen Schrift nur einen allmächtigen Gott gibt, der die Welt erschaffen hat. Jesus Christus ist nicht Teil dieses Gottes, sondern Gottes einziggezeugter (eingeborener) Sohn, der nicht seit Ewigkeit existiert, sondern einen Anfang hat. Der heilige Geist ist die Kraft oder Energie, die von Gott ausgeht. Manche vertreten auch die Ansicht, dass „Heiliger Geist“ eine andere Bezeichnung für Gott selbst ist, was ja angesichts der Aussage Jesu „Gott ist Geist“ (Johannes 4:24) inhaltlich auch korrekt ist. Keinesfalls jedoch ist der heilige Geist Teil einer gedachten Dreieinigkeit. Diese antitrinitarische Auffassung entspricht dem, was die Bibel lehrt. (Siehe auch den Artikel „Dreieinigkeit – sind Jesus und sein Vater eine Person?“ auf dieser Website: http://proskyneo.org/2014/08/dreieinigkeit-sind-jesus-und-sein-vater-eine-person/.)

Vermutlich lehnen Antitrinitarier die sogenannte Präexistenz Jesu ab, um auch nicht den Hauch einer gedachten Dreieinigkeit (hier eigentlich: Zweieinigkeit) gedanklich aufkommen zu lassen. Tatsächlich müssen Trinitarier ja von einer Präexistenz ausgehen, wenn Jesus vor seiner Geburt als Mensch Teil der dreieinigen Gottheit gewesen sein soll. Andererseits sollte man sich jedoch klar vor Augen führen, dass die Annahme der Präexistenz Jesus nicht die Akzeptanz der Trinität zur logischen oder zwingenden Folge hätte.

Was sagt die Bibel zu diesem Thema? Begann die Person Jesu Christi erst mit der Zeugung im Leib Marias durch heiligen Geist zu existieren (Lukas 1:35)? Oder hat er bereits vorher als von Gott gezeugter Geistsohn existiert (Philipper 2:5-8)? Um diese Fragen zu beantworten, ist es sinnvoll, zunächst das nachzulesen, was Gottes Wort zur Thematik sagt. Daher werden nachfolgend Bibelpassagen aufgelistet, die das Thema berühren. Die Auflistung bleibt zunächst unkommentiert; relevante Wörter und Wortgruppen werden durch farbliche Unterlegung hervorgehoben. Im Anschluss an das Verzeichnis werden einige Fragen aufgeworfen, die den an der Wahrheit Interessierten zum Nachdenken anregen sollen.

Schriftstellenverzeichnis [2]

Johannes 1:1-4
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Johannes 1:10
Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht.

Johannes 1:11
Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an;

Johannes 1:14, 15
Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir geworden, denn er war eher als ich.

Johannes 1:29, 30
Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir ist, denn er war eher als ich.

Johannes 3:13
Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen.

Johannes 3:17
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Johannes 3:31, 32
Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde her. Der vom Himmel kommt, ist über allen; was er gesehen und gehört hat, das bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an.

Johannes 6:32-35
Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit dieses Brot! Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.

Johannes 6:38, 39
denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag.

Johannes 6:48-51
Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben. Dies aber ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Johannes 8:14
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.

Johannes 8:23
Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von dem, was unten ist, ich bin von dem, was oben ist; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt

Johannes 8:42
Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn ich bin auch nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt.

Johannes 8:58

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich.

Johannes 13:3
… Jesus – im Bewusstsein, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe

Johannes 16:28
Ich bin von dem Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wieder verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.

Johannes 16:30
jetzt wissen wir, dass du alles weißt und nicht nötig hast, dass dich jemand fragt; hierdurch glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.

Johannes 17:5
Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war!

Johannes 17:8
denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und haben geglaubt, dass du mich gesandt hast.

Johannes 17:24
Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.

1. Korinther 8:6
so ist doch für uns ein Gott, der Vater, von dem alle Dinge sind und wir auf ihn hin, und ein Herr, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.

Philipper 2:5-8
Habt diese Gesinnung in3 euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.

Kolosser 1:15-17
Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen; und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn.

1. Timotheus 3:16
Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Der offenbart worden ist im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.

Hebräer 1:1-6
Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat; er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt, hat sich, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; und er ist um so viel erhabener geworden als die Engel, wie er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat. Denn zu welchem der Engel hat er jemals gesagt: „Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt“?, und wiederum: „Ich werde ihm Vater und er wird mir Sohn sein“? Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in den Erdkreis einführt, spricht er: „Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten[3]!“

Hebräer 1:10
Und: „Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände;

Hebräer 2:7-9
Du hast ihn ein wenig unter die Engel erniedrigt; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt; du hast alles unter seine Füße gelegt.“ Denn indem er ihm alles unterwarf, ließ er nichts übrig, das ihm nicht unterworfen wäre; jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen. Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte.

Hebräer 2:14-18
Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil gehabt, um durch den Tod den zunichte zu machen, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und um alle die zu befreien, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren. Denn er nimmt sich doch wohl nicht der Engel an, sondern der Nachkommenschaft Abrahams nimmt er sich an. Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.

1. Johannes 4:9
Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten.

Offenbarung 3:14
Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt, der „Amen“ heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:

Micha 5:1 (2)
Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.

Was ergibt sich daraus?

Dem unbedarften Leser fällt es nach der Lektüre dieser Bibeltexte wahrscheinlich nicht schwer, davon auszugehen, dass Jesus bereits vor seinem Leben auf der Erde im himmlischen Bereich in der Gegenwart seines Vaters, Gottes, existierte. Weshalb wird dies von den genannten Antitrinitariern jedoch in Abrede gestellt?

Sie erklären, dass die Ausführungen über das „Wort“ (griechisch: lógos) in Johannes Kapitel 1 besagen, dass Gott, der Allmächtige, bereits seit dem Sündenfall in Eden die Idee, den Gedanken hatte, die Menschheit von der Sünde und vom Tod zu erlösen. Von der Sache her ist dem unter Berücksichtigung der Edenverheißung in 1. Mose 3:15 zuzustimmen. Ist es jedoch sinnvoll (und zwingend), davon auszugehen, dass das Wort (lógos), das in Johannes 1 beschrieben wird, lediglich diese ursprüngliche Idee, den Gedanken Gottes beschreibt oder darstellt? War es nur eine Idee Gottes, die in dem Menschen Jesu „Fleisch“ wurde? Oder wurde die Person, der geistige Sohn Gottes, der bereits vor seiner irdischen Geburt existierte, „Fleisch“?

Die erwähnten Antitrinitarier verwenden den Ausdruck „ideelle Präexistenz“ Jesu, um den von Anfang an von Gott gefassten Vorsatz zur Errettung des Menschengeschlechts zu beschreiben. Die von ihnen abgelehnte Auffassung, dass Jesus bereits vor seiner Menschwerdung als Geistwesen existierte, bezeichnen sie als „reale Präexistenz“. Intellektuell lässt sich diese Überlegung und Unterscheidung nachvollziehen. Entspricht sie jedoch dem, was Gottes Wort lehrt? Entspricht sie den Lehren Jesu Christi selbst?

Nur eine Zeugung möglich?

Ferner wird von einigen das Argument vorgebracht, Jesus kann nur einmal von seinem Vater gezeugt worden sein. Da eine Zeugung gemäß den Evangelien eindeutig im Leib Marias stattgefunden hat, könne es logischerweise keine Zeugung davor gegeben haben, nämlich im Himmel als geistiger Sohn Gottes. Diese Überlegung ist jedoch nicht zwingend. Die Geburt jedes Menschen ist von seinen Eltern durch Zeugung verursacht worden. Das schließt jedoch nicht aus, dass dieser Mensch ein weiteres Mal durch heiligen Geist gezeugt und aus Geist „von neuem geboren“ wird (Johannes 3:3-8). Was die Bibel lehrt, schließt eine frühere Zeugung Jesu als geistiger Sohn Gottes somit nicht aus.

Die klaren Aussagen in Gottes Wort respektieren

Die Bemühung, in den betreffenden Bibeltexten eine „ideelle“ Präexistenz Jesu zu erkennen, sind vergleichbarer Natur wie die Vorgehensweise vieler Trinitarier: Sie räumen ein, dass die Bibel zwar nichts ausdrücklich über eine Dreieinigkeit (Trinität) sagt, interpretieren einzelne Bibelaussagen jedoch entsprechend ihrer Vorstellung.

Es ist nützlich einmal folgende Überlegung anzustellen: Was glaubten die ersten Christen, wenn sie die von den Aposteln und anderen niedergeschriebenen Berichte (Evangelien, Apostelgeschichte) und Briefe, die zusammen mit der Offenbarung das Neue Testament bilden, gelesen haben? Ist davon auszugehen, dass sie die Aussagen der in obiger Auflistung aufgeführten Passagen des Neuen Testaments nicht so verstanden haben wie sie formuliert sind? Der größte Teil der ersten Christen bestand aus einfachen, ungebildeten Menschen (vergleiche Matthäus 11:25, 26; Apostelgeschichte 4:13; 1. Korinther 1:26-31). Nachdem von keinem Schreiber des Neuen Testaments ausdrücklich festgestellt wird, dass die in Frage stehenden Aussagen eine „ideelle“ Präexistenz beschreiben, weshalb sollten die ersten Christen auf diesen Gedanken gekommen sein? Wie hätten sie das biblisch begründen wollen? Hier besteht offenkundig die Gefahr der willkürlichen Interpretation oder Bibelauslegung.

Um die Gefahr, die sich daraus ergibt, zu verdeutlichen: Wer sich die Freiheit herausnimmt, diese Aussagen des Neuen Testaments zu einer „ideellen“ Aussage (Präexistenz) umzuinterpretieren, könnte das genauso gut mit anderen christlichen Lehren tun. Was wäre, wenn die Auferstehung Jesu Christi nicht mehr buchstäblich aufgefasst würde, sondern „ideell“? Das könnte bedeuten, dass er nicht persönlich zu himmlischen Leben auferweckt wurde. Statt dessen könnte es eine „ideelle“ Auferstehung gewesen sein: Seine Lehren, seine Vermittlung einer neuen Lebensweise, der von ihm beschriebene Weg, wie Menschen in ein Kindschaftsverhältnis zu ihrem himmlischen Vater kommen können – das wäre dann das, was durch die Auferstehung „ideell“ versinnbildlicht wurde. „Auferstanden aus Ruinen …“. Aber das geht nicht; die ganze christliche Lehre (das Evangelium) würde auf den Kopf gestellt, ja inhaltslos gemacht werden.

„Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt; wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube. Wir werden aber auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt haben, dass er Christus auferweckt habe, den er nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt. Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden. Also sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verloren gegangen. Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen“ –

so die schonungslose Argumentation des Apostels Paulus gemäß 1. Korinther 15:13-19.

Was „als Evangelium verkündigt“ wurde

Sicher will ein Christ unter keinen Umständen in den Verdacht geraten, den Fehler zu begehen, auf den der Apostel in Galater 1:6-10 abzielt. (Damit soll nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass Verteidiger der „ideellen“ Präexistenz unter dieses Urteil fallen. Aber es soll unterstrichen werden, wie verhängnisvoll es wäre, wenn das „Evangelium des Christus“ leichtfertig verändert werden würde.)

„Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, wo es doch kein anderes gibt; einige verwirren euch nur und wollen das Evangelium des Christus umkehren. Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht! Wie wir früher gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht! Denn rede ich jetzt Menschen zuliebe oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht.“

Was war das Evangelium, das der Apostel Paulus „als Evangelium verkündigt“ hatte? Wollte er tatsächlich den Gedanken einer „ideellen“ Präexistenz Jesu verbreiten?

Christen müssen bedenken, dass es grundlegende Auswirkungen hätte, würde man Aussagen der Bibel willkürlich verändern. Respekt vor Gottes Wort sollte uns veranlassen, das zu beherzigen, was in Hebräer 4:12, 13 steht:

„Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.“

Lassen wir also das Wort Gottes sprechen und wirksam sein. Hüten wir uns davor, die Worte Gottes oder seines Sohnes zu modifizieren: „Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen? … ihr habt so das Wort Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. … Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren“ mahnte der Herr Jesus (Matthäus 15:3-9). Nehmen wir uns deshalb vor, bei der Interpretation von Bibelaussagen sehr vorsichtig und gewissenhaft zu sein.

 


Fußnoten:

[1] Ein Beispiel für Vertreter dieser Auffassung sind die Christadelphians, im deutschen Sprachraum früher als Urchristengemeinde bekannt. Vergleiche http://de.wikipedia.org/wiki/Christadelphian.

[2] Alle Bibeltexte in diesem Artikel sind der Revidierten Elberfelder Bibel 1985/1991/2008 entnommen.

[3] Griechisch: proskyneo. Siehe http://proskyneo.org/zweck-der-website/

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2 Gedanken zu „Die Präexistenz Jesu – Was sagt die Schrift?“

  1. Am Anfang war des Wort,……..(Michael/Jesus)
    Die erste Schöpfung war also Jesus, aber er hieß im Himmel nicht Jesus, denn den Namen sollte Maria ihrem Sohn geben.
    Wie hieß das „Wort“ Judas 9; Offenb.12:7; Dan.12:1; Michael!!!

    Aber warum WORT?

    Das Wort Gottes. „Das Wort Jehovas“ ist ein Ausdruck, der mit geringfügigen Abwandlungen Hunderte von Malen in der Bibel vorkommt.

    Durch „das Wort Jehovas“ wurden die Himmel geschaffen. Gott äußerte das Wort, und es wurde ausgeführt. „Gott sprach dann: ‚Es werde Licht.‘ Da wurde es Licht“ (Ps 33:6; 1Mo 1:3). Daraus sollte man nicht schlußfolgern, daß Jehova selbst keine Arbeit verrichtet (Joh 5:17).
    Allerdings hat er Myriaden von Engeln, die auf sein Wort hören und seinen Willen ausführen (Ps 103:20).

    ALSO „Michael“ ist die erste Schöpfung (Wort) und durch ihn, dem „Werkmeister“ sind alle weiteren Dinge geschaffen worden
    (Sprüche 8:30) da wurde ich neben ihm zum Werkmeister, und ich wurde der, den er Tag für Tag besonders liebhatte, während ich allezeit vor ihm fröhlich war,

    1. Liebe Barbara,

      nun meine Antwort auf Deinen 2. Kommentar. Sie fällt sehr kurz aus. Warum? Die Frage der Präexistenz ist in dem Artikel, zu dem Du Deinen Kommentar geschrieben hast, mit Hinweisen auf die Aussagen der Bibel abgehandelt worden. Ich denke, insoweit decken sich unsere Ansichten. Im Mittelpunkt Deines Kommentart steht die Thematik „Jesus = erste Schöpfung = Michael“. Da diese Thematik im Rahmen der Artikelserie „Der Weg. Die Wahrheit. Das Leben – Wer ist Jesus wirklich?“ erörtert werden wird, will ich mich hier nicht dazu auslassen. Wir können den Meinungsaustausch insofern gern wieder aufnehmen, sobald der betreffende Artikel veröffentlicht wurde.

      Liebe Grüße
      Volker

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