Wohin soll das führen?

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Wer Gottes Wort ernst nimmt und sich entschlossen hat, wie die Juden in Beröa vorzugehen, gelangt unweigerlich an einen Punkt, an dem er eine grundlegende Entscheidung für sich selbst treffen muss. Über die Beröer heißt es in Apostelgeschichte 17:11:

„Die Juden in Beröa aber waren unvoreingenommener als die in Thessalonich. Sie nahmen die Botschaft bereitwillig auf und studierten täglich die Heiligen Schriften, um zu sehen, ob das, was Paulus lehrte, wirklich zutraf(NeÜ [1]).

Wer das liest, ist zunächst beeindruckt von der Offenheit, von der Unvoreingenommenheit dieser Menschen. Weil ihre Einstellung auf Bibelleser so wirkt, haben viele christliche Gemeinschaften den Namen dieser frühchristlichen Gemeinde in Bezeichnungen aufgenommen, die mit intensivem Bibelstudium zusammenhängen: „Theologisches Seminar Beröa“, „Beröa-Bibel-Lexikon“, „Bibelschule Beröa“.

Tatsächlich ist das nicht die einzige Aussage der Bibel, die zu intensivem Bibelstudium und zum Erforschen der göttlichen Wahrheit ermuntert. Man betrachte nur die folgenden:

„Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8:31, 32) [2].

„Tu dein Äußerstes, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als ein Arbeiter, der sich wegen nichts zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht handhabt“ (2. Timotheus 2:15).

Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in [der] Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk“ (2. Timotheus 3:16, 17).

Verkündige den Menschen Gottes Wort. Setze dich dafür ein, und zwar überall und zu jeder Zeit! Rede ihnen ins Gewissen, weise sie zurecht und ermutige sie, wo es nötig ist. Lehre sie geduldig, den richtigen Weg zu gehen“ (2. Timotheus 4:2; Hfa [3]).

„Es muss ein Mann sein, der sich an das zuverlässige Wort Gottes hält, wie es gelehrt worden ist. Dann wird er in der Lage sein, die Gläubigen mit der gesunden Lehre zu ermahnen und die Gegner zu widerlegen“ (Titus 1:9; NeÜ).

Die wohl schwerwiegendste unter den zitierten Aussagen ist die unseres Herrn Jesus Christus selbst: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger“. Jeder aufrichtige Christ hat den Wunsch „wirklich“ sein Jünger zu sein. Und dafür ist es nun einmal notwendig, in seinem „Wort“ zu bleiben. Das heißt, es ist unumgänglich, sich mit den Worten des Herrn Jesus auseinanderzusetzen, wie sie in den Evangelien niedergeschrieben sind. Ein äußerst erfreuliches Ergebnis davon ist, dass jemand, der das tut, „die Wahrheit erkennen [wird], und die Wahrheit wird … [ihn] frei machen“. Wie motivierend und inspirierend!

Entscheidungen treffen

So positiv und edel das klingt – für jemanden, der mit einer definierten christlichen Gemeinschaft verbunden ist, zieht das in der Regel sehr schwerwiegende Entscheidungen (auch Gewissensentscheidungen) nach sich. Zum einen muss er lernen, bereit zu sein, persönliche Eigenheiten, Schwächen und vielleicht Vorlieben zu Gunsten des Christus aufzugeben. Hat er diesen wichtigen Entschluss allerdings gefasst, wird ihm die großartige Hilfe und Unterstützung durch den Geist Gottes zugesichert [4]. Andererseits wird er durch sein Bibelstudium möglicherweise zu Erkenntnissen gelangen, die einzelnen Vorgaben der Gemeinde, mit der er verbunden ist, nicht entsprechen. Was dann?

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass er sich bei seinem Bibelstudium nicht von persönlichen Vorstellungen oder Vorlieben leiten lässt. Es mag sein, dass ihm einzelne Regelungen seiner Gemeinschaft nicht so recht behagen. Aus dieser Motivation heraus Gottes Wort zu durchsuchen und herausfinden zu wollen, was die persönlichen Vorstellungen stützt, den „Vorgaben“ seiner Gemeinschaft dagegen widerspricht, kann nicht als rechtschaffen bezeichnet werden. Wer „wirklich“ Jesu Jünger sein möchte, zäumt das Pferd nicht von hinten auf. Sein Ziel wird sein, herauszufinden, was Jesus wirklich lehrte, was Gottes Wort tatsächlich aussagt, und wird sich dann diesen Erkenntnissen anpassen und nicht umgekehrt.

Trotzdem kann es vorkommen, dass Erkenntnisse zu Tage treten, die nicht den Vorgaben der Gemeinde entsprechen. Und dann?

Wie es dann weitergeht, wird vor allem davon abhängen, wie die Gemeinde mit solchen „Individualisten“ umgeht. Hat die Gemeinde die nötige Achtung vor Gottes Wort, wird sie sich an der Aussage des Apostels Paulus in 2. Korinther 1:24 orientieren:

„Nicht dass wir Herren sein wollten über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude; denn ihr steht fest im Glauben“ (Sch2000 [5]).

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass jeder glauben kann, was er will. Die Lehre der Bibel, die Lehre Jesu Christi, ist der Maßstab. Soweit es sich allerdings nicht um klare, eindeutige Aussagen der Heiligen Schrift handelt, sondern um Passagen, die interpretiert (ausgelegt) werden müssen, ist es gemäß Paulus‘ Aussage nicht angemessen, einem Mitchristen seinen Glauben aufzudrängen. Schließlich wird sich jeder für sich selbst vor Gott und Christus verantworten müssen:

„Warum verurteilst du dann deinen Bruder? Und du, warum verachtest du ihn? Wir werden doch alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. Denn es heißt in der Schrift: „So wahr ich lebe, sagt der Herr: Alle Knie werden sich vor mir beugen, und jede Zunge wird Gott anerkennen und preisen.“ Also wird jeder von uns für sich selbst vor Gott Rechenschaft abzulegen haben.“ (Römer 14:10-12; NeÜ).

„Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar gemacht werden, damit jeder das ihm Zuerkannte für die Dinge empfange, die er durch den Leib getan hat, gemäß dem, was er zu tun pflegte, ob Gutes oder Böses“ (2. Korinther 5:10).

Verantwortung übernehmen

Diese Verantwortung kann einem kein Mensch, keine Gemeinde, keine sonstige Institution abnehmen. Das Argument „Aber ich habe doch nur getan/geglaubt, was mir vorgegeben wurde“ wird vor dem Richterstuhl Gottes und Christi kein Gewicht haben. Der Respekt vor unserem himmlischen Vater und seinem Sohn, dem Haupt der Christenversammlung, gebietet uns, den gleichen Standpunkt einzunehmen wie die Apostel, von denen die seinerzeitige jüdische Geistlichkeit verlangte: „Wir haben euch ausdrücklich befohlen, nicht mehr weiter aufgrund dieses Namens [d.h. des Namens Jesu] zu lehren“. Was erwiderten sie? „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:27-32).

Es mag sein, dass Einzelpersonen oder eine Gruppe von Vertretern einer Glaubensgemeinde den Standpunkt vertreten, mit einer von Gott verliehenen Autorität zu lehren und für die geistige Gesundheit der Gläubigen verantwortlich zu sein. Das ändert jedoch nichts an der allgemeinen Gültigkeit der oben stehenden Aussagen des Apostels Paulus im Römer- sowie im 2. Korintherbrief. Nicht über Nachfolger des Herrn Jesus, sondern über den Herrn Jesus selbst, sagte der Apostel Petrus zu seinem Herrn:

„Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens“ (Johannes 6:68).

Eine weitverbreitete religiöse Zeitschrift hat die Notwendigkeit dieser christlichen Haltung einmal folgendermaßen beschrieben:

„Älteste müssen denen, die in ihrer Obhut sind, das Recht zugestehen, ihre Vernunft zu gebrauchen. Die Glieder einer Versammlung sind nicht Sklaven von Menschen. „Wenn ich noch Menschen gefiele, wäre ich nicht Christi Sklave“, schrieb Paulus (Galater 1:10; Kolosser 3:23, 24). Die Pharisäer hingegen wollten andere glauben machen, es sei wichtiger, die Anerkennung von Menschen zu erlangen als diejenige Gottes (Matthäus 23:2-7; Johannes 12:42, 43). Sie spielten sich als moralische Diktatoren auf, die ihre eigenen Regeln aufstellten und andere dann danach beurteilten, inwieweit sie ihre Ansprüche erfüllten. Wer den Pharisäern nachfolgte, wurde im Gebrauch seines biblisch geschulten Gewissens geschwächt und machte sich praktisch zum Sklaven von Menschen.

Christliche Älteste heute wissen, dass die Herde nicht in erster Linie ihnen Rechenschaft schuldig ist. Jeder Christ muss seine eigene Last tragen (Römer 14:4; 2. Korinther 1:24; Galater 6:5). Genau so sollte es auch sein. Denn was würden die, die zur Herde gehören — angenommen, sie wären Sklaven von Menschen und würden nur gehorchen, weil sie kontrolliert würden —, wohl tun, wenn jene Männer nicht da wären? Paulus konnte sich, wie er sagte, über die Philipper freuen: „Fahrt fort, in der Weise, wie ihr allezeit gehorcht habt, nicht nur während meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel bereitwilliger während meiner Abwesenheit, mit Furcht und Zittern eure eigene Rettung zu bewirken.“ Sie waren wirklich Sklaven Christi, nicht Sklaven des Paulus (Philipper 2:12).

In Gewissensfragen treffen Älteste daher keine Entscheidungen für diejenigen, die in ihrer Obhut sind. Sie erklären die biblischen Grundsätze, die bei einer Angelegenheit eine Rolle spielen, und lassen dann die Betreffenden ihre eigene Vernunft gebrauchen, um eine Entscheidung zu treffen. Das ist eine ernste Verantwortung, die aber der Betreffende selbst tragen muss.“ [6]

Etwa 15 Jahre später wurde dieser christliche Standpunkt bestätigt:

„Lasst euch nicht ‚Führer‘ nennen, denn e i n e r ist euer Führer, der Christus“ (Mat. 23:10).

Die Kirchen der Christenheit haben Menschen als Führer, wie etwa den Papst oder die Patriarchen und Metropoliten der orthodoxen Kirche. … [Anbeter Gottes] dagegen sind keine Jünger oder Nachfolger eines Menschen, den sie als ihren Führer anerkennen würden. Das passt zu dem, was Jehova über seinen Sohn voraussagen ließ: „Siehe! Als Zeugen für die Völkerschaften habe ich ihn gegeben, als Führer und Gebieter für die Völkerschaften“ (Jes. 55:4). … [Christen möchten] niemand anders zum Führer haben als den, den Jehova ihnen gegeben hat (Joh. 10:16). Sie stehen voll und ganz hinter der Aussage Jesu: „E i n e r ist euer Führer, der Christus“ (Mat. 23:10).“ [7]

Sollte es also je Widersprüche geben zwischen dem, was christliche Lehrer sagen und dem, was die Schrift sagt, so hat unter allen Umständen die Heilige Schrift den Anspruch auf Wahrheit und nicht Menschen. Wenn wir uns nicht an diese Regel halten, machen wir den gleichen Fehler wie die Menschen, denen Jesus vorhielt:

„Geschickt setzt ihr das Gebot Gottes beiseite, um an eurer Überlieferung festzuhalten. …und so macht ihr das Wort Gottes durch eure Überlieferung ungültig, die ihr übermittelt habt. Und vieles, was diesem ähnlich ist, tut ihr“ (Markus 7:9, 13).

Wenn es zu vergleichbaren Situationen kommt, sollten wir uns an unsere christliche Verantwortung erinnern, die Wahrheit zu respektieren [8] und diejenigen, die es nicht tun, auf die Gefahr hinzuweisen, in die sie sich begeben.

Mutig für Gottes Wort eintreten

Die bereits erwähnte Zeitschrift schreibt immer wieder lobend Artikel über Personen, die großen Mut darin bewiesen, sich auch im Widerspruch zu religiösen Autoritäten ausschließlich nach Gottes Wort auszurichten. Nachfolgend drei Beispiele:

Jan Hus:

„Hus stieß jedoch auf den Widerstand des Erzbischofs Sbynjek von Prag, der an seinen Predigten Anstoß nahm und im Jahre 1410 viele Schriften Wyclifs öffentlich verbrannte. Danach verbot Sbynjek jegliches Predigen, außer in anerkannten Kirchen. So war die Bethlehemskapelle, der Hus vorstand, ausgeschlossen. Hus weigerte sich, dem Verbot des Erzbischofs zu gehorchen, indem er sagte, dass er „in Dingen, die zur Rettung notwendig sind, Gott mehr gehorchen muss als Menschen“. Er legte beim Papst Berufung ein, woraufhin der Erzbischof ihn exkommunizierte. Aber Hus geriet nicht ins Wanken, da er feststellte, dass durch sein vermehrtes Verständnis sein Gewissen geschult und für die Lehren der Bibel empfänglicher gemacht worden war. Er sagte unmissverständlich: „Wenn der Mensch auch lügen mag, Gott lügt nicht“ — in Anlehnung an die Worte des Apostels Paulus an die Römer (Römer 3:4).

… Wieder stützte sich Hus auf Gottes Wort als Autorität: „Jeder treue Christ sollte so gesinnt sein, daß er für nichts eintritt, was der Heiligen Schrift entgegensteht.“

… Als das Konzil Hus zum Widerruf seiner Ideen und Lehren aufforderte, erwiderte er, er würde das bereitwillig tun, wenn er anhand der Schrift des Irrtums überführt würde — in Übereinstimmung mit 2. Timotheus 3:14-16. Er war der Meinung, sein Gewissen wäre für immer belastet, wenn er sich zu einem in zweideutige Formulierungen gehüllten Widerruf bewegen ließe. Er erklärte: „Es ist immer mein Wunsch gewesen, anhand der Schrift eines Besseren belehrt zu werden, und dann wäre ich auch auf jeden Fall bereit zu widerrufen.“ Trotz seiner Aufforderung, das geringste Mitglied des Konzils möge ihm seinen Irrtum direkt anhand des Wortes Gottes zeigen, wurde er als halsstarriger Häretiker verurteilt und ins Gefängnis zurückgeschickt, ohne daß irgend etwas aus der Bibel erörtert wurde.

Am 6. Juli 1415 wurde Hus formell im Konstanzer Münster verurteilt. Man gestattete ihm nicht, auf die vorgelesenen Anklagen etwas zu erwidern. Dann wurde er offiziell der Priesterwürde entkleidet. Währenddessen verbrannte man vor dem Münster seine Schriften. Anschließend wurde er vor der Stadt auf dem Scheiterhaufen verbrannt. …

Was Hus erreichte

In der damaligen Zeit war Hus einer der ersten, die sich der Autorität des Papstes und des Konzils zu widersetzen wagten und sich auf die Schrift als höchste Autorität beriefen. Dadurch setzte er die Bewegung für die Menschenrechte, die Freiheit des Gewissens und der Rede, in Gang.

Mehr als hundert Jahre später wurde Martin Luther in Deutschland beschuldigt, die Irrlehren von Wyclif und Hus wiederbeleben zu wollen. Luther hatte dieselbe Grundansicht wie Hus, denn er sagte: „Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde — denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es am Tage ist, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes.“ Vielleicht war das auch der Grund, warum er sagte: „Wir sind alle Hussiten, ohne es zu wissen.“

Hus, Wyclif und Luther haben wirklich viele Lehren der ersten Christen wiederbelebt. Natürlich gingen sie diesen Weg nicht ganz bis ans Ende, da es in jenen Tagen nicht leicht war, die Finsternis der Jahrhunderte zu vertreiben. Doch sie alle stimmten in einem wichtigen Punkt überein: An erster Stelle steht Gottes Wort, unabhängig von den Meinungen der Menschen. Denselben erleuchteten Standpunkt hatten die ersten Christen, weil sie von dem Meister selbst, von Jesus Christus, belehrt worden waren (Johannes 17:17; 18:37).“

Zusammenfassend wird heutigen Christen nahegelegt:

„Den gleichen Standpunkt müssen Christen von heute einnehmen. Wir haben viele Vorteile gegenüber den Menschen früherer Jahrhunderte. Erstens ist die Bibel in den meisten Sprachen frei verfügbar. Zweitens leitet der heilige Geist jetzt, in den letzten Tagen, die Günstiggesinnten zu einem besseren Verständnis der Bibel an. Hast du dieses Verständnis akzeptiert? Wenn ja, dann wirst du nicht zögern, den Grundsatz aufzugreifen, den Jan Hus so beharrlich vertrat. Heute leben mehr Menschen als je zuvor in der Geschichte nach den Worten der Apostel: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29).“ [9] 

Diese zusammenfassenden Gedanken und Appelle sind sehr zutreffend. Jedem, der sich auch gegenüber einer ihm ans Herz gewachsenen Gemeinschaft so integer verhält, darf mit der Unterstützung des Geistes Gottes rechnen. Solange er auf Gott vertraut, kann er sich dieser Hilfe sicher sein.

Thomas Emlyn:

„Viele wären heute nicht bereit, für die Lehren der Bibel einzutreten. Doch Emlyn tat es. Er stellte einmal die Frage: „Wenn sich ein Mensch nicht zu den wichtigsten Wahrheiten bekennen darf, die er klar und deutlich in der Heiligen Schrift erkennt, wozu sollte er sie dann lesen und erforschen?“ Für ihn stand fest: Was Wahrheit ist, soll Wahrheit bleiben. Wenn man liest, was Emlyn und andere erlebt haben, könnte man sich fragen: Würde ich für die biblische Wahrheit einstehen, auch wenn ich dafür verachtet werde? Was ist mir wichtiger: bei anderen gut dazustehen oder die Wahrheit aus Gottes Wort hochzuhalten?“ [10] 

Auch in diesen abschließenden Worten des Artikels wird dem Christen nahegelegt, den Mut Emlyns nachzuahmen, der dem der Apostel ähnelte (Apostelgeschichte 5:27-32).

William Whiston:

„1710 wurde Whiston von Cambridge verwiesen. „Aus dem angesehenen Akademiker wurde ein Ausgestoßener“, weil er für seine Überzeugung einstand. Selbst das schüchterte ihn nicht ein. … Später gründete er die Gesellschaft zur Förderung des Urchristentums, die sich in seiner Londoner Wohnung traf.

Obwohl er seinen Lehrstuhl verloren und vorübergehend finanzielle Probleme hatte, schrieb Whiston weiter und hielt Vorlesungen in Londoner Kaffeehäusern. …

Aufgrund seines unpopulären, aber mutigen Standpunkts wird Whiston heute von vielen als „Exzentriker“ angesehen, schreibt der Autor James E. Force. Andere jedoch bewundern ihn als Bibelgelehrten, aufrichtigen Erforscher religiöser Wahrheit und als jemand, der für seine Überzeugung einstand.“ [11]

Ohne dass es ausdrücklich gesagt wird, wird Whiston als ein nachahmenswertes Beispiel beschrieben, weil er bereit war, für das einzustehen, was er als Wahrheit erkannte, und dafür auch Nachteile in Kauf zu nehmen.

Die Art und Weise, wie die erwähnten drei Männer und andere Menschen beschrieben werden, legt dem Leser nahe, ihre feste Überzeugung nachzuahmen. Die Frage ist allerdings, ob der Einzelne es bei der Bewunderung solcher Menschen belässt oder ob er es wirklich auf sich nehmen wird, die daraus resultierenden Nachteile in Kauf zu nehmen.

Wie sollte ich entscheiden?

Das ist eine grundlegende Überlegung. Hier geht es nicht nur um die Frage, welche Art von Glaubenslehren einem persönlich behagen und mit denen es sich relativ gut leben lässt. Für einen Christen geht es vielmehr um die Frage, ob er bereit ist, sich so zu verhalten wie es der Lehre des Begründers des Christentums – Jesus Christus – entspricht. Ein auf Kompromissen beruhender Glaube würde dem nicht genügen. Jesus selbst sagte:

„Jeder nun, der vor den Menschen bekennt, mit mir in Gemeinschaft zu sein, mit dem in Gemeinschaft zu sein, will auch ich vor meinem Vater, der in den Himmeln ist, bekennen; wer immer mich aber vor den Menschen verleugnet, den will auch ich vor meinem Vater verleugnen, der in den Himmeln ist. Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern ein Schwert. Denn ich bin gekommen, um zu entzweien: einen Menschen mit seinem Vater und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine junge Ehefrau mit ihrer Schwiegermutter. In der Tat, eines Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer zum Vater oder zur Mutter größere Zuneigung hat als zu mir, ist meiner nicht würdig; und wer zum Sohn oder zur Tochter größere Zuneigung hat als zu mir, ist meiner nicht würdig. Und wer seinen Marterpfahl nicht annimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer seine Seele findet, wird sie verlieren, und wer seine Seele verliert um meinetwillen, wird sie finden“ (Matthäus 10:32-39).

 Wie Jesus zeigte, kann das Bekenntnis zu ihm und die Nachfolge zur Folge haben, dass Freunde und sogar Familienangehörige und Verwandte sich – möglicherweise vorübergehend – von einem abwenden. Unter anderem im Markusevangelium geht Jesus ebenfalls auf diesen Umstand ein und fügt etwas Tröstendes hinzu:

„Ich versichere euch: Jeder, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Besitz um meinetwillen und um der guten Botschaft willen aufgegeben hat, wird jetzt, in dieser Zeit, alles hundertfach zurückerhalten: Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Besitz – wenn auch mitten unter Verfolgungen. Und in der künftigen Welt wird er das ewige Leben haben.“ (Markus 10:29, 30; NLB [12] ).

Wenn Jesus hier davon spricht, dass ein Nachfolger um seinetwillen ihm nahestehende Menschen „aufgibt“, so ermuntert er natürlich nicht dazu, solche Personen aktiv aufzugeben. Vielmehr kann die Tatsache, dass ein Christ fest zu seinem Glauben hält, dazu führen, dass er aufgegeben oder verlassen wird – was vom Effekt her das Gleiche ist. Der Trost, den Jesus für dieses glaubensvolle Verhalten dagegen hält, ist das Versprechen, geistige Brüder und Schwestern zu haben sowie die Aussicht auf ewiges Leben.

Ein wichtiger Aspekt der Nachfolge Christi ist somit die Frage, wie sich der Einzelne „vor den Menschen“ verhält. Wie bereits erwähnt, kann es sich bei „den Menschen“ um einzelne Menschen handeln wie solche, die Jesus ausdrücklich erwähnt; es kann sich aber auch um eine Gruppe von Vertretern einer Glaubensgemeinde oder um eine Gemeinschaft als Ganzes handeln. Letzten Endes läuft es auf die Frage hinaus, ob der einzelne Christ die Verantwortung seinem Herrn Jesus Christus gegenüber grundsätzlich höher einstuft als die gegenüber Menschen. Daher sollte sich jeder Christ die aufrichtige Frage stellen, ob er bereit ist, dieser persönlichen Verantwortung gegenüber Gott und seinem Sohn nachzukommen. Wenn nicht, so entsteht die Frage, welche Rolle das Christentum im Leben des Betreffenden dann spielt.

Dient die Verbundenheit mit einer christlichen Gemeinschaft lediglich sozialen Kontakten, so kann man kaum sagen, dass das im Sinne des Begründers liegt. Wie den vorstehenden Worten Jesu zu entnehmen ist, nimmt das Bekenntnis zu ihm und seinen Vater die erste Stelle ein. Wird diese Glaubenshaltung an die erste Stelle gesetzt, ist allerdings eine soziale Verbundenheit innerhalb der Gemeinschaft – so klein oder groß sie auch sein mag – ebenfalls notwendig und muss hinzukommen:

Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe, dass auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Johannes 13:34, 35).

Nach Jesu Worten soll diese gegenseitige Liebe sogar so markant sein, dass Christen von anderen an dieser Liebe „erkannt“ werden. Die eigentliche Grundlage des Glaubens jedoch ist das auf Glauben beruhende Bekenntnis zu Jesus und das vertraute Verhältnis zu seinem Vater. Liebevolles, soziales Verhalten an sich ist also noch nicht christlich. Glaube und Überzeugung ohne Liebe allerdings genauso wenig (1. Korinther 13:2).

Eigenverantwortung

Möchte man somit dem Herrn Jesus in rechter Weise nachfolgen, muss man lernen, vor ihm und seinem Vater, dem Herrn Jehova, Eigenverantwortung zu übernehmen. Da kann und darf ein Mitchrist zwar mit Rat zur Seite stehen, aber es ist nicht seine Sache, über den Glauben des anderen zu urteilen oder zu richten:

„Du bist nicht der Herr deines Mitmenschen. Mit welchem Recht willst du ihn also verurteilen? Ob er im Glauben standfest bleibt oder ob er fällt, ist eine Sache zwischen ihm und Gott, seinem Herrn. Und er wird im Glauben festbleiben, denn der Herr hält ihn“ (Römer 14:4; Hfa).

Das ist es, was man sich als Christ verinnerlichen muss: Mein Glaube und meine Verantwortung ist „eine Sache zwischen … [mir] und Gott“. Dieses Wissen sollte aber nicht belasten. Vielmehr macht es den christlichen Weg einfacher, unkomplizierter. Stellen wir uns einmal vor, wir sind aus Glaubens- oder sonstigen Gründen von der Gemeinschaft isoliert. Möglicherweise ist das verbunden mit Verfolgung um des Glaubens willen. Fällt es uns dann schwer, im Glauben stark zu bleiben? Nicht, wenn wir ein Verhältnis zu Gott und Christus in der Weise aufgebaut haben wie vorstehend beschrieben. Dann nämlich befinden wir uns auf einer Grundlage, die immer besteht und nicht abhängig ist von der Gemeinschaft mit anderen Christen.

Stärke erlangen

Wie stark so ein Verhältnis ist und wie es uns befähigt, auch isoliert von Mitchristen gute Entscheidungen zu treffen, geht aus folgenden Worten des Apostels Paulus hervor:

„Deswegen beuge ich meine Knie vor dem Vater, dem jede Familie im Himmel und auf Erden ihren Namen verdankt, damit er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit gewähre, mit Kraft durch seinen Geist gestärkt zu werden an dem Menschen, der ihr innerlich seid, damit der Christus durch euren Glauben mit Liebe in eurem Herzen wohne, damit ihr verwurzelt und fest gegründet seid, um völlig imstande zu sein, mit allen Heiligen zu begreifen, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist, und die Liebe des Christus zu erkennen, die die Erkenntnis übersteigt, damit ihr mit all der Fülle, die Gott gibt, erfüllt sein mögt.“ (Epheser 3:14-19).

Jehova, unser Vater, stärkt uns durch seinen Geist mit Kraft. Wir unsererseits lassen Christus „durch … [unseren] Glauben mit Liebe in … [unserem] Herzen wohne[n], damit … [wir] verwurzelt und fest gegründet“ sind. Wir identifizieren uns sozusagen mit allem, was Christus tut und ahmen ihn „mit all der Fülle, die Gott uns gibt“, nach. Das ist die Gelegenheit, unser Verhältnis zu Gott und seinen Sohn aufzubauen, zu stärken!

Wenn wir unseren Glauben nach diesem Muster ausrichten, können wir verstehen – und es auch selbst erleben –, was der Apostel Paulus mit folgenden Worten zum Ausdruck brachte:

 „Was sollen wir nun zu diesen Dingen sagen? Wenn Gott für uns ist, wer wird gegen uns sein?

Wer wird uns von der Liebe des Christus trennen? Etwa Drangsal oder Bedrängnis oder Verfolgung oder Hunger oder Nacktheit oder Gefahr oder das Schwert? So wie geschrieben steht: „Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag zu Tode gebracht, wie Schlachtschafe sind wir geachtet worden.“ Im Gegenteil, aus allen diesen Dingen gehen wir vollständig siegreich hervor durch ihn, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, noch Engel, noch Regierungen, noch Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, noch Mächte, noch Höhe, noch Tiefe, noch irgendeine andere Schöpfung imstande sein wird, uns von Gottes Liebe zu trennen, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8:31, 35-39).

Beeindruckend, nicht wahr?

 Zusammenfassung

Tritt somit die Situation ein, dass wir vor der Wahl stehen, uns entweder für die Wahrheit des Wortes Gottes zu entscheiden – und verbunden damit (möglicherweise zeitweise) Meidung, Misstrauen oder Diskriminierung in Kauf zu nehmen – oder andererseits gegen unser Gewissen vor Gott lieber zu schweigen und abzuwarten, so werden wir, wenn wir die vorstehende Aussage der Bibel ernst nehmen, nicht im Zweifel sein, was wir tun werden. Männer wie Hus, Emlyn und Whiston waren sich da – ganz offensichtlich aufgrund ihres Glaubens – sicher.

Wenn also der „Ernstfall“ eintreten sollte und wir uns fragen „Wohin soll das führen?“, haben wir die Gelegenheit, unser Vertrauen in Gott unter Beweis zu stellen. Und wir haben Jesu Zusage:

„Jeder nun, der vor den Menschen bekennt, mit mir in Gemeinschaft zu sein, mit dem in Gemeinschaft zu sein, will auch ich vor meinem Vater, der in den Himmeln ist, bekennen“ (Matthäus 10:32).

Das bedeutet nicht, dass wir dann dogmatisch für die Wahrheit – also das, was wir als Wahrheit herausgefunden haben, – einstehen müssen. Wir dürfen uns genauso wenig als Herren über den Glauben unseres Bruders aufspielen (2. Korinther 1:24). Jeder von uns „steht oder fällt seinem eigenen Herrn“ (Römer 14:4).

Es bedeutet aber auch nicht, dass wir uns ängstlich zurückhalten sollten, offen über das zu sprechen, was Gottes Wort sagt.

„Eisen wird durch Eisen geschärft. So schärft ein Mann das Angesicht eines anderen“

heißt es in Sprüche 27:17.

Prüft euch! Stellt selbst fest, ob euer Glaube noch lebendig ist! Oder ist bei euch nichts mehr davon zu merken, dass Jesus Christus unter euch lebt? Dann allerdings hättet ihr diese Prüfung nicht bestanden“ (2. Korinther 13:5; Hfa).

Reden wir also miteinander offen über Gottes Wort, prüfen wir unseren Glauben und halten ihn lebendig! Tun wir das nicht, bleibt nur die Alternative: Unser Glaube wird träge, schläft ein und möglicherweise stirbt er letzten Endes sogar ab. Werden wir vielmehr „im Fleiß nicht nachlässig, [und lassen] … den Geist Gottes in … [uns] brennen und … [dienen] so dem Herrn!“ (Römer 12:11; NeÜ).

„Wohin also soll das führen?“

Da jeder Christ Eigenverantwortung vor Gott trägt, kann er diese Frage auch nur für sich allein beantworten. Es liegt in seiner Hand, es ist seine Entscheidung, wohin sein Weg führt. Er sollte diese Verantwortung weder auf andere abwälzen noch sich drängen lassen, etwas gegen sein christlich geschultes Gewissen zu tun:

„Doch jeder erprobe sein eigenes Werk, und dann wird er Grund zum Frohlocken im Hinblick auf sich allein und nicht im Vergleich mit einer anderen Person haben. Denn jeder wird seine eigene Last tragen“ (Galater 6:4, 5).

Wer seine Verantwortung gegenüber Gott wahrnimmt, wird somit „Grund zum Frohlocken“ haben: Er steht für das gerade, was er tut und Gott wird ihn nicht „hängenlassen“.

„So lasst uns nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich ist, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten“ (Galater 6:9).

Stützen wir unsere Entscheidungen auf unseren Vater im Himmel und sind entschlossen, seinem Sohn nachzufolgen, so hat die Frage „Wohin soll das führen?“ nichts Bedrohliches an sich. Vielmehr eröffnet sich die Möglichkeit, in vollem Vertrauen auf seine Unterstützung und in Eigenverantwortung den richtigen Weg zu gehen.

 


[1] NEÜ bibel.heute, Neue evangelistische Übersetzung

[2] Wenn nicht anders vermerkt, sind alle Bibelzitate der Neuen-Welt-Übersetzung, 1986, entnommen

[3] Hoffnung für alle, 1996

[4] Vergleiche dazu den Artikel „‚Mit Geist und Wahrheit‘ anbeten“, Teil 2 und 3 (Teil 2: http://proskyneo.org/2014/06/mit-geist-und-wahrheit-anbeten-johannes-423-24-teil-2/ und Teil 3: http://proskyneo.org/2014/07/mit-geist-und-wahrheit-anbeten-johannes-423-24-teil-3-epilog-2/)

[5] Schlachter 2000

[6] „Heiliger Dienst gemäß eurer Vernunft“, Der Wachtturm vom 15.6.1995, S. 21, 22

[7] „Einer ist euer Führer, der Christus“, Der Wachtturm vom 15.9.2010, S. 21

[8] Vergleiche dazu den Artikel „‚Mit Geist und Wahrheit‘ anbeten“, Teil 1 (http://proskyneo.org/2014/05/mit-geist-und-wahrheit-anbeten-johannes-423-24/)

[9] „Er gehorchte Gott, dem Herrscher, mehr als Menschen“, Der Wachtturm vom 15.6.1986, S. 30-31

[10] „Thomas Emlyn – Gotteslästerer oder Verfechter der Wahrheit?“, Der Wachtturm vom 1.4.2014, S. 15

[11] „Blick in die Vergangenheit – William Whiston“, Erwachet! vom August 2014, S. 13

[12] Neues Leben. Die Bibel

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4 Gedanken zu „Wohin soll das führen?“

  1. Liebe Brüder. Die website enthält enorm viele Quellenangaben und Bibelstellen und Erklärungen. Mich würde euer Beweggrund dafür interessieren nachdem der treue und verständige sklave uns so viel geistige Speise serviert und wir reichlich beschäftigt sind, und freue mich auf eine Antwort .

    1. Liebe Bernadette,
      entschuldige bitte, dass erst jetzt eine Antwort erfolgt. Wegen Abwesenheit wird es leider noch ein paar Tage dauern.
      Liebe Grüße
      elativ

    2. Liebe Bernadette,

      zuerst einmal vielen Dank für Deinen Kommentar. Gern gehe ich auf Deine Frage ein.

      Deinen Worten entnehme ich, dass Du auf der Website bereits einiges gelesen hast. Vermutlich auch den Artikel „Wozu die Seite proskyneo.org?“ Da ist ein Satz enthalten, der einen Aspekt der Antwort auf Deine Frage nach dem Beweggrund enthält:

      „Jeder, der ebenfalls daran interessiert ist, herauszufinden, was gemäß Jesus Christus und gemäß der Heiligen Schrift damit gemeint ist, den Vater „mit Geist und Wahrheit“ anzubeten, ist eingeladen, bei der Suche mitzuhelfen und diese Forschungsarbeit zu kommentieren.“

      Es besteht relative Unklarheit darüber, was es bedeutet, den Vater „mit Geist und Wahrheit“ anzubeten. Versuche einmal, Dir selbst die Frage zu beantworten, wie Du Gott „mit Geist“ (griechisch wörtlich: „im Geist“) anbeten kannst bzw. solltest. Welche Rolle spielt da der Geist? Hat er nur bei den Urchristen eine Rolle gespielt? Was heißt eigentlich „im Geist“? Wie aus der 3-teiligen Artikelreihe „Mit Geist und Wahrheit anbeten“ ersichtlich ist, gibt es sehr viele Gesichtspunkte, die selten oder gar nicht thematisiert werden. Aber sie spielen eine wesentliche Rolle unser Verhältnis zu Gott und seinen Sohn betreffend.

      Und was anbeten „mit … Wahrheit“ bzw. „in … Wahrheit“ betrifft: Was ist das für eine Wahrheit? Meinte Jesus in erster Linie, dass die Anbeter des Vaters Unwahres erkennen und durch Wahres ersetzen? Das ist zwar wichtig, wäre allerdings ziemlich wenig, und außerdem etwas sehr Passives. Jesus meinte mit „Wahrheit“ mit Sicherheit etwas Aktives, genauso wie mit seiner Erwähnung des „Geistes“. Schließlich sollten seine Jünger durch die Wahrheit letzten Endes sogar „frei“ gemacht werden (Johannes 8:32); nicht nur von der Lüge, sondern auch durch das Erkennen der „ganzen Wahrheit“ (Johannes 16:13). Da Gottes Wort „Wahrheit“ ist (Johannes 17:17), muss es unser Maßstab sein. Nur Gottes Wort! Nicht Überlegungen von Menschen – auch nicht von proskyneo.org, sofern sie von der Schrift abweichen würden (2. Timotheus 3:16).

      Deshalb wird sowohl bei dem Aspekt der Anbetung „im Geist“ als auch beim Aspekt „in Wahrheit“ besonderer Wert darauf gelegt, die klaren Aussagen der Bibel zu berücksichtigen. Die Suche nach der Aussage der Bibel soll nicht beeinträchtigt werden durch irgendwelche interpretierenden Vorgaben. Gottes Wort und sein Geist sollen uns helfen, zu bestimmten Schlussfolgerungen zu gelangen. Deshalb werden auch relativ viele Schrifttexte genannt. Von besonderem Wert ist es, solche Bibeltexte im Kontext zu lesen, damit der Zusammenhang ersichtlich wird. So ist es möglich, unter der Leitung des heiligen Geistes die Aussagen der Bibel auf sich wirken zu lassen.

      Haben wir unter allen Umständen den Mut, uns nach dem Wort Gottes auszurichten und nicht nach dem von Menschen? Der Ansporn, das konsequent umzusetzen, ist ein Hauptanliegen von proskyneo.org. Es ist wichtig, dass der einzelne Christ die persönliche Verantwortung vor dem Vater, Jehova Gott, und seinem Sohn Jesus Christus erkennt und sie auch wahrnimmt. Persönliche Verantwortung (Eigenverantwortung) tatsächlich zu übernehmen heißt, für die eigenen Gedanken, für das was man redet und für das was man tut geradezustehen. Wenn die Bibel für uns oberste Autorität ist, werden wir darauf achten, keine Gedanken zu übernehmen und weiterzugeben, die nicht durch Gottes Wort gestützt werden oder ihm sogar widersprechen.

      Wer Gott „mit Geist und Wahrheit“ oder „im Geist und in der Wahrheit“ anbetet, lässt sich von Gottes Geist anleiten, in Übereinstimmung mit seinem Glauben zu reden und auch zu leben (Galater 5:16, 22, 23). Das kann zur Folge haben, dass andere sich zu Wort melden, weil sie nicht mit einem übereinstimmen. Dann heißt es, seine Eigenverantwortung zu erkennen und für das einzustehen, was dem Willen Gottes gemäß der Bibel entspricht.

      „ … Wir werden doch alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden … Also wird jeder von uns für sich selbst vor Gott Rechenschaft abzulegen haben.“ (Römer 14:10-12; NeÜ).

      „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar gemacht werden, damit jeder das ihm Zuerkannte … empfange“ (2. Korinther 5:10).

      Das Ziel der Veröffentlichung von Artikeln auf proskyneo.org ist nicht, Spaltungen zu verursachen. Vielmehr sollen die Ausführungen den einzelnen Christen dazu befähigen, seiner Verantwortung vor Gott und Christus auch dann nachzukommen, wenn er – aus welchen Gründen auch immer – völlig auf sich gestellt ist; zum Beispiel, wenn er aufgrund seines Glaubens verfolgt wird. Im Glauben fest gegründet zu sein und immer so zu entscheiden, dass es Gott gefällt, ist die beste Methode, den Glauben zu bewahren. In solchen Situationen dagegen auf die Meinung anderer angewiesen zu sein, kann zum Schiffbruch im Glauben führen.

      Ich hoffe, Deine Frage verständlich beantwortet zu haben und wünsche Dir die Kraft (den Geist) unseres himmlischen Vaters.

      Liebe Grüße in christlicher Verbundenheit
      Volker

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