Anmerkungen zum Neuen Testament: Einführung

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Unter „Zweck der Website“ wird ausgeführt, dass hier anhand der Bibel erarbeitet werden soll, was es bedeutet, Gott „mit Geist und Wahrheit“ bzw. „im Geist und in der Wahrheit“ anzubeten (Johannes 4:23, 24). Man könnte selbstverständlich philosophische und theologische Überlegungen anstellen, wie eine solche Anbetung aussehen sollte. Das angestrebte Ziel ist jedoch nicht, lediglich interessante Überlegungen anzustellen oder diese miteinander zu vergleichen. Für einen Christen ist es wichtig – wie es die Bezeichnung „Christ“ bereits in sich birgt –, das zugrunde zu legen, was Jesus Christus lehrte. Das wiederum kann nur herausgefunden werden, wenn man Jesu Lehren in den Evangelien analysiert und die Bibelbücher zurate zieht, die aufbauend auf den Evangelien im Wesentlichen von den Apostel niedergeschrieben wurden.

Es geht um die christliche Lehre

Um sich selbst ein Bild davon machen zu können, was Jesus tatsächlich lehrte und wie die christliche Lehre unter der Leitung des Geistes Gottes nach seiner Auferstehung detaillierter formuliert und konkretisiert wurde, gibt es auf PROSKYNEO.org eine neue Rubrik „Anmerkungen zum Neuen Testament“. Im Rahmen dieses Projekts sollen die betreffenden Bibelbücher (d.h. die Evangelien und die übrigen christlichen Schriften des Neuen Testaments) analysiert und besprochen werden. Dabei soll es nicht darum gehen, jede einzelne Aussage dieser Bibelbücher im Detail zu erörtern. Vielmehr soll herauskristallisiert werden, worin die Kernaussage des jeweiligen Bibelbuchs besteht und welche Bedeutung diese für die christliche Lehre und das Leben des Christen hat.

Herausfinden, was die Bibel wirklich lehrt

Je nachdem, nach welcher theologischen Lehrmeinung oder nach welcher Glaubensgemeinschaft sich jemand ausrichtet, birgt das Analysieren der Schriften des Neuen Testaments die Gefahr in sich, ganz selbstverständlich von Voraussetzungen auszugehen, die von jemandem vorgegeben wurden, die sich jedoch nicht unbedingt auf die Heilige Schrift stützen. Um das beschriebene Ziel zu erreichen, nämlich herauszufinden, was die Bibel tatsächlich lehrt, soll bei den geplanten „Anmerkungen“ zu Bibelbüchern von keinerlei lehrmäßigen Vorgaben irgendeiner Art ausgegangen werden. Die zu Grunde liegenden Maßstäbe sollen sein:

  • Die Heilige Schrift ist von Gott inspiriert und daher Gottes Wort [1].
  • Die Bibel erklärt sich durch Gottes Wort selbst.

Das entspricht dem Sinn dessen, was der Apostel Paulus gemäß 2. Timotheus 3:16, 17 folgendermaßen formulierte:

„Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen. So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen; er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist. “ (NGÜ [2]).

Die ganze Schrift: Von Gott inspiriert

Als der Apostel Paulus den zweiten Brief an Timotheus, aus dem hier zitiert wird, schrieb, waren die Schriften, die den heute als Neues Testament bezeichneten Kanon bildeten, bis auf die Schriften des Apostels Johannes (Offenbarung, Johannesevangelium, Johannesbriefe) vermutlich weitgehend fertiggestellt. Trotzdem muss davon ausgegangen werden, dass Paulus unter der „Schrift“, die „von Gottes Geist eingegeben“ ist, die damals allgemein zugänglichen Schriften des Alten Testaments verstand [3]. Dennoch gehen wir davon aus, dass auch in Bezug auf die Schriften des Neuen Testaments gesagt werden darf, dass sie „von Gottes Geist eingegeben“ sind. Warum? Weil Jesus Christus seinen Jüngern kurz vor seinem Tod folgende Versprechen gab:

„Und der Vater wird euch ‚an meiner Stelle ‚ einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein wird; ich werde ihn darum bitten. Er wird euch den Geist der Wahrheit geben, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“

„Diese Dinge sage ich euch, solange ich noch bei euch bin. Der Helfer, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, wird euch alles ‚Weitere ‚ lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Johannes 14:16, 17, 25, 26).

„Wenn der Helfer kommen wird, wird er mein Zeuge sein – der Geist der Wahrheit, der vom Vater kommt und den ich zu euch senden werde, wenn ich beim Vater bin“ (Johannes 15:26).

„Doch wenn der ‚Helfer ‚ kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zum vollen Verständnis der Wahrheit führen. Denn was er sagen wird, wird er nicht aus sich selbst heraus sagen; er wird das sagen, was er hört. Und er wird euch die zukünftigen Dinge verkünden“ (Johannes 16:13).

Jesus machte hier konkrete Aussagen, für deren Erfüllung er sich selbst verbürgte; deshalb ist für uns die göttliche Inspiration der Schriften des Neuen Testaments eine Tatsache.

Studienhilfsmittel

Da uns heute die Originalschriften leider nicht mehr zur Verfügung stehen, sind wir – sofern Nicht-Gräzisten – auf Übersetzungen in Sprachen angewiesen, die wir sprechen [4]. Realistischer Weise muss man davon ausgehen, dass Bibelübersetzungen von den theologischen Überzeugungen des jeweiligen Übersetzers beeinflusst sind. Um in die Bibelübersetzung eingeschlossene persönliche Überzeugungen oder sogar Vorurteile so gut wie möglich zu erkennen, werden in den „Anmerkungen zum Neuen Testament“ immer wieder die jeweiligen Wiedergaben verschiedener Übersetzer miteinander verglichen. Außerdem werden Interlinearübersetzungen[5] zurate gezogen sowie die Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel [6].

Da auch diese Hilfsmittel nicht völlig frei sind von persönlichen Überzeugungen seitens der Herausgeber, ist das höchste Ziel immer, den Sinn einer Textaussage durch Berücksichtigung des unmittelbaren Kontexts zu erfassen sowie durch den Vergleich mit den Aussagen anderer Bibeltexte, die mit dem erläuterten Text thematisch zusammenhängen [7]. Die Vorgehensweise des Apostels Paulus soll hier wegweisend sein:

Auf der Grundlage der Heiligen Schrift öffnete er ihnen das Verständnis“ (Apostelgeschichte 17:2, 3; NeÜ [8]).

Methodik

Wie bereits erwähnt ist das Ziel der „Anmerkungen zum Neuen Testament“ nicht, jeden Bibelvers zu zerpflücken und alle Details zu erläutern. Es soll vielmehr jeweils ein Sinnabschnitt bzw. eine inhaltlich zusammenhängende Anzahl von Bibelversen wiedergegeben werden und anschließend der Inhalt und die Bedeutung des Abschnittes beleuchtet und besprochen werden. Ziel soll sein, im Anschluss eine konkrete Vorstellung von dem zu haben, was der Bibelschreiber vermitteln wollte. Sofern bezüglich der besprochenen Passage unterschiedliche Lehrmeinungen bekannt sind, wird im Einzelfall auf diese Unterschiede hingewiesen und erörtert, inwieweit sie mit der Aussage des besprochenen Kapitels bzw. mit der Gesamtaussage der Bibel übereinstimmen oder nicht.

Das bedeutet, dass die „Anmerkungen“ unterschiedlich umfangreich sein können. Klare Aussagen werden weniger kommentiert werden als komplexere. Sofern zum besseren Verständnis Hintergrundinformationen berücksichtigt werden (z.B. geschichtliche), fallen die „Anmerkungen“ ebenfalls umfangreicher aus. Ziel ist allerdings, zusätzliche Informationen nur soweit zu berücksichtigen wie sie für das Verständnis notwendig sind. Die „Anmerkungen“ sollen keinesfalls „aufgeblasen“ werden, nur um „gewichtig“ zu erscheinen.

Als Ergebnis soll nicht in erster Linie erreicht werden, den Inhalt eines Bibelbuches wiedergeben oder zusammenfassen zu können. Vielmehr soll dem Leser geholfen werden, eine klarere Vorstellung von dem zu haben, was der Bibelschreiber vermitteln wollte und welche Rolle das für den persönlichen christlichen Glauben spielt. Die Stärkung des eigenen Glaubens und die Fähigkeit, Eigenverantwortung für den Glauben zu übernehmen, stehen im Mittelpunkt. Schließlich soll die Heilige Schrift uns eine Hilfe sein, Gott „im Geist und in der Wahrheit“ anzubeten.

Die „Anmerkungen zum Neuen Testament“ werden die Bibelbücher nicht in der kanonischen Reihenfolge (Matthäus bis Offenbarung) besprechen. In den ersten „Anmerkungen“ werden kürzere Bibelbücher – somit Briefe – besprochen werden. Der erste Brief wird der des Apostels Paulus an die Galater sein. Das hehre Ziel ist, am Ende „Anmerkungen“ zu allen Büchern des Neuen Testaments zu haben[9]. Es bleibt abzuwarten, was sich auf dem Weg dorthin alles entwickelt.

Sonstige Handhabungen, Abkürzungen und biblische Begriffe (SHAubB)

In den Anmerkungen wird im fortlaufenden Text (in blauer Farbe) der Wortlaut der Neuen Genfer Übersetzung (NGÜ) verwendet. Namen der Bibelbücher werden üblicherweise abgekürzt.

Für Interlinearübersetzungen verwendete Abkürzungen sind DietzfInt, DiagInt und NWInt (sowie SteuInt für das AT). Details sind der Fußnote 5 zu entnehmen.

Eine weitere regelmäßig verwendete Abkürzung ist „v.u.Z.“ für „vor unserer Zeitrechnung“ und „u.Z.“ für „unserer Zeitrechnung“; diese Zeitangaben werden an Stelle des üblichen „vor Christus“ bzw. „nach Christus“ angegeben.

Der Kanon der „Christlichen griechischen Schriften“ wird wie allgemein üblich „Neues Testament“ (NT) genannt.

Viele Wörter im griechischen Text des NT werden in Bibelübersetzungen unterschiedlich wiedergegeben. Nachstehend findet sich eine Auflistung von griechischen Begriffen mit den verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten. Die in den Anmerkungen in der Regel verwendete Wiedergabe ist hervorgehoben. Soweit in den Anmerkungen auf diesen Abschnitt der Einführung Bezug genommen wird, wird in der Regel die Abkürzung „SHAubB“ verwendet.

aión: „Zeitalter“, „System der Dinge“, „Welt“, „Zeitraum“, „Ewigkeit“, „Äon“
cháris: „Gnade, „unverdiente Güte“, „Güte“
ekklesia:Gemeinde“, „Versammlung“, Kirche“
euangélion:Evangelium“, „gute Botschaft“, „gute Nachricht“, „frohe Nachricht“, „frohe Botschaft“.

[Die Liste wird fortgeführt werden.]

 


Fußnoten:

[1] Unter „Gottes Wort“ bzw. der „Heiligen Schrift“ werden hier die 39 Bücher des Alten Testaments sowie die 27 Bücher des Neuen Testaments verstanden, wie sie in den meisten Bibeln enthalten sind. Nicht dazu gezählt werden sogenannte apokryphe Schriften, die nicht zum Bibelkanon gezählt werden. Zwar ist festzustellen, dass auch diese Schriften erhellende zeitgenössische Ereignisse und Umstände beschreiben. Sofern jedoch Abweichungen oder Widersprüche zu den kanonischen Bibelbüchern bestehen, wird in jedem Fall davon ausgegangen, dass die kanonischen Schriften von Gott inspiriert sind und die Wahrheit vermitteln. (Eine aufschlussreiche Abhandlung über die Apokryphen findet sich in der Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen.)

[2] NGÜ, Neue Genfer Übersetzung. Wenn nicht anders vermerkt, sind in diesem Artikel alle Bibelzitate der NGÜ entnommen.

[3] Das kann man aus dem vorhergehenden Vers 15 schlussfolgern, gemäß dem der Apostel über Timotheus schrieb: Du „bist von Kind auf mit den heiligen Schriften vertraut, aus denen du alle Wegweisung bekommen kannst, die zur Rettung nötig ist – zur Rettung durch den Glauben an Jesus Christus“ (2. Timotheus 3:15). Als Timotheus „Kind“ war, gab es die Schriften des Neuen Testaments noch nicht oder kaum welche davon. Beim jungen Timotheus legten die Schriften des Alten Testaments die Grundlage für „den Glauben an Jesus Christus“.

[4] Wer koiné-Griechisch spricht, hat den Vorteil, das Neue Testament in der Sprache zu lesen, in der es ursprünglich geschrieben wurde. Zwar stehen auch ihm nicht die Originale zur Verfügung. Die Rekonstruktion der originalen Schriften ist jedoch so zuverlässig, dass die heute zur Verfügung stehenden „Urtexte“ das Original nahezu „echt“ wiedergeben. Vergleiche hierzu Kurt und Barbara Aland, „Der Text des Neuen Testaments“, Deutsche Bibelgesellschaft.

[5] Steurer, Das Alte Testament, Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch, Band 1-5 (SteuInt); Dietzfelbinger, Das Neue Testament, Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch (Nestle-Aland, 26. Auflage) (DietzfInt); Wilson, The Emphatic Diaglott, Original Greek Text of what is commonly styled the New Testament with an Interlineary Word for Word English Translation (Griesbach) (DiagInt); Watchtower Bible and Tract Society, The Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures (Westcott and Hort) (NWInt).

[6] R. Brockhaus Verlag, 2005

[7] Bibeltexte, die mit einem zu erläuternden Text aus dem Neuen Testament thematisch zusammenhängen, können auch Passagen aus dem Alten Testament sein. Da die Bibel als Gesamtheit das Wort Gottes bildet, werden, soweit für das Verständnis notwendig, selbstverständlich auch Texte aus dem Alten Testament herangezogen.

[8] NEÜ bibel.heute, Neue evangelistische Übersetzung

[9] Davon ausgenommen ist aus heutiger Sicht das letzte Bibelbuch, die Offenbarung des Johannes. Dabei handelt es sich um ein prophetisches Buch mit zahlreichen, komplexen symbolischen Elementen. Im Laufe der letzten Jahrhunderte sind unzählige Interpretationsversuche der Offenbarung unternommen wurden. Die Interpretationen weichen stark voneinander ab und oft haben Exegeten im Laufe der Zeit immer wieder selbst ihre eigenen Auslegungen modifiziert.

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